Radschnellwege: Anforderung, Wirkung, Vorreiter in Deutschland

Die Zahl der Berufspendler in Deutschland ist 2018 auf einen neuen Höchststand geklettert. 60 Prozent der Beschäftigten pendeln von ihrem Wohnort in eine andere Gemeinde. Die meisten davon mit dem Auto. Die Folge: Vielerorts geht während der Rushhour nur noch wenig voran. Können Radschnellwege Teil der Lösung sein?

Warum sollte ein Berufspendler vom Auto aufs Fahrrad oder Pedelec umsteigen? Fahrradfahren fördert die Gesundheit, baut (Pendler)Stress ab, trägt zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Lebensqualität gerade in den Städten bei. Im Schnitt beträgt die einfache Strecke eines Pendlers in Deutschland aktuell knapp 17 Kilometer. Eine Entfernung, die für viele Menschen mit dem Pedelec zu bewältigen wäre – wenn die Infrastruktur stimmte. An dieser Stelle kommen die Radschnellwege ins Spiel.

Brauchen wir Radschnellwege?

Fahrrad Frühlingsfit
Bevor ihr wieder auf euer Rad steigt, solltet ihr es einem gründlichen Frühjahrs-Check unterziehen.

Aktuell gibt es in Deutschland 73,5 Millionen Fahrräder, Tendenz stark steigend. Der Radverkehr wächst seit Jahren nicht nur quantitativ, sondern wird durch Pedelecs und e-Bikes auch in Sachen Tempo deutlich beschleunigt. Geschwindigkeiten über 20 km/h sind ohne größere Anstrengungen zu erreichen. Diesen veränderten Funktions- und Leistungsansprüchen muss auch das Angebot an Radwegen gerecht werden. Möglich wird dies mit Radschnellwegen. Hierfür will der Bund den Kommunen und Ländern, bei denen die Baulast liegt, ab 2018 jährlich 25 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Was sind Radschnellwege?

Offiziell heißen Radschnellwege auch "Radschnellverbindungen" (RSV). Aus der Definition der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) ergeben sich folgende Anforderungen an Radschnellwege:

  • Zwei Radfahrer sollen nebeneinander fahren, ein dritter noch überholen können
  • Mindestbreite 3 Meter (wenn der Verkehr nur in eine Richtung fließt) oder 4 Meter (wenn der Verkehr in beide Richtungen fließt)
  • Mindestlänge 5 Kilometer
  • Durchschnittliche Reisegeschwindigkeit (inklusive Zeitverlust an Ampeln) mindestens 20 km/h
  • Möglichst störungsfreie Führung (z.B. stillgelegte Bahntrassen, Brücken oder Unterführungen)
  • Fußgänger und Radfahrer müssen durch Trennstreifen separiert werden
  • Hohe Qualität des Fahrbahnbelags
  • Möglichst durchgehende Beleuchtung
  • Klare Beschilderung

Die Baukosten liegen aufgrund der genannten Qualitätskriterien zwischen 500.000 Euro und 2 Millionen Euro pro Streckenkilometer. Unsere Experten sind deshalb der Auffassung, dass Radschnellwege vor allem eine hohe Auslastung erzielen sollten, um die Kosten zu rechtfertigen.

Was bewirken Radschnellwege?

Radschnellwege sind vor allem für urbane Räume und Metropolregionen interessant. Sie sorgen für eine

  • Stauentlastung von Kfz-Hauptrouten
  • Entlastung des ÖPNV
  • Beschleunigung des Radverkehrs
  • Verflüssigung des Verkehrs insgesamt
  • die Bewältigung großer Radverkehrsmengen
  • Aufwertung des Radverkehrs als Mobilitätsform
  • Lärm- und Emissionsreduzierung
Wo es möglich ist, sollten unserer Meinung nach Radschnellwege im selben Korridor geführt werden wie die Straßen und Schienenwege, die es zu entlasten gilt.

Gibt es in Deutschland schon Radschnellwege?

Frau schiebt Fahrrad
Auf dem Radschnellweg geht's garantiert schneller.

Aktuell stecken die Radschnellwege in Deutschland noch in den Kinderschuhen, vor allem, wenn man ins benachbarte Ausland schaut, wo die Niederlande mit bereits 18 fertig gebauten Radschnellwegen eine Vorreiterrolle einnehmen.

Radschnellweg Ruhr RS 1

2015 wurde das erste Teilstück des Radschnellwegs Ruhr RS 1 eröffnet. Der "schnellste Weg durchs Revier" soll auf einer Gesamtlänge von 101 Kilometern Hamm und Duisburg verbinden. Auch eine durchgehende Beleuchtung ist geplant. Eine Studie geht davon aus, dass der RS 1 täglich 52.000 Pkw-Fahrten über insgesamt 400.000 Kilometer ersetzt und somit 16.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid einspart.

e-Radschnellweg Göttingen

Göttingen ist nicht nur eine Universitäts-, sondern auch ein Fahrradstadt. Fast 30 Prozent der Einwohner sind regelmäßig mit dem Rad unterwegs. Da passt es, dass hier zwischen 2013 und 2015 der e-Radschnellweg Göttingen entstand. Die Ampeln sind im Hinblick auf Reduzierung der Wartezeiten für den Radverkehr koordiniert. 2016 radelten auf diesem Radschnellweg 1 Million Menschen.

