Neue Radwege: Werden Autofahrer ausgebremst?

Die Frankfurter Allee in Berlin, der Hansaring in Köln oder die Rosenheimer Straße in München: Wenn Fahrstreifen für Pkw und Lkw einem neuen Radweg weichen sollen, ist der Aufschrei bei Autofahrern meist groß. Doch Studien aus den USA belegen: Neue Radwege oder Fahrradstreifen bremsen Autofahrer gar nicht aus. Im Gegenteil.

Leidet der Autoverkehr, wenn Fahrbahnen zugunsten von Radstreifen verengt werden? Dieser Frage sind Forscher an der Universität in Virginia nachgegangen und haben vier Szenarien durchgespielt. Sie errechneten das Stauaufkommen und die Fahrzeitverluste für Autofahrer auf zweispurigen Straßen mit bzw. ohne Radstreifen sowie mit einem Anteil des Radverkehrs von einem bzw. zehn Prozent.

Das Ergebnis: Separate Fahrstreifen für Radfahrer bringen auch für Autofahrer Vorteile. Sie kommen schneller vorwärts. Und: Je höher der Anteil der Radfahrer ist, desto deutlicher ist der Zeitgewinn für Autofahrer. Bei einem Radleranteil von zehn Prozent am Verkehr kommen Autofahrer um etwa ein Drittel schneller vorwärts, wenn es eine separate Radspur gibt.

Studie: Autos schneller dank Radweg

Eine Untersuchung des New York City Department of Transportation bestätigt diese These. Auf der Columbus Avenue im belebten Manhattan wurden die Fahrstreifen für den motorisierten Verkehr verengt, auf dem zusätzlichen Raum ein Radweg inklusive Sicherheitsstreifen geschaffen. Trotz des Umbaus waren Autofahrer auf der Strecke zwischen der 96. und der 77. Straße rund 35 Prozent schneller unterwegs – und das, obwohl der Anteil der Autos nahezu gleichgeblieben ist.

Die Neugestaltung der Columbus Avenue hatte außerdem einen positiven Effekt auf die Sicherheit: Während die Zahl der Radfahrer in dem Abschnitt um mehr als 50 Prozent gestiegen ist, sank die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten um 27 Prozent.

Reisezeit für Autofahrer stabil

Selbst auf Strecken, auf denen Fahrstreifen für den motorisierten Verkehr zugunsten eines Radwegs eingespart wurden, blieb die Fahrzeit für Autofahrer stabil. Ein Beispiel ist der Prospect Park West in Brooklyn, wo es statt drei nun zwei Spuren und einen Radweg gibt. Dort ist die Fahrzeit auf der untersuchten Strecken – sie ist etwa eine Meile lang – für Autofahrer quasi stabil geblieben: Morgens stieg sie um wenige Sekunden, tagsüber und zur Rushhour am Abend sank sie.

Die Ergebnisse sind zwar nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar. Sie zeigen jedoch, dass die landläufige Meinung, der Autoverkehr würde durch die Einrichtung von Radfahrstreifen auf der Fahrbahn ausgebremst, nicht stimmen muss. Manchmal steht eine deutliche Verbesserung für Radfahrer keinem oder nur einem marginalen Fahrzeitverlust für Autofahrer gegenüber.

Interessen sorgfältig abwägen

Aus unserer Sicht sind bei einer Neuordnung des Straßenraums die unterschiedlichen Interessen sorgfältig abzuwägen. Radfahrstreifen sind grundsätzlich eine Alternative zu Bordsteinradwegen, sofern die Straßenquerschnitte ausreichend breite Fahrspuren für Autofahrer und Radfahrer zulassen. Die Anlage von Radfahrstreifen auf Kosten von Kfz-Fahrspuren auf Hauptverkehrsstraßen ist dagegen nur dann vertretbar, wenn eine Verkehrsverlagerung in sensible Wohngebiete weitgehend ausgeschlossen werden kann.

 

Neue Radwege in Städten? Unsere Experten in Berlin und München weisen auf die Bedeutung der jeweiligen regionalen Infrastruktur hin.

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47 Gedanken zu “Neue Radwege: Werden Autofahrer ausgebremst?

