Jahresrückblick 2017: Trends der vernetzten Mobilität

Carsharing, autonomes Fahren, On-Demand-Mobilität und Drohnen: Wir schauen auf wichtige Ereignisse des Jahres 2017 in der vernetzten Mobilität zurück und blicken in die Zukunft.

Die Bedeutung einer vernetzten Mobilität geht weit über deren rein technische Möglichkeiten hinaus. Sie bestimmt unseren Alltag und umfasst ein weites Themenspektrum, das nicht nur von den Anbietern, sondern auch von uns Nutzern vor allem eines verlangt: Mut zu Offenheit und Veränderung. Genau das erkennen wir auch in unseren vier Trends der vernetzten Mobilität, über die wir 2017 im Blog berichtet haben.

Trend 1: Teilen statt Besitzen

Ridesharing
Ridesharing-Online-Plattformen und Apps verbinden Fahrgäste und Fahrer miteinander, um eine Fahrgemeinschaft zu bilden.

Wer braucht heute noch ein eigenes Auto? Diese Frage verstehen vor allem Bewohner ländlicher Gebiete schnell als Provokation. Denn was in urbanen Räumen in Zukunft eher die Regel als die Ausnahme sein wird, ist auf dem Land momentan noch ein prinzipiell ungelöstes Problem. Was hilft die Carsharing-Station, wenn ich sie ohne eigenes Auto gar nicht erreichen kann, weil der Bus dorthin nur zweimal am Tag fährt? Aber zum Carsharing auf dem Land gibt es durchaus individuelle und unbürokratische Lösungsansätze.

In den Städten ist Carsharing ja nicht nur eine nette Option, sondern vor dem Hintergrund der alltäglichen Probleme aus Stau, Parkraum und Umwelt ein Muss. Teilen statt Besitzen heißt das Zauberwort. Die Voraussetzung dafür sind neue und attraktive Mobilitätsdienste im Sharing-Bereich, nur dann wird der Besitz eines eigenen Verkehrsmittels immer unattraktiver und vor allem unzeitgemäß. Der Verzicht auf das eigene Auto kann für Mobilitätsanbieter und Kunden eine Win-Win-Situation herbeiführen. Dafür bedarf es allerdings eines neuen Verständnisses von Mobilität im Allgemeinen.

Wie es zum Beispiel moderne Wohn- und Mobilitätsprojekte bereits heute praktizieren. Auch wenn es die Automobilkonzerne nicht gerne hören: Die Zahl der benötigen Fahrzeuge wird in Zukunft drastisch abnehmen. Und wenn dann autonom fahrende Carsharing-Autos sich exakt dorthin bewegen, wo sie benötigt werden, wird dieser Effekt noch verstärkt.

Trend 2: Autonomes Fahren

Die 5 Stufen des automatisierten Fahrens
In fünf Stufen gibt der Fahrer Verantwortung an das Auto ab.

Technisch gab es 2017 keinen Durchbruch für das automatisierte Fahren. Im Parlament wurden jedoch wichtige Weichen gestellt. Im Mai 2017 stimmte der Bundesrat einer Änderung des Straßenverkehrsgesetzes zu, in dem es um hoch- und vollautomatisiertes Fahren geht. Damit wurde - wenn auch mit zahlreichen unbestimmten Rechtsbegriffen - ein grundlegender Rechtsrahmen geschaffen.

Die "Rückübernahme der Fahrzeugsteuerung durch den Fahrer ist nur dann vorgeschrieben, wenn das hoch- oder vollautomatisierte System ihn dazu auffordert oder wenn die Voraussetzungen für eine bestimmungsgemäße Verwendung der hoch- oder vollautomatisierten Fahrfunktionen nicht mehr vorliegen", wie das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur ankündigte.

Auch der Abschlussbericht der Ethikkommission "Automatisiertes und vernetztes Fahren" erschien 2017. Eine zentrale Erkenntnis daraus: Auch langfristig gibt es keinen Zwang zum automatisierten Fahren, das heißt, die Privatautonomie des Menschen darf nicht zu sehr eingeschränkt werden.

