Winterurlaub in Skandinavien

Nicht nur in den Alpenländern sondern auch in Skandinavien müssen sich Autofahrer in der Wintersaison auf erschwerte und außergewöhnliche Fahrbedingungen, vor allem auf Berg- und Passstraßen, einstellen. Klirrende Kälte, Schneeverwehungen, fehlende Straßenbeschilderungen oder sogar gesperrte Verbindungen machen das Fahren mitunter zur Herausforderung. Das A und O sind daher eine gründliche Reisevorbereitung und eine gute Winterausrüstung.

Während es in Dänemark und Norwegen keine generelle Winterreifenpflicht gibt, müssen Autofahrer in Finnland und Schweden ab 1. Dezember Winterreifen aufgezogen haben. In Finnland endet diese Pflicht Ende Februar, in Schweden Ende März. Die Bestimmungen im Detail.

Schneeketten

Auch zur Verwendung von Schneeketten haben die Länder Skandinaviens klare Regelungen. D.h. sie setzen Schneeketten voraus, wenn die Straßen- und Witterungsverhältnisse dies erfordern. Wer keine eigenen Schneeketten besitzt, kann diese beim ADAC erwerben. Der Vorteil für ADAC Mitglieder: Wer den Kettensatz nicht benutzt und die Verpackung nicht beschädigt, bekommt den Kaufpreis zurück und zahlt lediglich eine Servicegebühr. Diesen Service bieten zahlreiche ADAC Stellen an. Die Rückgabe ist nur dort möglich, wo man die Ketten erworben hat.

Spikes

Winterreifen mit Spikes

Winterurlauber können ihr Fahrzeug mit Spikes noch sicherer machen. Dies ist in allen Ländern Skandinaviens in der Winterzeit (in der Regel von 1. November bis Ostern/Mitte April) erlaubt. Spikes kann man in allen Ländern gegen Gebühr ausleihen. Einzelheiten dazu findet man bei der ADAC Länderinfo.

Wintertaugliche Batterie

Autofahrer sollten vor der Reise nach Skandinavien überprüfen, ob ihre Batterie leistungsstark und in gutem Zustand ist. Bei großer Kälte kann eine normale Batterie schnell zum Problem werden. Autofahrern, denen der "Saft" ausgegangen ist, müssen zudem damit rechnen, auf den Pannendienst mehrere Stunden warten zu müssen.

Winterdiesel

Klirrende Kälte mit Temperaturen von bis zu minus 32 Grad ist in Skandinavien keine Seltenheit. Immer wieder kommt es vor, dass deutsche Winterurlauber, die mit einem Diesel-Fahrzeug unterwegs sind, schon bald nach ihrer Einreise liegen bleiben. Diese Zwangspause müssen vor allem Autofahrer einlegen, die mit der Fähre in Norwegen ankommen und noch in Deutschland Diesel getankt hatten. Der Grund: Ihr noch in Deutschland gekaufte Diesel-Kraftstoff ist nicht immer für derartige Minustemperaturen geeignet. Autofahrern von Dieselfahrzeugen wird daher geraten, möglichst bald nach Einreise norwegischen Winterdiesel mit einer noch besseren Kältetauglichkeit zu tanken. Außerdem sollten sie den Tank möglichst häufig nachfüllen, damit Kondensationsprobleme durch große Temperaturunterschiede vermieden werden.

Was bei Skandinavien-Fahrten sonst noch ins Auto gehört

Bleibt man mit seinem Auto bei Eis und Kälte liegen, sollte man unbedingt warme Kleidung, Getränke und Essen und Decken an Bord haben. Nicht immer kann man sich in Skandinavien darauf verlassen, dass der Pannendienst zeitnah kommt. Wie man sein Auto winterfest macht, erfährt man hier.

Sonderregelungen Norwegen

Fahren im Konvoi

Oft unbekannt ist, dass in Norwegen Winterrouten manchmal nur im Konvoi, d.h. in Gruppen, befahren werden dürfen. Strecken, auf die dies zutrifft, sind unter anderem die bedeutenden West-Ost-Verbindungen des Landes E 134 Haukelifjell, E 16 Filefjell und RV 52 Hemsedalsfjellet.

