Städte - Mobilität der Zukunft

Vor allem in Städten und Metropolen entscheidet sich, wie die Mobilität der Zukunft aussieht. Denn bis 2030 werden rund fünf Milliarden Menschen in urbanen Räumen leben. Wir zeigen, wie die künftige Mobilität dort aussehen könnte: für den Menschen - ohne Staus und Luftverschmutzung.

Die Mobilität, wie wir sie kennen, befindet sich im Umbruch. Die Bevölkerungsdichte in den Städten nimmt zu, während die dort lebenden Menschen immer mobiler werden. Die massive Dominanz des Individualverkehrs wiederum geht zu Lasten der Lebensqualität in urbanen Räumen.

Dass sich zügig etwas ändern muss, beweist der Blick auf die Stausituation vor unseren Haustüren. Täglich bilden sich in Deutschland Staus mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 4000 Kilometern, jährlich zählen unsere Experten nicht weniger als 723.000 Staus, die insgesamt 1.448.000 Kilometer lang sind. Mit Mobilität hat das nicht mehr viel zu tun.

Umdenken ist nötig

Car Sharing App Hipster
Carsharing ist ein wichtiger Bestandteil für die Mobilität der Zukunft - gerade in überlasteten Städten und Metropolen.

Bisherige Lösungsansätze basierten vor allem auf Verboten. London etwa führte die Citymaut und Fahrverbote ein, Wien setzte auf horrende Parkgebühren, um den motorisierten Individualverkehr aus den Innenstädten zu verbannen. Einen Überblick zu Fahrverboten und Umweltzonen in europäischen Ländern findet ihr hier.

Doch ohne effektive und funktionierende Alternativangebote, wie zum Beispiel einen gut ausgebauten und günstigen öffentlichen Nahverkehr, wird bei den Verkehrsteilnehmern kein Umdenken einsetzen. Das ist aber nötig, denn die neue Mobilität  lässt sich nicht verordnen, sie muss die Betroffenen überzeugen. Vieles ist heute bereits möglich - und es wird in Zukunft auch nötig sein, wenn die Stadt als attraktiver und lebenswerter Raum erhalten bleiben soll.

Moderne Mobilitätskonzepte

Eine internationale Studie zur "Urbanen Mobilität" von McKinsey und Bloomberg aus dem Jahr 2016 sagt "dramatische Veränderungen" voraus. Mit den Themen e-Mobilität, vernetzte Mobilität und autonomes Fahren werden dort die drei zentralen technischen Innovationen genannt, die - in kluger Kombination - dafür sorgen können, dass die Mobilität der Zukunft eine für den Menschen und dessen Belange ist. Nur auf diesem Weg können sich die Menschen in der Stadt ihre verloren gegangene Lebensqualität zurückholen und im gleichen Atemzug dabei nicht nur sprichwörtlich mehr Platz erhalten.

Mobilität der Zukunft - Mensch geht vor Auto

Verkehrsplaner arbeiten daran, Fußgängern und Fahrradfahrern sowie Bus- und Bahnfahrern wieder mehr öffentlichen Raum in der Stadt zu geben, der aktuell überwiegend für Straßen und Parkplätze verwendet wird, also dem Autofahrer und seinem Fahrzeug dient. In einem derartigen Szenario werden Straßenflächen umgewidmet.

Ein Beispiel: Die dänische Hauptstadt Kopenhagen sorgt jetzt dafür, dass Autos draußen vor der Stadt bleiben. Mehr als 1000 Kilometer Straßenflächen wurden zugunsten breiterer Radwege und Hochgeschwindigkeitsstrecken für Räder umgestaltet. Nach einem anfänglich empörten Aufschrei radelt heute mehr als die Hälfte der Einwohner zur Arbeit in der Stadt. Der finanzielle Aufwand war überschaubar, der Effekt auf Staubildung und Umweltbelastung ist gewaltig.

Von Helsinki bis Montreal - neue urbane Mobilität

Smartphone Bikesharing
Bikesharing-Angebote können dazu beitragen, den Verkehr in Innenstädten zu entlasten.

