Reaktion auf Landflucht: Mobilitätskonzept Mitfahrbank

Die Verschiebung der Altersstruktur und die zunehmende Landflucht sind in dünn besiedelten Regionen Grund dafür, dass kein tragfähiges Nahverkehrsangebot aufrechterhalten werden kann. Das macht erfinderisch: Mit dem Mobilitätskonzept der Mitfahrbank versuchen Kommunen, dem Problem entgegenzutreten.

In vielen ländlichen Regionen wird der Bevölkerungsrückgang für die Menschen zunehmend zum Problem. Hinzu kommt, dass es gerade die junge Generation in die Städte und deren Speckgürtel zieht, wo bessere Ausbildungsmöglichkeiten und interessante Jobangebote warten. Die ältere Generation bleibt oftmals auf dem Land zurück – was die Situation zusätzlich verschärft, wie unser Verkehrsexperte weiß: „Wenn aufgrund dieser Verschiebungen auf dem Land Schulen geschlossen werden, wird die Rückkehr von der Stadt auf das Land noch unattraktiver für junge Familien. Somit beginnt eine Abwärtsspirale.“

Letztlich müssen klassische Mobilitätsangebote – wie ein Linienbusbetrieb – eingestellt werden, weil die wirtschaftliche Tragfähigkeit fehlt. Eine der Hauptursachen: der wegbrechende Schülerverkehr. Er stellt oftmals das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs im ländlichen Raum dar. Reduziert sich die Zahl der Schüler stark, weil ländliche Räume nicht mehr attraktiv für junge Leute oder Familien sind, verschwindet langsam der öffentliche Verkehr. Darunter leiden die Verbliebenen: „Gerade ältere Menschen, die nicht mehr Auto fahren können oder wollen, müssen ohne eigenen Pkw zum Arzt kommen oder sich versorgen können“, erklärt unser Verkehrsexperte. Deshalb benötige man praktikable, flexible Lösungen, um die Mobilität auch in dünn besiedelten ländlichen Räumen zu sichern, in denen der demografische Wandel besonders spürbar ist.

Mitfahrbank im ländlichen Raum

Auf der Suche nach Lösungen sind deutsche Kommunen ziemlich innovativ. Mit der sogenannten Mitfahrbank findet derzeit ein sehr einfaches Konzept besonders viel Beachtung: Die Mitfahrbänke werden in ländlichen Gemeinden an zentralen Orten aufgestellt und entsprechend gekennzeichnet. Personen, die von A nach B möchten, können dort Platz nehmen und auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Bislang, so melden es die betroffenen Kommunen, wird das Angebot mal gut, mal weniger gut genutzt. Entscheidend für den Erfolg sind neben der Akzeptanz in der Bevölkerung sicherlich auch ein entsprechendes Informationsangebot und Marketing.

Massentauglich sei es jedenfalls nicht, ist sich unser Verkehrsexperte sicher: „Mitfahrbänke sind eine kostengünstige Ergänzung. Es besteht allerdings keine Mitnahmegarantie – Sie wissen nicht, wer Sie wann mitnimmt und ob Sie überhaupt mitgenommen werden.“ Deshalb ist das Angebot vor allem für ältere Menschen attraktiv, die zeitlich flexibler sind. Gerade im ländlichen Raum sieht unser Experte zudem die sozialen Voraussetzungen gegeben, damit ein solches nur mit geringen Kosten verbundenes Konzept aufgehen kann: „Auf dem Land bestehen oft andere Strukturen mit engeren Bindungen: Hier kennt man sich und nimmt sich mit. Das zeigen auch zwei Studien, die das IGES Institut im Auftrag des ADAC durchgeführt hat.“

Fazit: Die Mitfahrbank ist ein unkompliziertes und kostengünstiges Konzept, um in ländlichen Gebieten zumindest ein sehr einfaches Basisangebot an Mobilität zu sichern, das gut funktionieren kann, wenn man es sinnvoll publik macht.

Weitere Themen:

Auch mit Carsharing kann man der Mobilitätsnot auf dem Land begegnen. 

Den ADAC Standpunkt zum Thema "Mobilität im ländlichen Raum" findet ihr hier.

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11 Gedanken zu “Reaktion auf Landflucht: Mobilitätskonzept Mitfahrbank

  1. Busverkehr auf dem Land einstellen wegen Wirtschaftlichkeit??
    Wie machen die Schweizer das mit ihren Postbussen die in jede Ortschaft fahren??
    Sind die uns über?