  1. Auf der Frankfurter Allee besteht ein Radweg, der auch vom gros der Radfahrer genutzt wird – diese bremsen also derzeit den motorisierten Verkehr nicht aus.

  2. Viele Radfahrer meiden heute die mit teurem Geld gebauten Radwege und fahren demonstrativ auf der Straße. Das wird sicher auch bei dem neuen Radwegkonzept so bleiben. Diese Sorte Radfahrer wird sich nie ändern, es sei denn nur mit der Verhängung von Bußgeld.

    • Diese Meinung ist sehr subjektiv. Ich pendle jeden Tag mit dem Fahrrad in der Stadt München zur Arbeit und ich wäre sehr froh, wenn ich nicht die Fahrbahn mit den Autofahrern teilen müsste, aber es fehlen durchgängige Radwege. Zum Anderen wäre in einer Stadt wie München genügend Platz auf den Fahrbahnen einen baulich getrennten Radweg zu errichten, aber dieser Platz wird von geparkten Autos beidseitig verschwendet. Eine jährliche Parkgebühr von 30,-€ für die Nutzung der Seitenstreifen zum Parken ist eben günstiger wie ein Tiefgaragenstellplatz.

    • Das sehe ich genau so! Radfahrer glauben immer, sie sind die größten und können sich alles erlauben. Bei rot über Ampeln fahren, links fahren etc. Nur wenn es kracht, und der natürlich „unschuldige Fahrradfahrer“ im Krankenhaus landet, dann sind selbstverständlich alle anderen Schuld, nur nicht er.

    • Nun hören Sie aber mal auf! Wo meiden denn „viele“ Radfahrer demonstrativ die Fahrradwege? Fürchterliche Pauschalisierung, immer nur gegeneinander!

    • An dieser Stelle liegt eine Fehlinformation vor Herr Abler. Welches Bußgeld soll denn verhängt werden, wenn Radfahrer die Straße nutzen? In Deutschland gibt es keine Radwegenutzungspflicht, nun in wenigen begündeten Ausnahmen darf eine solche Pflicht verhängt werden. Auch wenn also ein Hochbordradweg vorhanden ist, ist es vollkommen legitim und legal, dass Radfahrer die Straße nutzen. Sie haben etwa einen Meter Abstand nach Rechts zu parkenden Autos halten und dürfen nur mit einem Abstand von minimal 1,50 Metern Abstand überholt werden dürfen. Autofahrer, die das nicht können müssen sogar dahinter bleiben. Das ist die gültige Rechtslage. Wenn Sie also einen Fehler darin sehen, dass Radfahrer die Straße nutzen auch wenn ein Radweg vorhanden ist, so sind Sie hier falsch informiert. Das können Sie finden wie Sie möchten, es bleibt vollkommen legal. Straßen sind nicht nur für Autos da!

  3. Radfahrstreifen sind ja grundsätzlich gut.
    Aber als Fahrlehrer sehe ich sie auch ausgesprochen kritisch, da beim Überholen oft kein Seitenabstand besteht ( insbesondere wenn Busse u. Lkw sich in diesen Straßen an den Radfahrern vorbeimogeln).
    Sicherer ist es in den meisten Fällen daher nur bedingt u. nur durch unvorsichtige Fahrweise wird es für die Autofahrer nicht deutlich langsamer.
    Richtig kritisch wird es dann oft wenn Autofahrer bei Stau auf den ehemaligen Fahrstreifen fahren um im weiteren Verlauf rechts abbiegen zu können.
    Dies sehe ich fast täglich in Mannheim wo auch viele dieser Fahrradstreifen eingerichtet wurden.
    Da fehlt leider oft die nötige Geduld!

    • Jürgen sagt:14.06.2017-16:54
      Im StVR ist genau beschrieben das Verhalten der Radfahrer und anderer Verkehrsteilnehmer auf den Fahrradschutzstreifen.
      Nach meinen Beobachtungen ist das Verhalten der Rechtsgrundlage nicht bekannt. Vielleicht kann der ADAC dies endlich mal klären!

