Das Autobahnnetz wächst – ohne einen Spatenstich!

Manchmal geht es schnell: Schon bald erhält Deutschland eine neue Autobahn – die A36. Sie ist 85 Kilometer lang und führt vom Dreieck Vienenburg bei Goslar über Wernigerode, Blankenburg und Aschersleben bis Bernburg in Sachsen-Anhalt. Dort besteht Anschluss zur A14 (Magdeburg – Leipzig). Der Clou: Die Autobahn muss nicht gebaut werden, sie existiert bereits – als Bundesstraße B6. Lediglich die Schilder werden ausgetauscht.

Ein Schildbürgerstreich? Nein, aber was hat es dann damit auf sich? Die Vorgeschichte ist lang. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde beschlossen, am Nordrand des Harzes eine vierspurige, autobahnähnliche Bundesstraße zu bauen. Im Volksmund heißt sie B6 neu oder Nordharzschnellstraße. Baubeginn war 1997, komplett fertig war die Straße 2011.

Ankurbelung für den Tourismus?

Hier könnte die Geschichte nun enden. Doch es kam anders. Kaum war das Werk vollbracht, schaltete sich die Politik ein. Die Überlegung: Nimmt die Öffentlichkeit die Verbindung am Nordrand des Harz als Autobahn und nicht als Schnellstraße wahr, wäre dies ein enormer Imagegewinn. Die Folge wären wirtschaftliche Standortvorteile für die Region, vor allem aber auch eine bessere touristische Vermarktung und damit auch mehr Besucher.

Autobahnschild

Im Herbst 2012 beantragte daher das Land Sachsen-Anhalt beim Bund die Aufwertung der B6 zur Autobahn. Auch ein Name war bald gefunden: A36. Danach blieb es längere Zeit ruhig und die Mühlen der Bürokratie mahlten vor sich hin. Im März 2017 dann der Durchbruch: Das Bundesverkehrsministerium stimmte der Umbenennung zu. Doch nicht nur das. Auch das Land Niedersachsen kam nun ins Spiel. Zusätzlich zur B6 soll auch die westlich anschließende A395 zwischen dem Kreuz Braunschweig-Süd und dem Dreieck Vienenburg ebenfalls die Bezeichnung A36 erhalten. Die neue Autobahn wäre dann 127 Kilometer lang.

Wo liegen noch Stolpersteine?

Doch wann werden die Schilder ausgetauscht, und warum dauert das so lange? Die Sache ist nicht so einfach, wie es klingt. Zum einen gibt es noch administrative Hürden. Vor allem aber sind die blauen Autobahnschilder größer und schwerer als die gelben Schilder auf Bundesstraßen. Zunächst muss daher die Traglast der Schilderbrücken überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dies nimmt einige Zeit in Anspruch. Die Kosten für die Neubeschilderung in Sachsen-Anhalt beziffert Verkehrsminister Webel auf rund 2 Millionen Euro. Derzeit geht man davon aus, dass die ersten Autos frühestens zum Jahresende über die neue Autobahn fahren könnten. Realistischer ist allerdings ein Termin im Jahr 2019. Eines steht aber schon jetzt fest: Mit der Umbenennung ist das deutsche Autobahnnetz erstmals deutlich länger als 13.000 Kilometer.

Alles über Autobahneröffnungen in Deutschland erfahrt ihr hier.

Auch interessant: Blaue Mautsäulen blitzen nicht!

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4 Gedanken zu “Das Autobahnnetz wächst – ohne einen Spatenstich!

  1. Gut wäre es wenn diese Autobahn (A36) dann über Goslar noch zur A7 verlängert würde. Die A395 bis zum Dreieck Vienenburg könnte die Nummer so behalten.

  2. 2 Mio aus der Tasche des Steuerzahlers für Schildertausch… Das ist Bürokratie-Irrsinn!
    Auf der B6 kann man autobahnähnlich fahren – wozu dann das Geld für Schildertausch verplempern? Ein Schildbürgerstreich, im wahrsten Sinne des Wortes!!!

  3. Blick in die Zukunft : 2 Millionen € Kosten für die Erhebung zur BAB.
    Erfolg – fahren ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Sonstige Vorteile ? Keine.
    Nach einem Jahr – Unfallzahlen (durch Wild, LKW, Geisterfahrer usw.) zu hoch !
    Folge – Geschwindigkeitsbegrenzung 120 km/h.
    Kosten für Schilder ca. 50 000.- € ?
    Erkenntnis : 1.950.000 € Steuergelder verbrannt, die besser als Rücklage für anstehende Brückensanierungen angelegt wären !

  4. Habe mehrfach gesehen, dass die bestehenden Mittelleitplanken an der „noch B6n“ einfach abgebaut, zerschnitten und dann verschrottet werden. Sie werden dann für die „A36“ durch neue Mittelleitplanken ersetzt.
    Warum nimmt man sich nicht die Zeit und schraubt sie komplett ab? Dann könnten die Mittelleitplanken für andere Bundes- oder Nebenstraßen wiederverwendet werden! Die Qualität ist meiner Meinung nach o.k..
    Es ist wieder einmal ein Beispiel wie unüberlegt und ohne nachzudenken die Steuergelder der Bürger im wahrsten Sinne des Wortes „verschrottet“ werden! Was sagt denn der verantwortliche Minister für Landesentwicklung und Verkehr von Sachsen-Anhalt „Herr Webel“ dazu?

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