Sole oder Salz: Was ist besser?

Winterzeit ist Streuzeit. Dann wird Salz ausgebracht – und zwar in rauen Mengen. In Deutschland rieseln im langjährigen Schnitt etwa 1,5 Millionen Tonnen pro Winter auf die Straßen. Aber es gibt seit Kurzem eine Alternative, die sich ökonomisch wie ökologisch lohnt: Sole. 

Seit Jahrzehnten kommt auf Deutschlands Straßen vor allem Natriumchlorid in Form von Steinsalz zur Bekämpfung von Glätte zum Einsatz. Aber was genau passiert eigentlich, wenn Streusalz auf Eis trifft? Dann wird es chemisch: Die Ionen des Chlors in den Salzkristallen streben nach Hydratisierung, wollen also Wassermoleküle anlagern. Ist dies dann passiert, entsteht eine Lösung, deren Gefrierpunkt tiefer liegt als der reinen Wassers.

Streng genommen wird das Eis durch das Ausbringen von Salz also eigentlich nicht aufgetaut, sondern lediglich der Gefrierpunkt unter die herrschende Temperatur gesenkt. Aber was zählt, ist das Ergebnis dieses chemischen Prozesses: Die Straße ist eisfrei. Dabei gilt: Je tiefer die Temperaturen, desto mehr Salz wird benötigt und auch eingesetzt – mit fatalen Folgen für die Umwelt.

Zu viel Salz schadet

Denn eine Überdosis Salz führt zu massiven Schäden an Bäumen und Sträuchern. Das stark salzhaltige Tauwasser wird über die Wurzeln aufgenommen und behindert durch die Schädigung von Zellen die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser. Viele Pflanzen sterben langsam ab. Ein in Hamburg über mehrere Jahre durchgeführtes Streusalz-Monitoring hat dies wissenschaftlich untermauert.

Streusalz kommt im Winterdienst heute vor allem als Feuchtsalz zum Einsatz.

Heute werden im Winterdienst nahezu ausschließlich sogenannte Feuchtsalze ausgebracht (am häufigsten FS 30 – eine Mischung aus 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Sole) oder auch reine Sole versprüht. Seit den 1990er-Jahren ist Feuchtsalz der technische Maßstab in den meisten europäischen Ländern. Moderne Streufahrzeuge sind mit Wärmebildkameras ausgerüstet, die laufend die Temperatur des Straßenbelags messen. Mithilfe dieser exakten Sensorik kann innerhalb kürzester Zeit die Menge des zu streuenden Salzes angepasst und der Salzverbrauch somit deutlich gesenkt werden.

Was kann Sole besser als Salz?

Ein weiterer Schritt hin zur besseren Vereinbarkeit von Straßensicherheit und Umweltschutz ist Sole. Erste Versuche mit dem Versprühen dieser salzgesättigten Flüssigkeit gab es schon in den 1950er-Jahren in Frankreich. Auch skandinavische Länder testeten Sole in der sogenannten Übergangszeit vor und nach dem Winter. Reine Sole (FS 100) hat in einer Zusammensetzung aus 23,6 Prozent Kochsalz und 76,4 Prozent Wasser mehrere Vorteile gegenüber Salz:

  • Sole haftet bis zu 24 Stunden auf dem Straßenbelag und damit länger als Feuchtsalz.
  • Sole eignet sich aufgrund dieser Haftung ausgezeichnet für präventive Einsätze bei leichtem Frost.
  • Sole belastet die Umwelt weniger als Streusalz.
  • Sole trägt erheblich zur Einsparung von Salz bei.

Salz und Sole gewähren Flexibilität

Der Erfolg eines Sole-Einsatzes im Straßenverkehr hängt stark von der Genauigkeit der Wetterprognosen ab. Sind etwa drohendes Blitzeis oder Eisregen exakt und rechtzeitig vorhergesagt, können die Streufahrzeuge ausrücken und die Straßen in den gefährdeten Gebieten mit einer Soleschicht besprühen. „Obgleich die ausgebrachte Salzmenge deutlich geringer war, war bei FS 100 bereits nach 60 Minuten mehr Salz auf der Fahrbahn zu finden als bei FS 30“, erläutert Horst Hanke, Leiter des Ausschusses Winterdienst in der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV).

Dem reinen Sole-Einsatz sind jedoch natürliche Grenzen gesetzt: Sinken die Temperaturen tiefer als minus 5 Grad, wird reine Sole wegen ihres hohen Wasseranteils problematisch. Auf eine Salzstreuung kann also bei tiefen Temperaturen oder auch bei starken Schneefällen nicht verzichtet werden. Aber Sole und Salz ergänzen sich zu einem runden Gesamtpaket. Denn die prognostizierten klimatischen Entwicklungen hin zu milderen Wintern verlangen von den Winterdiensten vor allem eines: Flexibilität.

Ihr habt es im Winter gerne warm? Erfahrt hier, ob Sitzheizungen unfruchtbar machen.

Von |2018-06-29T07:30:02+00:0012. Dezember 2017|Allgemein|2 Kommentare

Über den Autor:

Jörg Peter
Exil-Kieler in München. Schreibt seit 2017 für den ADAC. Und das sehr gerne.

2 Comments

  1. Helbig Siegfried 25. Januar 2018 um 21:54 Uhr - Antworten

    Sole ist auf jedenfall besser als Salz

  2. Leto 28. Januar 2018 um 15:40 Uhr - Antworten

    Eine Bemerkung zu Waschanlagen: Dem Waschwasser sind Tenside zugesetzt. Diese sorgen für eine (prinzipiell gewollte und im Sinne der Reinigung auch nützliche) Benetzung der Oberfläche des Fahrzeugs.
    Die Sache hat aber auch einen „Haken“: Das Waschwasser gelangt auf Grund dieser Penetrierung an (im Prinzip sonst unzugängliche) Stellen, wo es nicht trocknet. Und selbst wenn, bleiben (successive immer mehr) die nicht verdunstenden Tenside angereichert und führen zum Eindringen korrosiv wirkender Substanzen (Salz!) in diese Problemzonen. Und so rostet das Fahrzeug von innen heraus!
    Ich bin Gartenbesitzer und wasche (es ist mehr ein Abspülen) mein Fahrzeug mit reinem Regenwasser ohne jegliche Zusätze.
    Aber wer sein „gutes Stück“ immer auf Hochglanz polieren will…

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