    • Hallo Jürgen ich bin ein täglicher bike2work Fahrer. Ich kann das für Mannheim bestätigen. Neue, teure Rad/Busspuren die von PKWs besonders auch Taxis gnadenlos genutzt werden.
      Das End‘ vom Lied, ich nutze diese Radstreifen nicht weil die mir zu gefährlich sind und ich nutze weiterhin die Seitenstraßen.
      Die Radspuren sind gut, wenn sie aber nicht kontrolliert werden, sind sie für die Katz und dann heißt es später „Wurden von den Radler nicht angenommen“
      Schade ist das.

  4. Hy, schreibe hier aus München, bin Busfahrer, 1. sind diese rot markierten Radwege vom Radweg auf die Straße extrem gefährlich, weil der groß teil der Radler gar nicht mehr schaut ob ein Fahrzeug kommt und einfach runter fahren, oft Queren diese die Straße über die Spur von Rechts Abbiegern. auch sehr zum leid der Autofahrer fahren diese bei Rot. nach meiner Ansicht, behindern diese durch die Fahrbahn Verengung absolut den Verkehr, man muss sehr oft weil es einspurig wird, deswegen hinter diesen mit schritt Nach fahren..

  5. Herr Jörg Becker, Leiter Verkehr & Technik, ADAC Bln.-Brandenburg schreibt in seinem Artikel vom 09.06.2017 von „Radangebotsstreifen“.
    Dieses Wort ist falsch; denn lt. Straßenverkehrsordnung gibt es nur >FahrradschutzstreifenFahrradstraßenFarradweg>ruhender Verkehr>Kfz-Verkehr. Es wurde geändert in Gehweg> ruhender Verkehr> Fahrradweg> Kfz.-Verkehr. Gleichzeitig müssen alle Lkw an den Seitenflächen im Schutzschilder haben. Ich bin seit 1963 Mitglied im ADAC, war in freiwilligen Kameradschaftshilfe (Vorgänger der Gelben Engel) und 1967 aktives Mitglied der Landesverkehrswacht Berlin und Rosenheim.

  6. “ da beim Überholen oft kein Seitenabstand besteht ( insbesondere wenn Busse u. Lkw sich in diesen Straßen an den Radfahrern vorbeimogeln)“

    Seitenabstand besteht nicht – Seitenabstand hält man.

  7. Hallo ADAC,
    in Ihrem Bericht „Neue Radwege: Werden Autofahrer ausgebremst?“ ich würde das mit „Ja“ beantworten.
    Sie beziehen sich auf eine Studie aus USA, dass die Autofahrer von Radwegen nicht unbedingt behindert werden, sondern sogar profitieren. „Die Städte sind alles ebene Gelände“.
    Ich kann nur sagen, da ich in Rochester / State New York gewohnt habe und in New York mich bei Verwandten aufgehalten habe, hab ich mich mit mehreren Einwohner dort unterhalten, sie selbst ärgern sich über die Radwege, obwohl dort die Straßen teilweise 2-4 spurig sind. Sie haben mir auch gesagt, dass sehr viele Autofahrer aufgrund von mehr Staus, auf das Fahrrad umgestiegen sind, so dass dadurch weniger Autos unterwegs sind, somit wird der Autoverkehr nicht so arg behindert und man könnte meinen, dass der Verkehrsfluss besser würde.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass zusätzliche Radwege in Deutschland bei 1-2 spurigen Straßen für Autofahren von Vorteil sind und schon gar nicht in kleineren Städten, ich wohne in Geislingen an der Steige mit ca. 26 000 Einwohnern, wo die meisten Straßen 1-spurig, nur die Durchgangsstraßen B10 teilweise 2-spurig ist. Im Allgemeinen muss ich sagen, dass das eine neue Gangart von den Städten und Gemeinden ist, ihre Belastungen „Stickoxid, Ruß und Lärm“ zu reduzieren. Ich glaube die Städten und Gemeinden wären besser beraten, dass sie ihre übermäßig vielen Ampelanlagen, bei uns in der Kleinstadt manchmal im Abstand von 50-80m, intelligent steuern sollten, was bei vielen (Städten und Gemeinden) noch nicht angekommen ist, vermutlich auch aus finanziellen Gründen. Da sollten sie mal als ADAC für die Autofahrer antreten. Es gibt sehr viele Städte und Gemeinden wie in Geislingen an der Steige, in denen man nicht alles mit dem Fahrrad bewältigen kann (Berg –undTalfahrt).