Nun lässt sich das Beispiel Kopenhagen nicht auf andere Städte übertragen. Denn jede Stadt ist anders, die regionalen und lokalen Bedingungen unterscheiden sich - von der Bevölkerungsdichte über den Zustand der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur bis hin zur realen Verkehrsbelastung und dem Grad der Umweltbelastung. Von den Verantwortlichen ist daher vor allem eines gefragt: Flexibilität und Offenheit für neue Ansätze. Dies zeigen die Planer in folgenden Städten:

  • Helsinki

Die finnische Hauptstadt testet "Mobility as a Service". In diesem, auf das individuelle Bedürfnis des Nutzers abgestimmten Konzept werden öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing-Dienste, Mietwagen und -fahrräder miteinander als Service kombiniert. Buchung und Bezahlung funktionieren ausschließlich über App. Dabei kann man die angebotenen Verkehrsmittel problemlos wechseln. Weiterhin ist geplant, Zubringer-Autobahnen in Boulevards zu verwandeln. „Es geht ja nicht darum, ein Auto zu haben. Sondern darum, von A nach B zu kommen“, sagt die Verkehrsplanerin Sonja Heikkilä.

  • Hamburg

Ihre Probleme im individuellen Straßenverkehr versucht die Hansestadt durch Kooperationen mit Mobilitätsanbietern wie Daimler, BMW und VW in den Griff zu bekommen. So sind seit Kurzem e-Sammeltaxis der VW-Tochter Moia als Alternative zum eigenen Auto über virtuelle Haltestellen abrufbar. Nach dem Start mit 200 Fahrzeugen will man die Flotte auf 1000 Kleinbusse ausbauen. Außerdem sind bis zum Jahr 2019 mehr als 1100 Ladepunkte für e-Autos in Planung. Auch beim Ticketsystem für den ÖPNV geht man neue Wege - Check-in und Check-out mit automatischer Fahrpreisabbuchung sollen das Angebot attraktiver machen.

  • Madrid

In der spanischen Hauptstadt drängen sich drei Millionen Menschen, die Feinstaubbelastung ist hoch. Jetzt plant man den Rückbau von großen Zubringerachsen für Autos, um den Individualverkehr im Zentrum zu reduzieren. Weiterhin im Fokus ist der Ausbau des Busnetzes (Hybrid und e-Antriebe) und der Metro. Eine gezielte Verdrängung von Pkw-Pendlern erreicht man in Madrid bereits durch eine maximale Parkdauer von zwei Stunden innerhalb eines Viertels, die effizient kontrollierbar ist. Danach muss man sich außerhalb des Viertels einen neuen Platz suchen. 120 Ladestationen für e-Autos sollen ihren Strom teilweise aus der Bremsenergie der Metro beziehen.

  • Zürich

Die Schweizer lieben (immer schon) das Bahnfahren. Trotz hoher Preise haben viele Bürger in der Schweiz ein "Generalabonnement", das der Bahncard 100 vergleichbar ist. Für Zürich testet die Schweizerische Bundesbahn jetzt eine Luxusvariante, die SBB Green Class. Sie schließt neben der Nutzung aller Züge einen "Tür zu Tür"-Service ein, der über e-Bikes, e-Autos und Carsharing funktioniert. Bequemer geht es nicht.

  • Montreal

Das kanadische Montreal setzt bei seiner Mobilität der Zukunft vor allem auf Bikesharing-Angebote. Die Nutzer können dabei auf eine der größten Flotten weltweit mit 5200 Rädern zurückgreifen. Der Tagespass kostet 5 Dollar. Die App zur Nutzung des Service ist kostenlos.

  • Johannesburg

Im Rahmen des Eco Mobility World Festivals testete die südafrikanische Metropole Johannesburg einen kompletten autofreien Monat. Mit großem Erfolg - auch hier wurde der öffentliche Nahverkehr massiv aufgestockt, der Lieferverkehr gebündelt und auf e-Fahrzeuge umgesattelt, Sponsoren stellten e-Bikes, e-Roller und Fahrräder zur Verfügung. Und die Menschen? Feierten auf den leer gefegten Straßen die Rückeroberung ihrer Stadt.

Können Flugtaxis ein Teil der Problemlösung sein?

In den Niederlanden gibt es ein landesweites einheitliches Ticketsystem für den Nahverkehr.

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