Veloroute 10 Kiel

Auch im hohen Norden wird eifrig in die Pedale getreten. Die Landeshauptstadt nutzt für die Streckenführung ihrer Veloroute 10 eine alte Güterschienentrasse und spart so Kosten. Lediglich an zwei Kreuzungen müssen die Radfahrer auf den Autoverkehr achten, sonst ist der bis auf die Brücken durchgängig 4 Meter breite Weg nur ihnen vorbehalten.

So könnte die Mobilität der Zukunft in Metropolen aussehen.

Acht e-Mountainbikes im Vergleich. 

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14 Gedanken zu “Radschnellwege: Anforderung, Wirkung, Vorreiter in Deutschland

  1. Einfach nur vernünftige und vorallem mehr Radwege, auf denen man sicher radeln kann, würden schon reichen. Ohne „Schnell-“ davor, das schreckt nur wieder ab, weil ein Pedelec hat nicht jeder bzw kann sich nicht jeder leisten, ein einfaches Rad dagegen schon eher.

  2. Schnellwege ja – sogenannte „Fahrradschutzstreifen“ – oder wie auch immer genannt – nein. Denn dort geht es nicht um Schutz; der Radfahrer möchte sicher fahren können (nur dann nutzt er auch vermehrt das Rad). Also Kommunen schaut z. B. nach Dänemark wo gute moderne separate Radweg-Lösungen mit großem Erfolg und großer Akzeptanz angepackt werden. Hier werden leider einfach Striche auf die Fahrbahn aufgemalt – und die Zeit verschlafen.

  3. Schnellwege ja – sogenannte „Fahrradschutzstreifen“ – oder wie auch immer genannt – nein. Denn dort geht es nicht um Schutz; der Radfahrer möchte sicher fahren können (nur dann nutzt er auch vermehrt das Rad). Also Kommunen schaut z. B. nach Dänemark wo gute moderne, separate Radweg-Lösungen mit großem Erfolg und großer Akzeptanz angepackt werden. Hier werden leider einfach Striche auf die Fahrbahn aufgemalt – und die Zeit verschlafen.

  4. Bevor man zu Radschnellwege kommt sollte man das Problem loesen daS rADFAHRER strur auf den Buergersteig fahren und zwangslaeufig Fußgaenger gefaehrden. Außerdem sollte man auch mal zur Kasse greifen wenn Autofahrer die Fahradwege blockieren.

  5. Ich fahre jeden Tag ca. 20 km quer durch Nürnberg, das würde es mir schon reichen, wenn die Radwege nicht alle 15 Meter einen Buckel oder ein Schlagloch hätten und an anderer Stelle plötzlich aufhören. Außerdem wäre hin und wieder eine Polizeistreife angebracht, die den mit Warnblinker auf den Radwegen parkenden Fahrzeug die entsprechende Gebühr abnimmt.

  6. Radschnellwege, liebert ADAC wo leben Sie denn? Wir hätten gern normale Radwege ob aus Asphalt oder Naturbelassen. Obwohl Mittel vorhanden dauern Planung und Bau 5-6 Jahre im „flachen Land“und geklagt wird möglichst bis zur letzten Instanz. Bestes Beispiel der Elsterradweg. Ergebnis: teilweiser Rückbau.Der Rest ist nur Stückwerk, wenn mal eine Straße erneuert wird.

  7. Allein schon deshalb damit ein Parken von Kfz nicht möglich ist. Ich stelle mein Rad auch nicht auf der Fahrbahn für Kfz ab

  8. Wozu die teuerste Lösung, wenn Alternativen zur Hand sind? Als Radfahrer will ich in erster Linie sicher ans Ziel kommen. Über Wege zu holpern, die längst einer Überholung bedürfen, wäre für mich ein pragmatischer Ansatz. Die Strecken zur Arbeit müssten nicht notwenigerweise analog zu verkehrsreichen Strassen verlaufen, eher sogar ganz im Gegenteil. Die Gründe für meine Aussage liegen doch auf der Hand: Stressfrei und ohne permanente Verkehrsgefährdung anzukommen finde ich ebenso wichtig wie die Tatsache, dass es weit gesünder ist, keine Autoabgase einatmen zu müssen. Ich stimme den Kollegen auch hierbei zu: wie oft erlebe ich, dass ein Autofahrer seine Karre direkt auf meiner Spur abstellt. Das kommt einer Nötigung gleich und ist für mich ein No-Go!