    Viele Grüße aus dem Schwabenland

    Harry Schneider

  8. Diese Meldung ist aber – liest man sie genau – relativ inhaltsleer. Bezogen wird sich auf eine Untersuchung mithilfe von Computermodellen. Diese können zwar erste Hinweise geben, ersetzen aber niemals Untersuchungen in der Praxis. Ein irgendwie gearteter Beleg für eine Hypothese sind Computermodelle jedoch nie.

    Darüber hinaus wird nur ein einziges Praxisbeispiel erwähnt. Hier kann ich als Leser aber natürlich ohne den gegebenen Kontext überhaupt nicht einschätzen, wie vertrauenswürdig die genannten Ergebnisse sind.

    Ich als Leser bleibe also nach dem Lesen dieses Blogartikels genauso wissen odr unwissend zurück wie zuvor.

  9. Dieser Artikel ist ja wirklich interessant. Doch so richtig leuchtet mir es nicht ein, wieso die Autos dann schneller unterwegs sind, wenn da eine Radspur auf der Straße ist.
    Da wird immer von den Studien gesprochen, aber nicht die Begründung, warum ist das so ?
    Dazu hätte ich gerne mal eine Erläuterung von jemandem.
    J.A..

  10. Abgetrennte Radwege sind wesentlich besser als Radfahrstreifen, da auf diesen oft zu wenig Rücksicht auf Radfahrer genommen wird.
    Die Rennradfahrer, die (innerorts) auf der Straße fahren* und dann auch noch zum Umfahren eines Staus den Radweg nehmen um direkt danach wieder auf die Straße zu fahren sind natürlich ein Problem, dem man mit Bußgeldern beikommen muss.
    Punkte gibt es dafür leider nicht.
    *trotz blau/weißem-beschildertem Pflicht-Radweg

    • Rennradfahrer dürfen allerdings unter bestimmten Voraussetzungen die Straße benutzen und sogar nebeneinander fahren, selbst wenn ein Radweg vorhanden ist.

  11. Was soll bitte eine Untersuchung in den USA und hier bringen?

    Die Fahrweise und Mentalität im Vergleich zu Deutschland ist eine ganz andere.

    Solange hier überhaupt Radwege benutzt werden, was ich leider nicht wirklich oft sehe in und um Köln, fahren viele Radfahrer auch einfach auf der Straße.
    Das führt oft zu Rückwärtigem Stickenden Verkehr, da oft nicht wirklich ausreichend Platz zum Überholen vorhanden ist, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden.

    Mal davon abgesehen, das viele Radfahrer jegliche Ampeln und Verkehrsregeln komplett ignorieren wäre es wohl eher angebrachter lieber mal eine Untersuchung Bundesweit zu forcieren, als sich immer auf irgendwelche amerikanischen Studien zu stützen.

  12. Was soll bitte eine Untersuchung in den USA und hier bringen?

    Die Fahrweise und Mentalität im Vergleich zu Deutschland ist eine ganz andere.

    Solange hier überhaupt Radwege benutzt werden, was ich leider nicht wirklich oft sehe in und um Köln, fahren viele Radfahrer auch einfach auf der Straße.
    Das führt oft zu Rückwärtigem Stickenden Verkehr, da oft nicht wirklich ausreichend Platz zum Überholen vorhanden ist, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden.

    Mal davon abgesehen, das viele Radfahrer jegliche Ampeln und Verkehrsregeln komplett ignorieren wäre es wohl eher angebrachter lieber mal eine Untersuchung Bundesweit zu forcieren, als sich immer auf irgendwelche amerikanischen Studien zu stützen.

