Flugtaxi - Vision oder Wirklichkeit?

Wer in Deutschland gegenwärtig das Wort "Flugtaxi" in den Mund nimmt, riskiert, als visionärer Spinner belächelt zu werden. Aber sind Flugtaxis wirklich noch Zukunftsvision oder schon Realität?

Die Zukunft der Mobilität ist dreidimensional, schenkt man den Worten von VW-Chef Matthias Müller Glauben. Auf dem Genfer Autosalon 2018 propagierte er: "Das Auto erobert die Luft." Zahlreiche Global Player arbeiten mit Hochdruck an Lösungen für den Sprung in die dritte Dimension.

Ganz gleich, ob es sich bei Flugtaxis nun um fliegende Autos, Drohnen, Copter, Kleinstflugzeuge oder um Kreuzungen aus diesen Techniken handelt - das Marktpotenzial für autonome Fluggeräte in der Transportbranche ist gewaltig. Das Beratungsunternehmen PwC beziffert es bis 2020 mit rund 13 Milliarden US-Dollar. Nicht nur Automobilunternehmen investieren daher massiv in die Entwicklung zukunftsfähiger Technologien.

Welche Flugtaxi-Modelle gibt es?

Auffällig ist, dass sich zurzeit viele Player mit technisch sehr unterschiedlichen Ansätzen auf dem Markt tummeln. Dies sei vorteilhaft für eine rasante Entwicklung, sagt Verkehrsexperte Professor Stefan Bratzel, denn nur so werde "Innovationskraft freigesetzt. Der eine lernt vom anderen". Wir stellen einige vielversprechende Ansätze vor, bei denen auch deutsche Unternehmen eine Pionierrolle bei der Entwicklung von Flugtaxis einnehmen.

Uber

Der US-amerikanische Vermittler von Personenbeförderungsdiensten will 2020 "airborn" sein. Dann sollen in Dallas, Los Angeles und Dubai erste autonome Flugtaxis im Testeinsatz sein. Dabei setzt Uber auf eine enge Kooperation mit der NASA und Bell. "In den nächsten zehn Jahren wird es Menschen geben, die um Dallas herumfliegen", kündigte Uber-CEO Dara Khosrowshahi im März 2018 an.

Airbus

Rein elektrisch ist das Flugtaxi Vahana unterwegs, wie Airbus seinen einsitzigen Octocopter nach den Reittieren hinduistischer Gottheiten getauft hat. Neben Vahana arbeitet Airbus auch am Flugtaxi "City Airbus", das Ende 2018 zu ersten Tests abheben soll. Kooperationspartner ist Siemens. Als Zielgebiet für beide Modelle sieht man vor allem urbane Räume.

Lilium Aviation

In Deutschland arbeitet das Start-up Lilium an einem Elektroflugzeug für fünf Personen. Im Mai 2017 absolvierte ein zweisitziger Prototyp erfolgreiche Testflüge in der Nähe von München. 36 schwenkbare Propeller erlauben das senkrechte Abheben und Landen. 300 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h will man erreichen. Investoren haben bislang 100 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt.

Volocopter

Das Start-up Volocopter aus Karlsruhe hat in der jüngsten Finanzierungsrunde 25 Millionen Euro Investitionen u. a. von Daimler eingesammelt. Die vor allem in die Weiterentwicklung des Volocopters fließen sollen, ein elektrisch betriebenes, mit 18 fest verbauten Rotoren ausgerüstetes, senkrecht startendes und landendes Fluggerät. Im September 2017 absolvierte ein Prototyp erste Flüge in Dubai. Das Emirat will Passagierdrohnen auf lange Sicht als öffentliche Verkehrsmittel einsetzen und bis 2030 ein Viertel seines Verkehrs auf autonomen Transport umgestellt haben. Hier hat Volocopter gute Karten.