  9. In Hannover sind die vorhandenen Radwege in einem sehr großen desolaten Zustand, der normale Straßenbelag auf den Straßen durch die schweren Busse kaputt gefahren. Das bedeutet für die Radfahrer eine sehr große Gefahr. “ Vor allem müßten die Schlaglöcher in der Dunkelheit künftig beleuchtet werden.“ Wenn jetzt nochSchnellstraßen für Radfahrer geschaffen werden, bin ich gespannt, wie die gewartet werden?????

  10. Radschnellwege sind dringend notwendig. Derzeit haben wir beispielsweise in München jede Menge Bürgersteige, die als Radwege gekennzeichnet sind, aber zum Radfahren untauglich sind: zu schmal, nicht abgegrenzt gegen Fußgänger, keine vernünftigen Auffahrten an Kreuzungen, hinter Bäumen, parkenden Autos und Bauwerken, so dass der Radfahrer für den Abbiegeverkehr nicht zu sehen ist, etc. Die Kriterien eines Radschnellweges sollten für alle Radwege gelten. Und bezüglich der Geschwindigkeit: Es sollte wie für das Auto zwei Arten von Radwegen geben, die für die Bummler ( 20 km/h). Heute drängen sich alle auf dem gleichen Radweg, der zu schmal zum Überholen ist. Das macht das Radfahren entweder frustrierend oder gefährlich.
    Fazit in München: Derzeit ist es meist sicherer, auf der Straße statt auf dem Radweg zu fahren. Die Autofahrer sehen den Radfahrer auf ihrer Straße, die Fußgänger nicht. Und schon gar nicht die Fußgänger mit Smartphones.

  11. Da die Software keine „kleiner“ und „größer“ Zeichen verkraftet, hier der abgeschnittene Satz noch mal:
    Es sollte wie für das Auto zwei Arten von Radwegen geben, die für die Bummer (kleiner 20 km/h) und die für die zügig Fahrenden (größer 20 km/h)

  12. Das ist alles schön und recht, aber was ist bei kalten schlechten Wetter. wenn es Regnet oder Schnee gibt dann steigt alles ins Auto?

  13. Radschnellwege können sinnvoll sein. Jedoch dürfen nicht alle Radwege zu Lasten der Autofahrer gestaltet werden.
    Die „reinen“ Radfahrer tragen viel weniger an den Lasten für all die diversen Radwege als die Autofahrer. Das sollte in der jetzigen Gesellschaft auch beachtet werden. Das Fahrrad wird das Auto nicht ersetzen. Von ideologischen Keulen wie den 100.000 Radfahrern, die gegen praktisch die Autofahrer protestieren, sollte man sich nicht täuschen lassen – so etwas kenne ich aus DDR Zeiten. 100 Jahre technologische Entwicklung dürfen nicht aus ideologischen Gründen nur in diesem, und vielleicht noch in zwei, drei weiteren, Land beendet werden. Weder das Transportgefühl noch die Transportmöglichkeiten des Autos können durch das Fahrrad ersetzt werden. Schon dass die Gefährlichkeit des Radfahrens kaum erwähnt wird beim Durchpeitschen der Fahrradideologie zeigt, dass daran etwas faul ist. Es sind nicht nur die Autofahrer, die die Fahrradfahrer gefährden. Die Radfahrer fahren selbst „genügend“ aggressiv – ich habe recht oft fremde Räder an meinem Hinterrad beim Radfahren und wenn ich etwas zu den Fahrern sage, werden einige noch aggressiv – dass das hochgefährlich ist und noch gefährlicher als beim Auto, geht an denen vorbei. Je mehr Radfahrer fahren, um so aggressiver werden die, insbesondere, wenn es um den Berufsverkehr geht. Dazu kommt der viel stärkere Wettereinfluss beim Radfahren.
    Die Autofahrer haben ihre Autos nicht gestohlen, sondern hart erarbeitet. Dass sie von Politikern in Massen enteignet werden sollten, in dem die ihnen die Parkplätze wegnehmen, sollte verboten werden – wenn Parkplätze für Fahrräder benutzt werden, müsste die Verpflichtung bestehen, dafür neue Parkmöglichkeiten zu schaffen.
    In diesem Land sind sehr viele Arbeitsplätze von der Autoindustrie abhängig. Sollte der Autobau, der auch mit dem Verkauf zusammenhängt, hier stark behindert werden, würde es auf der Erde nicht besser werden – die Autos würden in anderen Ländern gebaut werden und hier würde die Gesellschaft unnötig verarmen. Außerdem wird durch die Anti-Autopolitik massiv der Umstieg auf Elektroautos behindert – zu Hause kein Parkplatz, an den Zielen keine Parkmöglichkeiten – wozu dann extra viel Geld für ein Elektroauto ausgeben – dafür reicht ein billiger Benziner?
    Es ist auch kaum anzunehmen, dass die Mehrheit der Autofahrer durch die Ideologen zu Leistungssportlern mutieren werden..

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