  13. Die Radwege auf der Frankfurter Allee in Berlin haben ein Radfahrgebotsschild. Das interessiert viele Radfahrer aber nicht. Die Polizei sieht zu und versucht noch um den Radfahrer herumzukommen, der auf der Straße fährt, ohne auf den Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung wenigstens hinzuweisen. Solange das Gesetz zusieht, wie täglich 80-90% der Radfahrer permanent gegen die StVO verstoßen wie falsche Seite in der Spur, rote Ampeln, benutzen der Fußgängerampel, falsche Spur auf der Straße, falsche Richtung auf dem Radweg, Bürgersteigfahrer wenn´s grad passt etc., etc. Ich könnte das so fortsetzen, ist diese Disskussion unnütz.
    Es gibt ja bereits Städte, die vereinzelt Polizei auf Fahrrädern einsetzt. Die Reaktion der Radfahrer, wenn sie angehalten werden (etwas überspitzt): Die StVO gilt doch nicht für Radfahrer…
    Und an die Adresse von Jürgen:
    Der Seitenabstand ist aber keine Einbahnstraße und gilt eigentlich auch für Radfahrer, die das aber anders sehen. Schrammen am Auto sind da keine Seltenheit.
    Sind denn die Radfahrwege in Mannheim mit einer durchgezogenen weißen Linie vom Fahrstreifen getrennt? Wenn dem so ist gilt dann natürlich das Nutzungsverbot für Autofahrer.

  14. Wenn man sich das Verhalten der Radler hier in Berlin ansieht, dann möchte man nicht glauben, das sie den Radweg benutzen. Ist er da, dann sollte er auch verpflichtend zu nutzen sein. Man sollte aber auch darauf hinweisen, das wenn man keinen Radler behindert, auch dort fahren kann, das blenden viel PKW Fahrer einfach aus.

    • Vielleicht sollte man aber auch sagen, dass es keine allgemeine Radwegnutzungspflicht gibt in Deutschland. Radfahrer dürfen die Straße nutzen selbst, wenn ein Radweg vorhanden ist (und dieser nicht nutzungspflichtig ist). Kurz: Straßen sind nicht ausschließlich für Autos da (einige der Anworten suggerieren das hier leider) und im Straßenverkehr hat man aufeinander acht zu geben, jeder auf den anderen.

  15. Radfahrstreifen sind oft eine trügerische Sicheheit für Radfahrer. In Rosenheim (Oberbayern) werden immer wieder Teilstücke von Radfahrstreifen auf die Fahrbahn markiert, die dann plötzlich enden. Warum??? Es gibt von der Regierung für jeden Meter Radfahrstreifen Zuschüsse. Diese Gelder wollen viele Städte für sich einheimsen und so kommen diese Stückwerke von Radfahrstreifen zustande, die für Radfahrer und Autofahrer immer wieder zu gefährlichen Situationen führen. Oftmals werden Radfahrer gegen die Bordsteinkante gedrückt, weil die Fahrbahnen für zwei Fahrtrichtungen (Gegenverkehr) in unseren deutschen Städten auf Grund der alten Baustruktur zu eng sind. Leider werden solche Städte dann noch als fahrradfreundliche Städte hervorghoben, weil es viele Kilometer Radweg gibt aber leider nur Stückwerk. Ein zusammenhängendes Radwegenetz ist nur Augenwischerei.
    Es müssten dringend die bestehenden Vorschriften für den Bau und für die Anlage von Radwege und Fahrradstreifen berücksichtigt und eingehalten werden.
    Das gleiche Problem haben wir in Rosenheim mit den Bus-Spuren, die den Linienverkehr beschleunigen sollten. Funktioniert jedoch nicht, da auch diese plötzlich, oft im Bereich von Ampelstaus, enden. Die Fahrbahnen in deutschen Städten sind einfach zu eng für Sonderfahrstreifen.

  16. Unter den Autofahrern wie unter den Radfahrern wird es immer Egoisten geben die meinen die Verkehrswege seien nur für sie allein gebaut.
    Ich fahre seit über 40 Jahren Auto und betreibe mit Begeisterung auch das Radfahren, Chaoten begegnen mir immer wieder bei beiden Fortbewegungsarten. Ich bin aber der Überzeugung dass sich die Mehrheit rücksichtsvoll verhält. Ein Ausbau der Radwege ist auf jeden Fall voranzutreiben.

  17. Der ADAC verbreitet solchen Blödsinn – und vertritt diesen Schwachsinn wahrscheinlich auch noch politisch. Ich muss ernsthaft über meine Mitgliedschaft nachdenken.
    Das fällt in die Kategorie „Wissenschaftler haben bewiesen, dass Rauchen doch nicht schädlich ist.“ gezeichnet Dr. Malboro.