Kitty Hawk

Auch Google-Mitgründer Larry Page möchte in die Luft gehen. Das von ihm finanzierte Unternehmen Kitty Hawk hat im März 2018 in Neuseeland ein autonom fliegendes Flugtaxi namens Cora vorgestellt. Cora kann senkrecht starten und landen, fliegt aber ansonsten wie ein Flugzeug. CEO ist der Deutsche Sebastian Thrun, der schon für Alphabet das Projekt Autonomes Fahren leitete.

Flugtaxis - was sagen die Menschen?

Zahlreiche Menschen begegnen Flugtaxis mit gehörigen Vorbehalten. Laut der internationalen Studie "Zukunft des Reisens" von Travelzoo und ITB wären 73 Prozent der Befragten "sehr oder zumindest ein wenig besorgt", in einem solchen Flugobjekt Platz zu nehmen. Besonders die Deutschen sind skeptisch, was solche Transportsysteme angeht. Viele sind zwar der Meinung, die neuen Systeme könnten den Straßenverkehr entlasten und das Reisen ökologischer machen. Doch  77 Prozent befürchten, dass futuristische Reisemöglichkeiten ein Luxus sein werden, den sich nicht jedermann wird leisten können.

Mit Material von dpa

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5 Gedanken zu “Flugtaxi – Vision oder Wirklichkeit?

  1. „Aber sind Flugtaxis wirklich noch Zukunftsvision oder schon Realität?“ Die Antwort auf diese Frage vermisse ich ein wenig in diesem Artikel. Er listet eher diejenigen auf, die sich mit dem Thema beschäftigen. In einem anderen Artikel zu den Lufttaxis von Volocopter heißt es:

    „Das Start-up glaubt, dass dieses Angebot im Kostenbereich von normalen Limousinentransporten umsetzbar ist. Demnach versucht das Unternehmen, eine relativ große Zielgruppe anzusprechen.“

    Glaubt man diesen Worten, wäre das zum Beispiel mal ein Hinweis darauf, dass sich das Konzept in der Realität umsetzen lässt…

  2. Die Umsetzung halte ich für die nächsten Jahrzehnte absurd. Helikopter in begrenztem Umfang ist möglich und wird ja schon in vielen Metropolen eingesetzt. Für Ottonomalverbraucher eher ein Wunschtraum: Fliegen in der dritten Dimension ist komplex und dann noch die Kosten. Das sage ich als Vekehrsflugzeugführer.

  3. Neben allen Sicherheitsedenken (in Ballungsräumen sind auch Verkehrsflughäfen) fällt mit ein anderer Schwachpunkt ein. Bei einem breiten, bezahlbaren Angebot ist zu erwarten, dass sich das erdgebundene Transportangebot ausdünnt. Fatal könnte sich das bei Schlechtwetter auswirken. Bei kritischen Landungen schaltet der Pilot frühzeitig den Autopilot aus und nimmt das Gerät in die Hand, weil es viel Gefühl und Erfahrung braucht, um den Vogel sicher auf die Erde zu bringen. Ob das beim autonomen Fliegen anders gelöst werden kann, bezweifle ich. Als ehemaliger Pilot weiß ich etwas von nassen Handflächen nach der Landung

  4. Eines der ersten Modelle fehlt in dieser Aufzählung: der Skycar vom Moller International. Wegen Finanzierungsschwierigkeiten (auch als Folge der Bankenkrise) und Fehlberatungen beim Zulassungsantrag hat zwar noch kein ungebundener Erstflug stattgefunden, aber immherhin hat ein Skycar schon angeleint abgehoben. Näheres unter http://www.moller.com.

  5. Reine Spekulation und verfrühte Zukunftsmusik. Die Politik an Beispiel Berlin ist ja noch nicht mal in der Lage einen zweiten Flughafen wie den immens wichtigen Flughafen Tegel als Luftverkehrsstandort weiter zu betreiben, in dem fatalen Glauben, dass ein Flughafen mit Unterkapazitäten wie den nie fertig werdenen Flughafen BER ausreicht. Wie soll denn dann jemals ein individuales Fliegen in oder um Berlin möglich werden.

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