Schneller als das Navi (erlaubt)

Navigationssysteme oder Navigations-Apps haben einen unschlagbaren Vorteil gegenüber analogen Straßenkarten: Sie leiten uns nicht nur zum Ziel, sondern errechnen auch die Ankunftszeit. Einige Fahrer sehen diese Angabe als Herausforderung und versuchen, das Navi zu unterbieten. Ein gefährliches Spiel.

Früher musste der Beifahrer noch mühsam "patentgefaltete" Karten aufschlagen, um das Ziel zu entdecken, während der Fahrer leicht genervt nach Hinweisschildern spähte, um auch ja die richtige Abzweigung zu finden. Heute bringen uns Navis oder Smartphone-Apps in der Regel sicher ans Ziel. Und sagen uns auch noch zu Beginn der Fahrt bis auf die Minute genau, wann wir ankommen werden.

Permanenter Druck

Verkehrspsychologin Nina Wahn ADAC
Verkehrspsychologin Nina Wahn hält das Unterbieten des Navigationssystems für ein gefährliches Spiel.

Diese Ankunftszeit löst bei Autofahrern nicht immer pure Freude aus, "setzt sie uns doch gehörig unter Druck", wie unsere Verkehrspsychologin Nina Wahn erläutert. "Das Gerät zeigt uns ja nicht nur die Ankunftszeit an, sondern blendet immer wieder aktuelle Verzögerungen ein. Und wir sehen quasi in Echtzeit, wie uns unsere Lebenszeit im Stau zwischen den Fingern verrinnt. Dazu kommt im schlimmsten Fall auch noch Termindruck."

Die Folge: Viele Autofahrer versuchen auf Teufel komm raus, schneller ans Ziel zu kommen, als es das Navi errechnet hat, sie versuchen also das Navi zu unterbieten.

Gegen die Routine

"Auf unseren Routinestrecken ist das Autofahren überwiegend monoton", meint Nina Wahn. "Wir suchen gezielt nach Ablenkung. Eine gute Entscheidung, damit wir nicht ermüden und unsere Konzentrationsfähigkeit erhalten. Aber während der eine das Radio einschaltet, sucht der andere nach einer Challenge und fordert das Navi heraus. Er setzt auf Gamefication gegen die Monotonie seiner Fahrt."

Hintergrund für dieses Verhalten ist der im Menschen tief verwurzelte Wettbewerbstrieb. "Vor allem jüngere Fahrer betrachten die von einer Maschine vorgegebene Ankunftszeit als persönliche Herausforderung, die es zu unterbieten gilt. Sie erheben sich mit ihrer eigenen Fahrleistung über die des Durchschnittsfahrers, den das Navi vermutlich bei der Berechnung einfließen lässt", erklärt Wahn. Mit dem individuellen Fahrstil betonen Autofahrer also ihre Individualität im Straßenverkehr.

Gefährliche Kontroll-Illusion

Schneller als das Navi
Im Straßenverkehr geht es darum, sicher anzukommen.

"Viele Fahrer leben leider in einer Art Kontroll-Illusion – sie kennen zwar die Risiken des Zuschnellfahrens, glauben aber, sie gelten nicht für sie, und sie hätten immer alles unter Kontrolle. Eine Fehleinschätzung, die fatale Folgen haben kann", warnt Wahn. Denn der im Straßenverkehr essenzielle Sicherheitsaspekt rückt so gegenüber dem Wettbewerbstrieb in den Hintergrund. "Risiken werden vom Fahrer eher eingegangen, um über das Navi vermeintlich zu siegen. Aber beim Autofahren geht es primär um sicheres Ankommen, nicht um einen Wettbewerb."

Wie die Ankunftszeit berechnet wird

Berechnet wird die Ankunftszeit einerseits aus der noch zu fahrenden Streckenlänge, wobei in den Kartendaten Tempolimits hinterlegt sind. Außerdem lernt das Navi oder die App mit der Zeit, wie der Fahrer unterwegs ist – ob er also eher gemütlich fährt oder aber gar die Tempolimits überschreitet. Schließlich fließen vielfach noch Verkehrsinformationen in die Berechnung ein.

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