    • es ist immer schwieig Leute ernst zu nehmen, die zwar eine Meinung haben, aber offensichtlich die Dokumente zu obigem Thema gar nicht kennen.

  18. Es wird Zeit, dass es an den Fahrräder Kennzeichen gibt, damit die Anonymität der Fahrradrüpel aufgehoben wird. Was die Radfahrer den Autofahrern an Fehlverhalten vorwerfen, vollziehen sie in gleichem Maße gegenüber den Fußgängern.
    Wenn jeden in seinem Verhalten an den Schwächeren denkt, wäre es für alle leichter.

    • Der NYC-Simulation könnte schon hinkommen – wenn man sich den Verkehrsfluss auf der Autobahn kurz vor der Reduzierung von 3 auf 2 Spuren ansieht, verhält sich das ähnlich wie wenn Autos Radfahrer überholen. Da wird der Verkehr auf mindestens einer Spur deutlich langsamer. Also lieber 1 Spur weniger und auf den anderen können die Autos unter sich bleiben. Wenns dann noch ein paar Autos weniger würden, verstärkt sich der Effekt.

      Idioten gibt es in allen Lagern – wobei das mit den „vermehrten“ Rotlichtverstößen der Radler doch ein bekanntes Märchen ist. Ich erlebe wenn ich mit dem Rad unterwegs bin latent Verstöße gegen die StVo von Kraftfahrzeugen – Rotlichtvertöße sind da noch das Harmloseste: Fehlender Schulterblick beim Abbiegen, keinen Seitenabstand beim Überholen, Tür aufwerfen ohne den Fahrweg zu kontrollieren sind für Radler lebensgefährlich. Ein Denkanstoss für diejenigen, die meinen den Radfahrern würde es zu gut gehen: Würdet Ihr ein gutes/ sicheres Gefühl haben, wenn Eure Kinder (sofern vorhanden oder geplant) in der aktuellen Infrastruktur überall mit dem Rad unterwegs sind? Würde ich klar verneinen obwohl ich meine Nachkommen dazu animiere.

  19. Die Columbus Avenue hat als Einbahnstraße (!!) 3 Fahrstreifen plus Parkspur (in der Rushhour mit Halteverbot) plus ab und zu eine Linksabbiegerspur. Sie ist absolut keine Haupt- / Durchgangsstraße. Das sind links und rechts davon Broadway und Central Park West.

    Außerdem: Mein Kumpel wohnt 75. West. Ich kann mich nicht erinnern, in diesem Bereich (außer vielleicht bei Unfall oder Baustelle) jemals Stau gehabt zu haben.
    Und Radfahrer in Manhatten? Außer Fahrradkurieren ist das Thema südlich der 85. (spätesten ab 59. (Central Park South) und vielleicht noch im Village) marginal.

    Brooklyn ist ein Thema für sich. Gibt es da (innerstädtisch) Verkehrsregeln?

  20. Rudolf Jonas
    15. Juni 2017

    Ich bin mit Jürgen einer Meinung. Fahren Sie einmal durch Süddeutschland und Österreich und schauen sich einmal an, was sich da auf den Straßen so tut, obwohl beste Radwege mit viel Geld gebaut wurden. Alle Radfahrer die Rennräder unter ihrem Hintern haben, fahren nicht auf den Radwegen, sondern auf der Straße. Wenn ein Autofahrer einen solchen Radfahrer einmal anfährt, ist er immer der Dumme, weil er angeblich der Stärkere ist. Den Mittelfinger bekommt man immer gezeigt, wenn man solche Radfahrer anhupt. Am letzten Samstag fuhren 2 Rennradfahrer durch den Umfahrungstunnel bei Bad Ischel, weil sie wohl den Weg durch die Stadt nicht benutzen wollten.

  21. Das Problem an den Radwegen ist, dass sie nicht nur von Radfahrern genutzt werden. Wie bereits erwähnt nutzen auch Autofahrer den Radweg,und sei es nur für eine kurze Pause zum Telefonieren. Desweiteren werden auch gern mal Schilder aufgestellt und meist sind die Wege zu schmal. Und wenn man jetzt über den Zustand der Straßen meckert, dann sollte man sich erst mal die Radwege ansehen!