  2. Ich finde das auch nicht zumutbar. Die meisten, die in ländlichen Gebieten Mitfahrbänkler mitnehmen KÖNNTEN sind Schläfer, die morgens zur Arbeit fahren und abends wieder zurück. Das passt nicht.
    Mit dem Bus muss aktuell von meinem Dorf nach Koblenz (nächste „Großstadt“) 8,20€ (einfache Fahrt) gezahlt werden! Wie sollen sich das alte Menschen mit geringer Rente leisten können?
    Mit meinem Diesel und dem eingeimpften schlechten Gewissen komme ich damit knapp 200km weit. Ich verstehe es echt nicht mehr, wie man mit dem vor den Wahlen so oft hoch verehrten Souverän umgeht… Es gibt offensichtlich Prozesse, die der Markt nicht regeln kann, da er lediglich Gewinne optimiert.

  3. Not macht erfinderisch – Alle Achtung hierbei den Verantwortlichen von den Geneinden, wo es keine Busverbindungen mehr gibt. Und was die Rentner-Mobilität betrifft, so haben sich die Gemeinden bei mir in Brasilien etwas Besonderes einfallen lassen. Einmal werden die Rentner überall bevorzugt bedient, erhalten besonders gekennzeichnete Parkplätze, falls sie mit dem eigenen Wagen anreisen und die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist für Rentner in vielen Städten und Gemeinden völlig kostenlos.

  4. Nachdem es in meinem Ortsteil ebenfalls keinen öffentlichen Busverkehr -bis auf Schulbus- gibt, ist das System der „Mitfahrbänke“ mit Sicherheit ein gutes Mittel, um so älteren Menschen, die nicht mehr selbst mobil sein können, eine Möglichkeit zu geben, die nächste Stadt, das nächste Dorf zu erreichen. In unserem Hauptort gibt es z.B. eine S-Bahnverbindung nach München, die u.U. so wieder mehr erreichbar wäre.

  5. Auch ich wohne im ländlichen Raum. Montag bis Freitag fahren die wenigen Busse, die außerhalb der Schulzeiten unterwegs sind, oft nur mit zwei oder drei Fahrgästen. Logisch, dass das nicht wirtschaftlich ist. Ich werde nie verstehen, warum man dann nicht kleine Busse fahren lässt, die ja auch deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen oder vielleicht sogar e-Modelle und diese dann vielleicht auch häufiger fahren. Denn nur dann wird das Angebot auch genutzt, wenn man gut vernetzt ist. Eine „Taktfrequenz“ von zwei Stunden und lediglich Anrufsammeltaxis am Wochenende mit schlechter Anbindug an weitere Verkehrsmittel in die nächstgrößere Stadt ist keine Mobilität. Das ist Beschäftigungstherapie für Bus- bzw. Taxifahrer.

  6. Aufgabe des ÖPNV ist eseineflächendeckende Mobilitätsgarantie anzu bieten, die sich jeder leisten kann.
    Die Kommunenund ihre Politiker scheinendas nicht zu begreifen, weil es nicht explizit im Gesetzbuch steht.
    Mitfahrerbänke sind ein Aprilscherz.

  7. Mitfahrerbänke, Bürgerbus – ist schon toll wie man sich auf dem Land gegenseitig unterstützen kann ohne auf die Hilfe der Kommunen und staatlichen Institutionen hoffen zu müssen, die sich dann das Ganze auch noch auf ihre Fahnen schreiben. Ich denke, dieser Zynismus sollte ein Ende finden! Aber Garantien gibt es keine. Demnächst auch nicht für unsere etablierten Parteien.

  8. Thema: Mitfahrbank in den Dörfern

    Die Haftungs-Versicherungsfrage bei Unfällen für die Mitfahrer ist nicht geklärt!!!!!!!!!!!!

    • Vollkommen richtig, dieser Einwurf…so gut ich die Idee mit den Mitfahrbänken auch finde. Wird auch hier im unteren Westerwald propagiert, also dort wo es faktisch keinen brauchbaren ÖPNV mehr gibt.

  9. Ich habe vor Tagen eine solche Mitfahrbank gesehen und mich über den Einfallsreichtum der Gemeinde im Kreis Gütersloh gefreut. Bei näherer Überlegung war ich dann aber skeptisch: Hinfahrt in den nächsten größeren Ort – ok. Wie ist es dann aber mit der Rückfahrt? In größeren Orten habe ich noch keine solche Bank gesehen. Ich wüsste auch nicht, wo ein geeigneter Standort sein sollte. Eine Bank an jedem Ortsausgang? Wohl kaum!

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