Ein eigenes Auto in der Stadt – Unsinn?

Teilen spielt gerade in der Mobilität in urbanen Räumen eine zentrale Rolle. Nicht jeder braucht sein eigenes Auto.

Wer heute in urbanen Räumen lebt, ist Zeuge und zugleich Mitverursacher des täglichen Verkehrsinfarktes. Eine zentrale Aufgaben für Stadt- und Verkehrsplaner ist daher die integrierte Verknüpfung von nachhaltiger Mobilität und Wohnen. Und die hiermit verbundene Reduktion des Autoverkehrs. Ein Modellprojekt hierzu läuft in München. 

Das Projekt CIVITAS wurde 2000 von der EU-Kommission ins Leben gerufen. Es unterstützt europäische Städte beim Einführen und Testen ehrgeiziger und innovativer Projekte zur Verbesserung des städtischen Nahverkehrs. Jede teilnehmende Stadt hat mit eigenen Problemen zu kämpfen und kann deshalb mit CIVITAS ein speziell an die örtlichen Gegebenheiten angepasstes Maßnahmenpaket schnüren.

In München wird CIVITAS Eccentric mit EU-Fördergeldern in Höhe von 4 Millionen Euro unterstützt. Eccentric prüft und evaluiert in der bayerischen Metropole Maßnahmen zur Verknüpfung von Wohnen und Mobilität am Stadtrand.

Mobilität: Die Probleme

So verteilt sich Mobilität in München 2017.

Auch wenn es pathetisch klingt: Es geht um nichts Geringeres als um die Rückeroberung des öffentlichen Verkehrsraums für die dort lebenden Menschen. Durch weitgehenden Verzicht auf das private Auto. Was die Steigerung der Lebensqualität in der Stadt zur Folge hat.

München wächst beständig. Dabei dehnt sich die Stadt vor allem an den Rändern aus. Im Modellprojekt rücken die Parkstadt Schwabing und das benachbarte Neubaugebiet Domagkpark in den Mittelpunkt. Allein im Domagkpark befinden sich etwa 3.000 Wohnungen in der Planung oder im Bau. Bis zu 15.000 Arbeitsplätze entstehen in diesem Wohnumfeld.

Der Münchner Norden wird doppelt so schnell wachsen wie ganz München. Mehrere ehemalige Kasernengelände wurden in neue Wohnsiedlungen umgewandelt, um die enorme Bevölkerungszunahme zu bewältigen. Während die Verkehrsnetze überlastet sind, steigt in den bebauten Gebieten das Bedürfnis nach individueller Mobilität. Dafür bedarf es innovativer Produkte, Dienstleistungen und Verfahren.

Auch Fracht- und Paketverkehr verursachen zunehmend Probleme bei Straßensicherheit und Verkehrsfluss. Insbesondere Radfahrer, Fußgänger und Senioren leiden unter dieser Situation. Umweltbedingte Stressszenarien im urbanen Raum nehmen zu – durch steigende Luftverschmutzung und Lärmemissionen.

Mögliche Lösungen für urbane Mobilität

Im Münchner Domagkpark soll die Mobilität kollaborativ, nachhaltig und individuell gestaltet werden können. Für die Menschen.

Aus den genannten Problemen leiten sich neue Ansprüche an die Mobilität ab. Die im urbanen Raum lebenden und arbeitenden Menschen suchen verstärkt nach einer Tür-zu-Tür-Mobilität. In München soll Eccentric über die lokalen Partner vor allem Lösungen erarbeiten, um die Verlagerung des Autoverkehrs auf nachhaltigere Verkehrsträger zu erreichen.

Im Domagkpark verfolgt Eccentric daher Maßnahmen zu folgenden Mobilitätsfeldern: Car-Sharing, Bike-Sharing, Elektromobilität, Multimodalität, Mobilitätsmanagement, City-Logistik, Verkehrssicherheit sowie deren Integration in die Stadt- und Verkehrsplanung. Das Motto für die Anwohner lautet: “Immer mobil – auch ohne eigenes Fahrzeug”.

Eine Mobilitätszentrale als Kernstück des Mobilitätskonzepts

Am 31. Mai 2016 eröffnete Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter die Mobilitätszentrale im Domagkpark – das Kernstück des Mobilitätskonzepts. Dort stehen für die Bewohner zwei Elektrofahrräder, ein Elektro-Lastenrad, zwei Elektro-Roller (max. 45 km/h, mit Führerschein), ein Elektro-PKW sowie weitere konventionelle PKW verschiedener Größen zur Ausleihe bereit. Buchen kann man über Internet oder telefonisch. Auch eine Mobilitätsberatung wird den Bewohnern des Viertels angeboten.

Über eine Website und diverse (Mitfahr)Apps können die Menschen ihre individuelle, umweltfreundliche Mobilität abseits eines eigenen PKW planen. Verfügbare Fahrzeuge werden ihnen dabei in Echtzeit angezeigt. Aber auch die Themen Familie, Freizeit und Kultur kommen nicht zu kurz. Gemeinsamkeit bei allen Aktivitäten steht hier hoch im Kurs.

Ein Concierge-Dienst im Viertel

Um den Fracht- und Paketverkehr im Viertel nachhaltiger zu machen, wurde im September 2017 ein Concierge-Dienst eingerichtet. Dort landen Pakete aller Art, die von den Empfängern abgeholt werden können. Aber auch Liefermodelle für die “Letzte Meile” mit E-Rollern werden getestet.

Auf dem offiziellen Stadtportal der Stadt München heißt es: “Ziel ist ein umfassendes, zukunftsorientiertes und flexibles Mobilitätsangebot für die Bewohnerinnen wie Bewohner und für die Erwerbstätigen. Durch die zahlreichen, sich ergänzenden Angebote werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass etwa auf ein privates Auto verzichtet werden kann.” Dies kann nur einer von vielen Schritten zur Bekämpfung des täglichen Verkehrsinfarktes sein.


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