    • Herr Jonas, die Straßen in Deutschland sind nicht nur für Autos da, vielleicht ist Ihnen da die Rechtslage nicht geläufig. Es gibt in Deutschland keine allgemeine Radwegnutzungspflicht (nur in Ausnahmen mit den Zeichen 237, 240 oder 241 gekennzeichnet). Auch wenn ein Radweg vorhanden ist, dürfen Radfahrer die Fahrbahn benutzten. Der Mittelfinger ist nicht angebracht, klar. Aber Radfahrer anzuhupen genau so wenig. Diese müssen sich wundern warum, halten sie sich doch an die Regeln. Ständig angehupt zu werden – ich kenne das – nervt wirklich.

  22. Schaut doch einmal in unser Nachbarland Niederlande!
    Dort werden „über Land“ neben den Autobahnen breite Fahrradwege gebaut.
    Das Problem ist eigentlich nur die fehlende gegenseitige Rücksichtnahme.

  23. Vielfach sind die Fahrradwege in schlechtem Zustand, mit Scherben oder Schlaglöchern, daher fahren besonders Rennradfahrer auf der Straße. Für diese kann das schnell zu gefährlichen​ Unfällen führen. Ich fahre aktuell kein Rennrad habe aber manchmal durch die schlechten Radwege alle zwei Tage eine Reifenpanne oder kaputte Speichen. Auch rote Ampeln überfährt man gelegentlich, wenn die Überquerung einer Kreuzung 5 Ampeln erfordert, wobei jede auf Rot geschaltet ist. Aber auch die Autofahrer leiden immer mehr an der Ausuferung der Ampeln mit der roten Welle der Vernunft. Man sollte annehmen, dass die leistungsfähige Computertechnik eine Ampelreglung möglich macht.

  24. In der Sache POSITIV! Nur gemeinsam, Auto- UND Radfahrer können am Rad der Zukunft drehen.
    Ziemlich verwunderlich finde ich, dass der ADAC dazu eine vier Jahre alte Studie ausgräbt.
    VW und Maut sind etwas aktueller

  25. Die meisten Autofahrer glauben, dass es Absicht ist, wenn wir auf der Strasse fahren und nicht auf dem Radweg. Nein!! Es dient zu unserem eigenen und dem Schutz der anderen Verkehrsteilnehmer! Ich fahre im Jahr ca. 5000km auf dem Rad. Als Hobby Radfahrer fährt man keine 10km/h oder 15km/h sondern 25km/h aufwärts. Ein Radweg (2m Breit) den man sich mit Fussgängern, Kindern und Haustieren teilen muss, ist da leider nicht zu gebrauchen. Es ist für Radfahrer einfach zu gefährlich den zu benutzen, denn keiner hält den Radweg für uns frei oder schaut beim Betreten – Überqueren nach Radfahren. Ebenso ist es an den kleinen Strassenkreuzungen. Alle Autofahrer überqueren den Radsteifen ohne zu schauen bzw. schätzen die Geschwindigkeit eines Fahrrad’s falsch ein. Auf der Strasse ist es da oft viel sicherer.

    • …und man kann es nicht oft genug sagen: Es ist erlaubt sofern keine Radwegnutzungspflicht (Zeichen 237, 240 oder 241) vorliegt. Die Straße ist nicht nur für Autos da.

  26. Wenn Fahrstreifen für Pkw und Lkw einem neuen Radweg weichen sollen, ist der Aufschrei bei Autofahrern meist groß. Aber den Vergleich mit Columbus Avenue ist nicht ganz korrekt denn 2008 wurde die Ninth Avenue zwischen der 31st Street und 14th Street umgestaltet und ein Fahrradweg auf der Westseite der Straße zwischen dem Randstein und der Parkspur angelegt und kein Fahrstreifen musste weichen.

