Overtourism: Zu viel ist zu viel

Immer mehr Reiseziele sind völlig überlaufen: Der Kreuzfahrt-Boom, Billigairlines und Plattformen für die Vermietung von Privatunterkünften setzen Städten zu, Instagram und Facebook machen bislang unbekannte Orte zu Hotspots. Welche Folgen Overtourism hat und was man dagegen tun kann.

Barcelona, Venedig, Dubrovnik, Amsterdam: In vielen Städten Europas herrscht zur Urlaubszeit Ausnahmezustand, der Ansturm der Touristen erreicht Rekordzahlen. Was früher Massentourismus hieß, hat neue Dimensionen und einen neuen Namen: Overtourism. Reisen wird in Zeiten von Billigairlines, Discount-Kreuzfahrten, online vermieteten Privatunterkünften und Budget-Hotels für immer mehr Menschen weltweit immer billiger. Die Internationale Tourismus Börse (ITB) meldete, dass 2017 der internationale Tourismus „eine der höchsten Wachstumsraten der letzten 20 Jahre“ erzielte. Und das hat weitreichende Folgen. Riesige Kreuzfahrtschiffe bringen Tausende Tagestouristen in Küstenstädte wie Venedig oder Dubrovnik, Mallorca ächzt unter billig reisenden Partyurlaubern, Barcelona droht der Wohnraum-Kollaps durch Airbnb und steigende Mieten, Amsterdam leidet unter Lärm und Müll der Feiertouristen.

Auch soziale Netzwerke wie Instagram oder Facebook tragen zur Entwicklung des Overtourism bei. Kleine, bislang völlig unbekannte Orte erleben Touristenanstürme, nachdem sie als Traumziel von Influencern erwähnt wurden. Ein besonders skurriles Beispiel: Vor drei Jahren empfahl US-Schauspieler Ashton Kutcher seinen Facebook-Freunden „20 geheime Orte“, darunter der Berggasthof Aescher in der Schweiz. Das kleine, direkt an den Fels gebaute Haus wurde zur Topdestination für Instagram- und Facebook-Touristen, die unbedingt ein Selfie vor der spektakulären Kulisse machen wollen. Seither herrscht in der Gegend Chaos. Touristen aus allen Ländern der Welt drängeln sich auf den schmalen, steilen Wegen und im Restaurant, Reisebusse säumen die ohnehin schon engen Straßen.

Strafen für schlechtes Benehmen

Bei den Bewohnern dieser Touristenhotspots ist mittlerweile die Belastungsgrenze erreicht, Unmut und Widerstand regen sich. In Venedig demonstrierten diesen Sommer 2000 Menschen gegen den „Ausverkauf der Stadt“, in vielen anderen europäischen Städten, auch in Barcelona und Palma de Mallorca, kam es zu Kundgebungen.

Angesichts des Overtourism suchen die Urlaubsorte nach Strategien, um Abhilfe zu schaffen. In Dubrovnik versucht die Stadtverwaltung die Besuchermengen zu lenken, indem sie das Anlegen von zu vielen großen Schiffen verhindert. Außerdem kommuniziert sie per App mit Tagestouristen und teilt mit, wann in bestimmten Teilen der Stadt am wenigsten los ist.

Barcelona reagierte mit Baustopps für Hotels, um die Bettenzahlen zu limitieren, führte eine strengere Lizenzierung für privat vermietete Ferienapartments ein und baute den öffentlichen Nahverkehr aus. In Amsterdam leben 800.000 Menschen, besucht wird die Stadt jährlich von geschätzt 18 Millionen Touristen. Schon Anfang des Jahres wurden die Regeln für Airbnb deutlich verschärft, seither dürfen Bewohner ihre Wohnungen nur noch für höchstens 30 Tage im Jahr an Urlauber vermieten. Außerdem geht man seit Sommer hart gegen schlechtes Benehmen der Feiertouristen vor. So kostet das Trinken von Alkohol auf der Straße 95 Euro, Wildpinkeln, Grölen auf der Straße und Müll wegwerfen jeweils 140 Euro. Auch einige italienische Städte haben schon Benimmregeln und Restriktionen für Touristen eingeführt.

Was Reisende gegen Overtourism tun können

Overtourism beschäftigt auch die Reisebranche selbst. So war das Thema Schwerpunkt auf dem ITB-Kongress 2018. Expertenrunden diskutierten Strategien zur Lösung des Problems. Vor allem die Regulierung der Besucherzahlen durch Beschränkungen wurden vorgeschlagen, sowie hohe Touristensteuern und Apps mit Echtzeitinformationen zur Auslastung der jeweiligen Orte. Auch das Umlenken von Reisenden in weniger frequentierte Regionen und Städte könnte Entlastung bringen. Einig sind sich in einem Punkt alle: Ein Patentrezept wird es nicht geben, vielmehr sind maßgeschneiderte Lösungen vor Ort das Mittel der Wahl.

Letztlich haben es auch die Reisenden selbst in der Hand: Sie sollten viel besuchte Orte meiden und auf weniger bekannte Ziele ausweichen sowie Reisezeiten außerhalb der Hauptsaison nutzen. Außerdem sollten sie die zahlreichen Angebote des nachhaltigen Tourismus nutzen.

In jedem Fall müssen Destinationen, Reiseveranstalter und Reedereien in Zukunft sehr eng zusammenarbeiten, wenn die Entlastung der Urlaubsorte nachhaltig funktionieren soll. Denn bis zum Jahr 2030 prognostiziert die Weltorganisation für Tourismus UNTWO einen Anstieg der international Reisenden um mehr als 50 Prozent.

Mit Material von dpa/ITB

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1 Gedanke zu “Overtourism: Zu viel ist zu viel

  1. Hallo. Eigentlich sind ja Touristen gut für eine Stadt oder ein Land. Aber es stimmt auf Mallorca meckern zu viele über die Deutschen. In Deutschland meckern zu viele über Ausländer. In anderen Ländern oft das Gleiche. Als Tourist sollte man sich wirklich gut benehmen.

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