Achtung, Smombies! Gefahr durch Handys bei Fußgängern

Ein Schild warnt in der Nähe einer Reutlinger Schule vor "Smombies". Foto: Christoph Schmidt/dpa

Wenn Fußgänger im Straßenverkehr ständig auf ihr Smartphone starren, ist das gefährlich. Für die Fußgänger ebenso wie für andere Verkehrsteilnehmer. In Reutlingen griffen Unbekannte zu einer außergewöhnlichen Maßnahme. 

Sie hängten ein täuschend echtes Verkehrsschild auf, das Autofahrer vor Smombies warnen soll, also vor Menschen, die über ihre Smartphonenutzung alles andere vergessen. Dieses Phänomen ist nicht neu. Seitdem das Smartphone seinen Siegeszug angetreten hat, dominiert es unser Leben. Bei der Arbeit, im Alltag, ja selbst im Straßenverkehr. Eine internationale Studie aus dem Jahr 2016 stellte fest, dass 17 Prozent der Fußgänger ihr Smartphone im Straßenverkehr benutzen. Dabei wird telefoniert, Musik gehört, Apps genutzt oder getextet.

Das Kunstwort „Smombie“ beschreibt einen Menschen, der seine Umwelt kaum noch wahrnimmt, weil er ständig auf sein Smartphone starrt. 2015 war „Smombie“ das Jugendwort des Jahres.

Nicht ohne Grund hat daher der Gesetzgeber im Oktober 2017 den Paragrafen 23 Abs. 1a, b der Straßenverkehrsordnung neu formuliert. Dabei wurden die Bußgelder für Verstöße angehoben sowie Fahrverbote ermöglicht. Für Fußgänger gelten die dort geregelten Verbote zur Handynutzung im Straßenverkehr nicht.

Das Reutlinger „Verkehrsschild“

Das „Verkehrsschild“ in der Innenstadt von Reutlingen in unmittelbarer Nähe eines Gymnasiums hat nicht nur bei Medien und in sozialen Netzwerken für große Aufmerksamkeit gesorgt. Auch im Reutlinger Ordnungsamt macht man sich Gedanken. Auf unbürokratische Weise. „Man sollte dem Verantwortlichen auf die Schulter klopfen“, sagt Ordnungsamtsleiter Albert Keppler und fährt fort: „Wir schmunzeln jetzt erst einmal mit der gesamten Republik über dieses Schild.“ Mit dem Schmunzeln allein ist es aber nicht getan, wie mehrere schwere Unfälle mit handynutzenden Fußgängern auch in Deutschland zeigen.

Der Reutlinger Fall erinnert stark an ein „Achtung-Smombie-Schild“ in Stockholm, das ein aus der schwedischen Hauptstadt stammender Grafiker dort aufgestellt hatte. Auch dort macht die Polizei bisher keine Anstalten, das Schild wieder zu entfernen. Eventuell haben sich die Unbekannten aus Reutlingen von dem Schweden inspirieren lassen.

Weltweit begegnet man den Smombies auf unterschiedlichen Wegen. In China experimentiert man mit getrennten Gehwegen für Normalos und textende Smombies. In den Niederlanden, aber auch in Köln oder Augsburg testet man in das Pflaster eingelassene Bodenampeln, in den USA gibt es versuchsweise Busse, die beim Abbiegen über eine Lautsprecheranlage Warnungen ausgeben, und im Bundesstaat Idaho wird ein Bußgeld für Smombies fällig.

 

Was meint ihr? Sollte es ein offizielles "Smombie"-Verkehrsschild geben?

Ergebnis ansehen

Loading ... Loading ...

 

Smombies – Aufklärung ist besser als Verbote

Unsere Experten meinen, dass Ablenkung im Straßenverkehr nicht ernst genug genommen werden kann. Denn jede Blickabwendung – egal ob bei Fußgängern, Radfahrern oder Autofahrern – ist äußerst gefährlich, weil 90 Prozent der Sinneseindrücke über die Augen wahrgenommen werden. Es gibt keine offiziellen bundesweiten Statistiken zu Ablenkung als Unfallursache, aber Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens jeder zehnte Unfall durch Ablenkung zumindest mitverursacht wird.

Nach Ansicht unserer Experten schadet es nicht, wenn Autofahrer bei solchen Schildern aufmerksam werden und vorsichtig fahren, allerdings ist es für Fußgänger natürlich kein Freifahrtschein,  nicht mehr auf ihre Umgebung und den Verkehr zu achten.

Aufklärungsarbeit ist unserer Ansicht nach also extrem wichtig, um Verkehrsteilnehmer für mögliche Gefahren zu sensibilisieren. Nur mit Kenntnis der Sach- und Gefahrenlage kann man seine Smartphonenutzung individuell und verantwortungsvoll anpassen. Denn Sicherheit geht vor – die eigene und die anderer Verkehrsteilnehmer.

Können 3-D-Zebrastreifen den Verkehr sicherer machen?

Wenn sich Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer in die Quere kommen – das sagen unsere Facebook-User


4 Kommentare

  1. Martin sagt:

    Ich binder Meinung, dass Fußgnger von jedweder Verantwortung im Straßenverkehr befreit werden sollten.Schließlichist der Oberflächenvrkehr – insbesondere der motorisierte – ein Eindringen bzw. eine Sondernutzung des öffentlichen Rume und beeinträchtigt die freie Bewegung im öffentlichen Raum. Eisenbahnen und Autobahnen verchaffen sich für ihrnBetrieb eigene separate Trassen, welche in anderen Ebenen als der Aufenthat von „freilaufenden“ Menschen (sogenannten Fußgängern) liegen.Genau das tut der reguläre Straßenverkehr nicht. von daher ist er nachrrangigzu behandeln.

    • pleindespoir sagt:

      Ich bin der Meinung, dass Leute, die nicht fähig sind, sich in halbwegs gängiger Rechtschreibung auszudrücken, von dem Kommentieren in Blogs auszuschließen sind.

  2. Thom sagt:

    Wahrscheinlich wurde diese Meinung im Schlafwandelmodus erstellt.

  3. Julian sagt:

    Ich denke die meisten Unfälle mit „Smombies“ passieren dennoch an Kreuzungen und Einmündungen, an denen ohnehin der Fußgänger Vorrang hätte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nur wegen dem Smartphone einfach so auf die Straße läuft. Nur der merkt es dann halt einfach nicht mehr, dass jetzt doch ein Auto kommt.

    Aber den Fußverkehr jetzt auch mit Vorschriften zu regulieren, was erlaubt ist und was nicht, ginge auf Kosten der allgemeinen Freiheit. Den nach einem Handyverbot für Fußgänger wäre z.B. die Promillegrenze auch nicht mehr weit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.