Urteil: Was zählt als illegales Autorennen?

Welcher Wagen hat die bessere Beschleunigung? Das testeten zwei Fahrer in Berlin aus. Ist das schon ein illegales Rennen?

Seit Ende Juni 2017 sind illegale Autorennen keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat. Der Bundestag hat nach einer Reihe illegaler Rennen, bei denen Unbeteiligte gestorben waren, härtere Strafen gegen Raser beschlossen. Dies traf auch zwei Audi-Fahrer, die im Berliner Straßenverkehr das “Beschleunigungspotenzial” ihrer Fahrzeuge verglichen. Die Kernfrage für das Gericht lautete: Zählt das schon als illegales Rennen?

Berlin, Straße des 17. Juni: Zwei Audi A8 standen in Startaufstellung nebeneinander an der Ampel. Es wurde grün. Die Fahrzeuge fuhren gleichzeitig mit aufheulendem Motor und durchdrehenden Reifen los, um zu testen, welches Auto über das größere Beschleunigungspotenzial verfügt. Der Fahrer des neueren Modells gewann. Beide Fahrer nahmen erst mal das “Gas weg”. Im Anschluss gaben sie erneut nebeneinander wieder Vollgas und rasten mit 90 km/h durch die Stadt. Die Polizei nahm die Verfolgung auf.

Die Geschwindigkeit ist egal

Die Polizeibeamten verhängten vor Ort gegen die Fahrer ein Bußgeld wegen eines “Rennens mit einem Kraftfahrzeug” (§ 29 I StVO). Das sahen die Audi-Fahrer ganz anders. Sie argumentierten: Die Fahrt sei überhaupt kein Rennen gewesen. Und weiter: Bei einem Rennen müsse nach dem Zurücklegen einer bestimmten Strecke unter Höchstgeschwindigkeit ein Sieger ermittelt werden. Hier sei der unterlegene Fahrer nach Abschluss der Beschleunigungsphase wieder vom Gas gegangen. Deshalb handele es sich keinesfalls um ein Rennen? Da die Behörde auf die Zahlung des Bußgeldes bestand, landete der Fall vor dem Kammergericht (KG) Berlin.

Die Entscheidung der Richter war eindeutig: Ein Rennen erfordert nicht die Erzielung von absoluten Höchstgeschwindigkeiten. Es reicht vielmehr aus, dass die Fahrer das Beschleunigungspotenzial, also die Leistungskraft ihrer Fahrzeuge, direkt vergleichen. Ganz egal, wie kurz die Strecke ist. Die Raserei auf der Straße des 17. Juni in Berlin war somit ein illegales Rennen. Die Audi-Fahrer mussten zahlen.

Urteil: KG Berlin, Beschluss vom 7.6.2017, Az.: 3 Ws (B) 117-118/17-122 SS 64/17

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3 Kommentare

  1. H, Rath sagt:

    Sehr gute Entscheidung der Richter !
    Ich erlebe es fast täglich an Ampeln : der Gasfuß ist so nervös, der kanns gar nicht erwarten zur nächsten Ampel zu kommen — die natürlich wieder rot zeigt. Doch da ist der nicht alleine, nein, der nebendran heizt munter mit – ergo : Rennen !
    Hier sollte der Gesetzgeber schön viel härter durchgreifen.
    Mein Vorschlag : bei sogen. “Rennen” (wie oben beschreiben) ab 1000,- € aufwärts …… bis zum Führerscheinentzug, evtl. sogar auf Dauer. Kommt natürlich auf die Situation drauf an.
    Doch sollten hier die Gerichte einfach mehr Spielraum nach oben haben !!

  2. Anonymous sagt:

    Völlig richtig so! Diesen Idioten gehört den Führerschein für längere Zeit entzogen. Später auf den jeden Fall Idiotentest. Es gibt echt zu viele Spinner auf der Straße!

  3. Manfred sagt:

    Da besteht ja die Gefahr das man bei einem etwas schnelleren Start von der Ampel des illegalen Rennens bezichtigt wird.
    Das kann seltsame Blüten hervorbringen, wenn man da nicht aufpasst…

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