So bewegt sich Deutschland

Die Analyse von Mobilfunkdaten kann die Entwicklung zukünftiger Mobilität maßgeblich mitgestalten.

Aus komplexen Datenanalysen können einfache und wirksame Lösungen entstehen. Lösungen, die unsere Mobilität maßgeblich verbessern. Die Website “So bewegt sich Deutschland” gibt einen Einblick, was mit Smart Data heute schon möglich ist.

Zunächst einmal sind digitale Daten nichts weiter als eine Ansammlung von Nullen und Einsen. Die erst dann nutzbar sind, wenn sie nicht mehr isoliert betrachtet, sondern in Relation zueinander gesetzt werden. Dann können nackte Daten zu sinnvollen Lösungen werden. Der Mobilfunkanbieter Telefónica Deutschland setzt mit seinem Start-up Telefónica Next vor allem auf Smart Data als Grundlage für derartige Lösungen – vor allem im Mobilitätssektor.

Welche Daten werden wie analysiert?

In München schläft man länger.

Telefónica Deutschland verfügt als größter hiesiger Mobilfunkanbieter über 48 Millionen mobile Anschlüsse. Diese erzeugen täglich mehr als fünf Milliarden Datenpunkte, immer dann, wenn Mobiltelefone mit den Mobilfunkzellen kommunizieren. Also bei Anrufen, SMS, App- oder Webnutzung. Für das Projekt “So bewegt sich Deutschland” wurde auf Basis dieser Mobilfunkdaten eine sogenannte Quelle-Ziel-Matrix erstellt.

In dieser Matrix wurden Start-Ziel-Informationen zu Reisen über zwei Kilometer Entfernung im März 2017 innerhalb Deutschlands erfasst, anonymisiert und dann auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Die Daten ermöglichen eine Differenzierung zwischen Flugverkehr auf der einen sowie Straßen- und Schienenverkehr auf der anderen Seite.

Ohne Datenschutz geht gar nichts

Für alle Analysen wurden die genutzten Mobilfunkdaten über eine von Telefónica selbst entwickelte und vom TÜV Saarland zertifizierte Anonymisierungsplattform (DAP) vollständig anonymisiert. Diese Plattform entstand innerhalb der strengen Richtlinien des deutschen Telekommunikationsgesetzes (TKG). Zudem stehen die Rechenzentren in Deutschland. Die Verwendung anonymisierter Userdaten ist übrigens nicht zustimmungspflichtig. Aber Mobilfunknutzer können einer Nutzung selbstverständlich jederzeit widersprechen.

Ab dem 5. Januar 2018 könnt ihr auf einer interaktiven Karte unter “So bewegt sich Deutschland” beobachten, wie die Verkehrsströme in ganz Deutschland in einer durchschnittlichen Woche im März 2017 aussahen. An einem durchschnittlichen Wochentag finden in Deutschland 161 Millionen Reisen von über zwei Kilometern Länge statt. Mit knapp 30 Kilometern legen die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern morgens im Schnitt die längsten Strecken zurück. Die kürzesten Wege  haben die Berliner mit knapp sieben Kilometern.

Auf der Karte könnt ihr eine beliebige Uhrzeit wählen und bis auf die Postleitzahl genau navigieren. Reisebewegungen werden in Tropfenform dargestellt. Je größer die Tropfen desto mehr Reisende waren unterwegs. Einzelpersonen und Gruppen unterhalb einer Minimalzahl wurden nicht erfasst.

Was haben wir von Smart-Data-Analysen?

Mobilfunkdaten als Grundlage für zukünftige Verkehrsplanung heranziehen? Das ist auf den ersten Blick sicher kein nahe liegender Schluss. Aber das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation hat in seiner Studie “Potenzialanalyse von Mobilfunkdaten in der Verkehrsplanung” nachgewiesen, dass Mobilfunkdaten durchaus geeignet sind, um weitreichende Rückschlüsse für die zukünftige Gestaltung sowohl des öffentlichen Personenverkehrs (ÖPV) als auch des individuellen öffentlichen Verkehrs (IÖV) zu ziehen.

„Die entscheidende Schwäche von klassisch modellierten Verkehrsströmen war immer die Verkehrsverteilung, also die Verknüpfung von Quellen und Zielen. Genau diese Erkenntnislücke lässt sich nun mit den Mobilfunkdaten schließen”, erläutert der Verkehrsexperte Markus Schubert von Intraplan Consult den primären Nutzen von Mobilfunkdaten.

  • ProTrain

Durch die anonymisierten Bewegungsströme lassen sich etwa Fahrpläne im öffentlichen Nahverkehr optimieren, Staus reduzieren und bestenfalls vermeiden oder auch der CO2-Ausstoß in Städten reduzieren. So läuft in Berlin/Brandenburg bereits das Pilotprojekt ProTrain. Hier soll die Verknüpfung aus Quelle-Ziel-Daten sowie Daten zu Verkehr, Wetter und Social Media dazu führen, dass die Fahrgäste in Echtzeit über die Auslastung der regionalen Verkehrsmittel informiert und mit alternativen Reisevorschlägen versehen werden. Die teilnehmenden Verkehrsverbünde erhalten Informationen zur Verbesserung der Auslastung und der allgemeinen Effizienzsteigerung.

  • Flinc

Die Mitfahr-App Flinc gestaltete auf Basis der von Telefónica Next bereitgestellten Mobilfunkdaten eine Studie zum Thema “Erneuerung der städtischen Mobilität”. Die provokante Frage lautete: Kann ein Shuttle-System den kompletten individuellen Straßenverkehr in Hamburg ersetzen? Die einfache Antwort: Ja. Der Studie zufolge kann von 97 Prozent weniger Autos, rund 61 Prozent weniger gefahrenen Kilometer und rund 57 Prozent geringeren Gesamtkosten pro Kilometer ausgegangen werden.

Google Maps, Moovel und Co.: Wir haben verschiedene Mobilitäts-Apps verglichen.


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