Stromtanken auf der Autobahn

Ein Hauptgrund für die mangelnde Akzeptanz der e-Mobilität in Deutschland ist die Ladeinfrastruktur. Wie sieht es mit Lademöglichkeiten an deutschen Autobahnen aus? Müsst ihr als Stromer dort Angst vor einer leeren Batterie haben? Oder zwei Stunden tatenlos auf der Raststätte verbringen?

Beim Stromtanken an einer Autobahnraststätte geht ohne Tank & Rast heute so gut wie gar nichts. In Deutschland betreibt, verwaltet und verpachtet das Unternehmen mehr als 400 Rastanlagen. Seit 2015 unterstützt das Unternehmen die Initiative e-Mobilität des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Im Juli 2018 sind mehr als 300 Standorte von Tank & Rast mit Schnellladestationen ausgerüstet. Nach Auskunft des Unternehmens wird diese Ladeinfrastruktur "konsequent weiter ergänzt und verdichtet". Ein flächendeckendes Ladenetz muss im Land der Autobahnen kein Wunschdenken mehr sein.

Stromtanken – das sind die Vorzeigeprojekte

Zwei Raststätten sind in puncto Modernität und e-Mobilität für Tank & Rast echte Renommierprojekte: Fürholzen West und Brohtal Ost. Dort könnt ihr in Ansätzen erleben, wie man sich die Zukunft des Rastens und Stromtankens an der Autobahn vorstellt.

  • Raststätte Fürholzen West

Die Raststätte liegt an der A 9, etwa 30 Kilometer nördlich von München. Eröffnet wurde diese "Tankstelle der Zukunft" im September 2017. Innerhalb von neun Monaten wurden 20 Millionen Euro verbaut. Die Anlage soll über den sogenannten Energie-Plus-Standard verfügen: Solaranlagen und ein Blockheizkraftwerk erzeugen mehr Energie, als für Beleuchtung und Strom verbraucht wird.

Neben 12 Pkw- und 8 Lkw-Tanksäulen, einer Zapfsäule für Scheibenreiniger und einer für AdBlue gibt es für die jeweiligen alternativen Antriebe Autogas (LPG), Erdgas (CNG), zwei Wasserstoffsäulen (CCH2/CGH2) und vier e-Schnellladesäulen mit allen üblichen Anschlüssen ("Multicharger" Typ 2, CCS und CHAdeMO).

  • Raststätte Brohltal Ost

In Sachen e-Mobilität geht Tank & Rast bei der Raststätte Brohtal Ost an der A 61 südlich von Bonn noch einen Schritt weiter. Gemeinsam mit Ionity, einem Joint Venture mehrerer Automobilkonzerne, werden hier erstmals an Autobahnen Ultraschnellladestationen (HPC-Stationen) zum Stromtanken angeboten. In der näheren Zukunft sollen diese Stationen mit bis zu 350 kW Leistung an rund weiteren 80 Standorten eingeführt werden. Gute Nachrichten für alle, die auf langen Strecken mit dem e-Auto unterwegs sind.

Kosten der Ladung

Tank & Rast betreibt den Löwenanteil der Schnellladesäulen an den Raststätten in Kooperation mit diversen Anbietern. Grundsätzlich ist das Laden hier kostenpflichtig. Bezahlen könnt ihr mit allen gängigen Ladekarten, per App, über das Intercharge-Direct-Bezahlportal oder mit NFC-fähigen EC- oder Kreditkarten. Die von Tank & Rast betriebenen Schnellladesäulen sind momentan noch kostenlos zu nutzen. Und auch die Ultraschnellladesäulen von Ionity sind aktuell gratis. (Stand: Juli 2018)

Wie lange dauert das Laden?

Über die Triple-Charger-Schnellladesäulen können alle gängigen Elektrofahrzeuge in durchschnittlich 20 bis 30 Minuten geladen werden. Die exakte Ladezeit ist abhängig vom Zustand der Batterie und der Außentemperatur. Die meisten Ladestationen können ohne großen Aufwand bei Bedarf auf 150 Kilowatt Ladeleistung erweitert werden.

