Männer fahren leichter aus der Haut

Was Frauen immer schon wussten, steht jetzt fest: Männer sind streitlustiger als Frauen. Zumindest auf der Straße. Bestätigt wird diese Behauptung durch die Ergebnisse des "Großen Streitatlas 2017", einer Studie, für die die Rechtsschutzversicherung Advocard (Generali) insgesamt 1,7 Millionen Streitfälle gesammelt und ausgewertet hat. Aber sind Frauen auch die besseren Autofahrer? Und was sagt unsere Verkehrspsychologin zum Geschlechterkampf?

Laut Streitatlas 2017 ist der Verkehrsunfall mit 36,7 Prozent die häufigste Ursache für Rechtsstreitigkeiten. Und Männer sind am häufigsten in Konflikte verwickelt, die auf der Straße entstehen. 30,6 Prozent aller Streitfälle drehen sich bei ihnen um dieses Thema. Bei den Frauen sind es dagegen nur 22,4 Prozent. Natürlich muss man berücksichtigen, dass der Studien-Autor, nämlich eine Versicherung, nur Streitfälle nach Unfällen ausgewertet hat. Viele typische Streitsituationen im Straßenverkehr sind also nicht berücksichtigt. Was sagen Experten dazu? Wir haben Nina Wahn, unsere Verkehrspsychologin, befragt.

Nina Wahn, Verkehrspsychologin

Warum rasten Männer schneller aus als Frauen?

Generell ist unser Auto ein geschützter Raum, wir nehmen uns selbst nicht mehr so stark als Individuum wahr und erfahren eine gewisse Anonymität. Gerade junge Männer gehen in diesem Rahmen dann häufig dem Bedürfnis nach sozialem Vergleich und Anerkennung nach. Die Kombination von ausgeprägtem Leistungsmotiv und der Illusion, eine Situation kontrollieren zu können, führt dann zum Regelverstoß. Das kann bei regelmäßig ausbleibender negativer Rückmeldung schnell zur Gewohnheit werden.

Warum sind vornehmlich Männer aggressiv? Was kann man dagegen tun?

Grundsätzlich sind Männer nicht aggressiver als Frauen, gehen aber anders mit ihrer Aggression um. Autofahren wird in unserer Gesellschaft immer noch mit Männlichkeit verbunden. Männer neigen eher dazu das eigene Auto als Statussymbol zu sehen und sich in ihrer Männlichkeit zu profilieren und zu zeigen: Ich beherrsche mein Auto, ich beherrsche die Geschwindigkeit.  Es gibt kein Patentrezept gegen aggressives Verhalten im Straßenverkehr. Eltern, aber auch die Gesellschaft sollten einem solchen Verhalten nicht mit Aufmerksamkeit oder sogar Anerkennung begegnen.

Reagieren Männer gegenüber Frauen besonders häufig empfindlich?

Die Klischees, wie das der schlecht einparkenden Frau, gelten als überholt. Generell ist aber jeder dazu angehalten, seinen eigenen Fahrstil zu reflektieren und gegebenenfalls im Sinne der Verkehrssicherheit anzupassen – das gilt geschlechterübergreifend.

Gibt es eigentlich auch Frauen, die im Straßenverkehr ausrasten?

Da – glücklicherweise oder leider – Stimmungsschwankungen im Auto schwierig beobachtet und erfasst werden können, gibt es keine verlässlichen geschlechtervergleichenden Zahlen. Allerdings ist unser Umgang mit Ärger nicht vom Geschlecht, sondern von unserer Persönlichkeit, der Frustrationstoleranz, unserer momentanen Stimmung und von der jeweiligen Situation abhängig. Daher gibt es sicherlich auch Frauen, die ihren Emotionen im Straßenverkehr freien Lauf lassen und fahrlässig oder vorsätzlich auch gegen Regeln des fairen Miteinanders verstoßen.

Wer ist denn nun der bessere Autofahrer? Frauen oder Männer?

Im Zweifel immer das Geschlecht der Person, die gefragt wird. Aber Spaß beiseite: Keine Zahlen belegen, dass Frauen generell besser fahren. Ebenso wenig belegen die Zahlen, dass es die Männer sind. Wir alle sollten uns im Straßenverkehr, wie in allen anderen Situationen des Lebens, um ein freundliches Miteinander bemühen und nicht immer auf das eigene Recht beharren - egal ob der Fahrende neben euch an der Ampel männlich oder weiblich ist.

Wer ist der bessere Beifahrer?

Die Frage nach dem besseren Beifahrer dürfte ähnlich schwer zu beantworten sein, wie die Frage nach dem besseren Autofahrer. In einer früheren Studie des Reifenherstellers Uniroyal wurde beispielsweise der beliebteste Beifahrer gesucht. Drei Viertel der Männer und Frauen gaben an, am liebsten in Begleitung des Ehepartners oder Lebensgefährten zu fahren. Diese werden offenbar als wichtige Unterstützung während der Fahrt wahrgenommen und vermitteln ein Gefühl der Sicherheit. Beifahrer sind zwar meistens willkommene Begleiter für den Pkw-Fahrer, gleichzeitig gibt es aber im Umgang auch immer wieder Zoff.

Verschiedenen Studien zufolge ist es ein absolutes No-Go für Männer und Frauen, den Fahrstil des Fahrers zu kritisieren. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass für Männer als Beifahrer die Fahrweise des Fahrers häufiger Auslöser für Reibereien ist als für Frauen. Hierbei spielt insbesondere dichtes Auffahren eine Rolle. Frauen hingegen rasten häufiger aus, wenn der Fahrer zu sehr aufs Gas tritt. Außerdem entsteht ein großer Teil der Konflikte offenbar wegen Unstimmigkeiten bei der Musikauswahl.

Hier erfahrt ihr, in welchen Regionen Deutschlands Autofahrer besonders aggressiv sind.

Auch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat die Fahrkünste von Männern und Frauen unter die Lupe genommen.

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