Urteil: Rechte für Radler am Zebrastreifen

An Fußgängerüberwegen sind Passanten bevorrechtigt, Autofahrer müssen warten. Doch wie verhält es sich, wenn der Zebrastreifen von einem Radfahrer genutzt wird? Ein Urteil.

Für Fußgänger ist die verkehrsrechtliche Lage am Zebrastreifen klar: Sie haben Vorrang, ankommende Autos müssen warten, bis sie die Straße überquert haben. Bei Radfahrern ist die Lage komplizierter: Zwar dürfen auch sie den Fußgängerüberweg befahren, gleichen Vorrang wie Fußgänger haben sie aber nur dann, wenn sie absteigen oder ihr Rad „rollernd“ nutzen, also als eine Art Tretroller.

Fährt der Radfahrer über den Zebrastreifen, ist er im Falle einer Kollision mit einem Pkw rechtlich nicht gesondert geschützt. Dennoch zog ein Radler mit einem entsprechenden Anliegen vor Gericht: Ein Autofahrer hatte ihn an einem Zebrastreifen bei tiefstehender Sonne übersehen und erfasst. Der Radfahrer verlangte daraufhin Schadenersatz von der Haftpflichtversicherung des Pkw-Halters. Zur Begründung führte er an, dass er auf dem Fußgängerüberweg lediglich mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs gewesen sei und ihn das Auto erst touchiert habe, als er den Zebrastreifen bereits überquert hatte. Die Versicherung widersprach dieser Darstellung allerdings.

Pkw-Halter muss trotzdem zahlen

Schließlich trafen sich die Parteien vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Durch die Beweisführung wurde dabei zunächst der Radfahrer belastet: Der Richter sah es als erwiesen an, dass die Kollision tatsächlich noch im Bereich des Fußgängerüberweges geschehen war, und dass der Radler sein Fahrzeug nicht geschoben hatte, sondern über den Zebrastreifen gefahren war, wenn auch sehr langsam. Ein Vorfahrtsrecht des Radlers habe daher nicht bestanden.

Da aber der Autofahrer trotz tiefstehender Sonne, was durch Polizeifotos belegt werden konnte, und damit eingeschränkter Sicht mit rund 30 km/h zu schnell unterwegs gewesen sei, trage auch er eine Mitschuld. Der Richter entschied deshalb, dass eine hälftige Schadenteilung angemessen sei – zum Glück für den Radfahrer, der nach rechtlicher Lage eben in einer solchen Situation eigentlich keinen besonderen Schutz genießt.

LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 06.10.2016, Az.: 2 S 8390/15

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Hier lesen: Fahren bei tiefstehender Sonne

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