Die HPC-Ladestationen sind auf 350 Kilowatt ausgelegt – und damit echte Zukunftsmusik. Der Akku eines e-Autos kann zwar über diese Ultraschnelllader innerhalb von 15 Minuten für eine Reichweite von 400 Kilometern aufgeladen werden – nur gibt es heute noch keine e-Autos, die auf diese Leistung ausgelegt sind. Aktuelle Modelle benötigen für eine Reichweite von 100 Kilometern an den HPC-Ladestationen 30 Minuten Ladezeit.

Elektroauto laden: Wichtige Fragen und Antworten

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3 Gedanken zu “Stromtanken auf der Autobahn

  1. Meiner Ansicht nach ist die reine E-Mobilität keine brauchbare und auf Dauer umsetzbare Lösung.
    Man braucht nur einmal die Masse der jetzt verbrauchten Kraftstoffe auf Mineraläölbasis zu nehmen und den Energiegehalt zu berechnen. Dann wird man sehr schnell feststellen, dass man diese Energie rein elektrisch nicht zur Verfügung stellen kann. Dies auch vor dem Hintergrund des Ausstiegs aus der Kernenergie.

  2. Über den Kommentar von Herrn Neitzert kann man sich nur wundern. Die Welt funktioniert leider nicht so einfach wie in den Köpfen mancher Menschen. Informationen zu dem Thema gibts zuhauf im Internet, daher kommentiere ich das nicht weiter.

    Zum Thema: Es ist schön dass sich endlich etwas bewegt bei den Ladestationen. Meine Erfahrung zeigt aber, dass es 2 Hauptprobleme mit den Schnelladesäulen gibt, die nur bedingt mit der Hardware zu tun haben. Verfügbarkeit (im Sinne von, hat sich die Säule mal wieder „aufgehängt“? – muss ich leider immer wieder erleben) und die Abrechnungsmodalitäten.

    Zum letzten Punkt möchte ich die Maingau Energie GmbH für ihr kontinuierliches Engagement loben. Was die da auf die Beine stellen ist (leider) einmalig in Deutschland. Man kann inzwischen mit einer Ladekarte fast alle Ladestationen in Deutschland (bzw. Europa) nutzen – und das zu einem unschlagbar günstigen Preis!
    Soetwas hätte ich eher vom ADAC erwartet! Könnt ihr denen nicht mal unter die Arme greifen? Die freuen sich sicher über eine tatkräftige (und einflussreiche) Unterstützung!

  3. Um E-Autos wirklich alltäglich nutzen zu können, auf kurzen wie auf langen Strecken, muss fix gehandelt werden!!

    Zu Langstrecken: Es kann nicht sein, dass Schnell-Ladepunkte an Autobahnen nur weit verstreut installiert sind und diese wenigen Säulen eventuell auch noch defekt sind. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die PKW Ladesäulen zum Teil abseits von Raststätten im Parkraum von LKWs stehen, dass sie nicht überdacht sind, dass die Displays nicht auf Augenhöhe angebracht sind und die Einblendungen der Menüpunkte schneller wechseln als sie lesbar sind. Natürlich ist es zudem mühsam die Technologie zu nutzen wenn die Anbieter jeweils unterschiedliche Zugänge und Regeln haben.

    Auf kürzeren Strecken über Land werden Schließzeiten von Ladestationen auf Parkplätzen von Einkaufszentren zum Problem. Ladesäulen gehören an jede Tankstelle oder direkt daneben auf öffentliches Straßenland ;-)). Ginge es um Benzin oder Diesel, wäre die Aufregung groß. Diese Technologie der E-Mobilität ist auf dem Markt, daher muss die Infrastruktur dringend verlässlich nutzbar werden. Menschen die E-Autos fahren sorgen mit ihrem Verhalten anteilig für bessere Luft in den Städten und auf den Feldern.

    E-Autos zu fahren verändert das Verhalten im Straßenverkehr, da schnelles Fahren auf Strecke mehr Ladezeit kostet. Man fährt daher sorgsamer, um mit der Energie weiter zu kommen und Zeit zu sparen. Dies verdient Lob und beste Förderung.

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