Piloten ohne Landelizenz: Entschädigung für Passagiere?

Schlechtes Wetter und widrige Umstände verursachen immer wieder Verspätungen, in extremen Fällen auch Ausfälle von Flugverbindungen. Entschädigungen für Passagiere sind dabei nicht die Regel. Doch in diesem speziellen Fall ergab sich eine überraschende Wendung.

Der geplante Abflug eines Fluges von Frankfurt am Main ins indische Delhi verzögerte sich. Die ursprüngliche Abflugzeit war für 21.30 Uhr festgelegt, aber die Maschine hob erst am Folgetag um 05.42 Uhr ab. Dazu kam, dass der Flug nicht von Frankfurt, sondern von aus Köln startete. Die Airline hatte die Passagiere mit dem Bus dorthin gebracht.

Keine Landelizenz bei schlechten Sichtverhältnissen

Der Grund für diese außergewöhnliche Maßnahme war ein banaler: Die Piloten des vorangegangenen Fluges nach Frankfurt konnten bzw. durften dort nicht landen. Aber nicht, weil die Wetterbedingungen schlecht gewesen wären, sondern weil weder der Flugkapitän noch der Erste Offizier über eine sogenannte CAT-II-Fluglizenz verfügten. Mit dieser speziellen Lizenz ist das Landen bei eingeschränkten Sichtverhältnissen mit einer Landebahnsicht von mindestens 350 Metern und einer Entscheidungshöhe von 30 Metern am Flughafen gestattet. Die Folge: Mangels Landelizenz musste der Flug von Frankfurt nach Köln umgeleitet werden.

Einige Fluggäste verklagten die Airline auf einen Ausgleichsanspruch in Höhe von jeweils 600 Euro wegen Verspätung bzw. Annullierung des Fluges. Das Amtsgericht Frankfurt am Main gab den Klägern recht. Die Airline konnte nach Auffassung der Richter nicht hinreichend darlegen, warum auf dem Flug nach Frankfurt kein Personal mit ausreichender Landelizenz eingesetzt wurde, mit der es möglich gewesen wäre, bei entsprechenden Wetterbedingungen auch zu landen. Und wenn eine Airline nicht erläutern kann, warum kein geschultes Personal für eine Landung verfügbar ist, steht den von der Verspätung betroffenen Passagieren eine Entschädigung zu.

AG Frankfurt a. M., Urteil vom 1.3.2017, Az.: 29 C 2301/16

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1 Gedanke zu “Piloten ohne Landelizenz: Entschädigung für Passagiere?

  1. Eine Landelizenz gibt es nicht. Jeder Flugschein(ob VFR, IFR oder ATPL) berechtigt zu Starts UND den dazugehörigen Landungen. Außerdem ging es hier um einen Start (unter CAT 2 Bedingungen). Wenn der Pilot diese Berechtigung in seiner IFR-Lizenz nicht hat, – sollte er nicht bei einer Airline beschäftigt werden. Vielleicht lernt das der Carrier nun.

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