Wie funktioniert das Konvoi-Fahren? In der Regel werden Autofahrer durch eine entsprechende Beschilderung vorab darauf hingewiesen. Diese von Räumfahrzeugen angeführten Gruppenfahrten können nötig werden bei schlechter Sicht und/oder starken Winden, bei Winterstürmen und Schneetreiben. Welche und wie viele Fahrzeuge im Konvoi mitgenommen werden, liegt allein im Ermessen des Konvoiführers.

Die Fahrzeuge, die sich einem Konvoi anschließen wollen, müssen in einem technisch einwandfreien Zustand und unbedingt winterfest sein. Der Führer eines Konvois verweigert die Mitfahrt dann, wenn keine Winterreifen sowie keine intakte Beleuchtungsanlage vorhanden sind oder wenn Schneeketten, eine Taschenlampe, ein Abschleppseil sowie eine Schneeschaufel fehlen. Um für eventuelle Zwangspausen gewappnet zu sein, können warme Kleidung und Schuhe, Essensvorräte und heiße Getränke zur Bedingung gemacht werden. Im Konvoi gelten folgende Verhaltensregeln während der Fahrt:

  • Gebläse für die Windschutzscheibe auf Kaltluft einstellen
  • Nebelscheinwerfer einschalten.
  • Der Abstand zum vorausfahrenden Auto darf niemals zu groß sein. Dieses muss stets im Auge behalten werden.
  • Sollte der Konvoi einmal zum Stillstand kommen, darf das Fahrzeug unter keinen Umständen verlassen werden.
  • Strengstens untersagt ist es ebenfalls, aus der Reihe auszuscheren, umzudrehen oder zu überholen.

Alle Fahrzeuge müssen vor einer Schrankenanlage und/oder an der roten Ampel warten und sich zu einer Fahrzeugschlange aufreihen. Die Wartezeit kann durchaus auch mal mehrere Stunden betragen. Zu festgelegten Zeiten (diese sind in der Regel an der Schranke angeschrieben) oder wenn genügend Fahrzeuge zusammengekommen sind, wird der Bergübergang für die Durchfahrt der Kolonne geöffnet. Sind keine Durchfahrtszeiten angeschrieben, kann man die genauen Durchfahrtszeiten telefonisch in Norwegen unter der Telefonnummer 175 beim Straßenmeldedienst  erfragen.

Dass so strenge Vorgaben beim „Kolonnekjøring“ berechtigt sind, zeigt ein Vorfall im Osterreiseverkehr 2007: Bei der Fahrt über die Hardangervidda (Rv/7) war aufgrund des schlechten Wetters während der Kolonnenfahrt kein Weiterkommen mehr möglich. Es befanden sich 180 Menschen in den Fahrzeugen der Kolonne. Sie mussten in einer direkt neben der Straße befindlichen Hütte zwei Nächte ausharren, bevor die Kolonne weitergeführt werden konnte.

Straßensperren in den Bergen

Wer einen Winterurlaub in Norwegen plant, sollte sich aber nicht nur auf eine Fahrt in einem Konvoi einstellen. Er muss auch wissen, dass etliche Berg- und Passstraßen ähnlich wie in den Alpenländern unabhängig von der Witterung mehrmonatige Wintersperren haben und in der Regel von November bis April nicht befahrbar sind. Dazu zählen unter anderem Abschnitte auf der E 69,  der wichtigsten Verbindung zum Nordkap. Schließlich gibt es auch einige Verbindungen, die generell nachts nicht befahrbar sind.

Reiseplanung mit dem ADAC Routenplaner

Wir raten Autourlaubern in Skandinavien daher rechtzeitig vor Reiseantritt über ADAC Maps die Route zu planen. Der Maps-Routenplaner gibt zum Beispiel Hinweise darauf, in welchen Regionen Norwegens Konvoi-Fahrten vorkommen könnten.

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