  27. Ich habe länger in Belgien und Japan gelebt, wo Fahrrad fahren sehr populär ist und stimme den meisten Kommentaren hier zu dass es nichts bringen wird, allerdings aus grundsätzlich anderen Gründen.
    Die Fahrradfahrer sind eher selten das Problem (jene zu beschuldigen ist wie wenn man Kindern die Schuld gibt, wenn sie von nicht befestigten Brücken fallen), es ist eher so dass rücksichtslose Autoahrer und vor allem Parker Fahrradfahrern quasi anerziehen, die Fahrradstreifen nicht zu nutzen, um nicht später plötzlich sowieso auf die Straße ausweichen zu müssen. Ich mein, wenn Taxis und Autos nichtmal vor totalen Halteverboten wie bei Krankenhauseinfahrten oder Bushaltestellen Respekt haben, wieso sollten jene Personen dann Fahrradstreifen beachten?
    In einigen Orten in Belgien hatte man dagegen eine wunderschöne Medizin: Pole.
    Der Fahrradstreifen war auf der Straße, aber alle paar Meter gabs nen Pfosten. Radfahrer können den Streifen relativ problemlos verlassen, aber Autos konnten nur dann auf diesen, wenn sie quasi abbogen (also recht eng zwischen den Pfosten fuhren). Und man glaube es kaum, so gut wie keine Fahrradfahrer auf der Straße (ein paar, die Spuren wechseln um abzubiegen mal abgesehen) und genauso eine sichere, autofreie Fahrradspur.
    In Japan hatte man ein ähnliches Konzept, nur gabs ne Art kleinen Boardstein mit Absenkungen bei Einfahrten, Ampeln, etc wo Autos bzw Fahrräder dann halt schonmal den Fahrradweg kreuzen müssen. Auch keine Autos.
    Ganz zu Schweigen davon, dass vor allem Belgien und Holland ja teils ganze Zonen haben, die nur für Fahrradfahrer und Fußgänger sind und quer durchs Stradtzentrum führen, um große Verkehrsstraßen zu entlasten.

    Wenn man aber einfach nur ein paar Striche auf den Boden malt, wirds dagegen niemanden interessieren. Schonmal in Düsseldorf Innenstadt gewesen? Da ist fast überall die gesamte rechte Spur quasi ein Parkstreifen in zweiter Reihe. Und das ist eine offizielle Autospur. Schonmal bei Köln Universität rumgefahren? Da stehen Autos vollständig auf dem Fußweg, teils in Straßen die für Autos sogar offiziell gesperrt sind. Da laufen deshalb teils Frauen mit Kinderwagen auf der Straße rum weil sie den Fußweg nicht nutzen können. Wie soll man von solchen Leute erwarten, dass sie Fahrradstreifen besser behandeln? Wie soll man da von Fahrradfahrern erwarten, dass sie einen angebotenen Fahrradweg benutzen? Da ist es tatsächlich vermutlich sicherer, einfach wahlweise die Autofahrer oder Fußgänger dauerhaft zu belästigen, egal wie sehr es alle ärgert.

  28. Wenn man über solche Studien berichtet, sollte man sie wenigstens gelesen und verstanden haben. Ein paar Hinweise:

    1) Aus Simulationen und korrelativen Befunden aus dem US-Verkehr kann man keine kausalen Schlüsse für Deutschland ziehen. Alles andere ist unseriös.

    2) Die Radspuren in der Simulationsstudie wurden auf eine Breite von nur 1,2 Metern begrenzt. Die Idee, Radspuren breiter als 1,2 Meter zu machen, wurde als „unangebracht“ (inappropriate) verworfen (Gosse & Clarens, 2013, S. 3). In deutschen Großstädten wie Berlin wurde die absolute Mindestbreite für neue Radspuren aber auf 2 Meter, in einigen Fällen 2,50 festgelegt. Man müsste die Simulation also mit diesen Werten wiederholen, um die Ergebnisse auf deutsche Städte übertragen zu können.

    3) Der Befund aus New York ist, dass nach dem Bau von 30 Meilen (48 Kilometer) neuer Radwege der Verkehrsfluss gerade mal in einer einzigen (!) Straße besser wurde. Erfasst wurde das zudem nur im Zeitfenster zwischen 7 und 10 Uhr morgens (Trottenberg, 2014, Folie 11).

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