Auf den 5 Stufen des automatisierten Fahrens befinden wir uns aktuell auf Stufe 2. Hiermit ist das teilautomatisierte Fahren gemeint. Der Fahrer darf sich sehr weitreichend von Assistenzfunktionen unterstützen lassen, muss diese aber dauerhaft überwachen und bei Bedarf – und ohne Aufforderung – die Fahraufgabe wieder übernehmen. Eine erste Anwendung der Stufe 3, bei der das System selbstständig seine Grenzen erkennt und den Fahrer dann zur Übernahme auffordert, werden wir voraussichtlich 2018 erleben. Der neue Audi A8 ist mit einem Stauassistenten ausgestattet, der bis Tempo 60 nicht mehr überwacht werden muss. Bis zur Erteilung einer Ausnahmegenehmigung nach Art. 20 der Europäischen Typzulassungsrichtlinie ist die Funktion jedoch deaktiviert und nicht nutzbar.

Trend 3: On-Demand-Mobilität

autonomer Bus in Bad Birnbach
So sieht der autonome Bus in Bad Birnbach aus.

Der Bedarf an Mobilität wird immer individueller. Wenn ihr etwa ohne eigenen Pkw dringend zum Bahnhof müsst, ist dies in urbanen Räumen ein Kinder-, in ländlichen Regionen hingegen ein Geduldspiel. Hier setzt die sogenannte On-Demand-Mobilität an, die den Abschied von starren Fahrplänen und festen Routen einläutet und es euch etwa über eine App ermöglicht, einen persönlichen Abholservice anzufordern. Der dann zum Preis des öffentlichen Personenverkehrs (ÖPV) und nicht zu dem eines Taxis anrückt. In Zukunft macht sich dann vielleicht ein autonom fahrender Elektrobus auf den Weg und sammelt Fahrgäste mit ähnlichen Routen direkt vor der Haustür ein.

Ganz so weit waren wir 2017 noch nicht, aber die erste autonome Busstrecke Deutschlands startete im Oktober 2017 im niederbayerischen Bad Birnbach. Derartige Projekte zeigen, dass der Einsatz autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr keine Vision bleiben muss. Auch wenn damit in näherer Zukunft kaum zu rechnen sein wird. Aber die Verknüpfung von autonom fahrenden Fahrzeugen mit den Anforderungen des Kunden an dessen jeweils individuellen Mobilitätsfall wäre dann der oben angedeutete, entscheidende Schritt zu einer bedarfsgesteuerten Mobilität. Das Ziel: höchste Flexibilität für den Kunden. Bei gleichzeitiger Sicherheit im Verkehr.

Trend 4: Drohnen

Drohne
Die Anzahl der Drohnen nimmt stark zu. Eine Drohnen-Verordnung soll die Sicherheit am Himmel garantieren.

Auch am Himmel über Deutschland tut sich etwas. Mehr als 400.000 Drohnen sind 2017 unterwegs. Der Gesetzgeber hat reagiert und im April 2017 die Drohnen-Verordnung ins Leben gerufen, in der für Nutzer und Besitzer von Drohnen klare Verhältnisse geschaffen werden.

Dabei spielen private Drohnen kaum eine Rolle. Vor allem in den Feldern Luftverkehr (Wartung von Flugzeugen, Kontrollen von Startbahnen), Landwirtschaft (präzise Bewirtschaftung), Energie (Überprüfung von Energieeinrichtungen), Logistik (Auslieferungen) und Bauwirtschaft (Datenerfassung) werden Drohneneinsätze in Zukunft ungeahnte Möglichkeiten bieten.

Aber auch im Verkehrsmanagement oder im Rettungswesen können Drohnen sinnvoll eingesetzt werden. 2014 flog der Postanbieter DHL erstmals mit einer Drohne eilige Arzneimittel auf die schwer erreichbare Nordseeinsel Juist. Entscheidende Ausweitungen im Flugverkehr wird es in Deutschland allerdings erst dann geben, wenn das Sichtfluggebot fällt. In Dubai ist man weiter. Dort startete im Oktober 2017 der Volocopter, eine Drohne als Lufttaxi. Gebaut von deutschen Entwicklern.

Hier lesen Jahresrückblicks-Quiz: Mobilität im Jahr 2017

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