Überschallflugzeuge: Die Nachfolger der Concorde

In etwas mehr als drei Stunden von London nach New York: Mit dem Überschallflugzeug Concorde war das bis vor 15 Jahren noch möglich. Ende Oktober 2003 flog der Jet mit der spitzen Nase zum letzten Mal im kommerziellen Liniendienst. Mittlerweile arbeiten einige Unternehmen an einem Nachfolger. Fliegen wir bald wieder mit Überschallgeschwindigkeit um den Globus?

Seit Beginn des Jet-Zeitalters in den 1960er-Jahren hat sich Fliegen grundlegend verändert: Flugreisen sind zum Beispiel sicherer und für jedermann erschwinglich geworden, Tickets kauft man heute per Smartphone oder im Internet, nicht mehr im Verkaufsbüro einer Airline. Nur die Geschwindigkeit ist über all die Jahre gleich geblieben. Moderne Flugzeuge sind mit rund 900 Stundenkilometer nicht schneller unterwegs als in den Anfängen des Jet-Zeitalters. Ausnahme war bis 2003 die Concorde, die mit Tempo 2200 – doppelter Schallgeschwindigkeit – über den Atlantik sauste.

Wirtschaftlich war die Concorde nie, der horrende Kerosinverbrauch aus Umweltsicht fragwürdig. Die technische Herausforderung: Nähert sich ein Flugzeug der Schallgeschwindigkeit, wird der Luftwiderstand immer stärker. Je schneller der Jet fliegt, desto höher ist der Spritverbrauch. Durchbricht ein Flieger die Schallmauer, entsteht außerdem ein Knall – der hat zur Folge, dass Überschallflugzeuge in der Regel nur über Wasser ihren Geschwindigkeitsvorteil ausspielen können.

Neue Überschallflugzeuge sollen leichter werden

Mit diesen physikalischen Problemen haben auch die Unternehmen zu tun, die sich gerade mit Nachfolgern der Concorde in Stellung bringen: Boom Technology aus Denver (USA) tüftelt an einem Jet namens „Boom Supersonic“, der optisch durchaus Ähnlichkeiten mit seinem Vorgänger hat. Im Vergleich zur Concorde sind die Flügel spitzer zulaufend, wodurch der Luftwiderstand sinken soll. Verbundstoffe sollen den Flieger leichter machen als die Concorde aus Metall.

Der Erstflug eines – deutlich kleineren – Prototyps unter dem Namen XB-1 soll in wenigen Monaten stattfinden, bis 2023 soll der erste „richtige“ Passagierjet abheben. Das Unternehmen hat bereits Bestellungen eingetütet: Japan Airlines und die britische Virgin Atlantic des innovationsfreudigen Richard Branson wollen den neuen Überschalljet kaufen, der mit 55 Fluggästen nur etwa halb so vielen Passagieren Platz bietet wie einst die Concorde.

Mit maximal zwölf Passagieren noch exklusiver soll der Überschalljet AS2 von Aerion sein: Die US-Firma entwickelt ein Flugzeug, das als Firmenjet für besonders eilige Geschäftsführer und Vorstände gedacht ist. Mit im Cockpit: Eine Art Navigationsgerät, das den Piloten die Ausläufer des Überschallknalls visualisieren soll. Damit könnte der Jet bei geschickter Flugplanung auch über (unbewohntem) Boden eingesetzt werden und nicht nur über Wasser. Ein Erstflug ist nicht vor 2023 geplant. Einer der Kooperationspartner des Unternehmens ist die US-Raumfahrtbehörde NASA.

Auf der Suche nach dem leiseren Knall

Gemeinsam mit dem Rüstungskonzern Lockheed Martin arbeitet die NASA noch an einem weiteren Überschall-Projekt. Der Flieger mit dem Namen QueSST (Quiet Supersonic Transport) soll einen nur noch 75 Dezibel lauten Überschallknall erzeugen, vergleichbar mit dem Schleudern einer Waschmaschine. Noch haben NASA und Lockheed Martin nicht kommuniziert, wie vielen Fluggästen der Jet Platz bietet. Lockheed Martin ist einer der größten Rüstungskonzerne der USA – nicht ausgeschlossen, dass die Forschungen auch in einen militärischen Flieger münden.

Noch ist keines der Projekte über das Planungsstadium hinausgekommen. Doch schon heute steht fest: Richtig günstig werden die Tickets für künftige Überschallflugzeuge nicht, dafür sorgt alleine der – im Vergleich zur konventionellen Luftfahrt – hohe Kerosinverbrauch. Die Firma Boom rechnet mit rund 2500 US-Dollar für einen Flug von London nach New York, vergleichbar mit einem heutigen Business-Class-Ticket. Immerhin nur ein Viertel des Ticketpreises für die Concorde, trotzdem wohl eher ein Vergnügen für wenige.

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1 Gedanke zu “Überschallflugzeuge: Die Nachfolger der Concorde

  1. Hallo, nun Überschallflugzeuge sind wirklich eine tolle Sache. Schnelle Reisen ideal. Auch über Kontinente. Finde ich großartig. Einfach genial. Guter Artikel.

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