Das E-Ticket für ganz Deutschland – eine Vision?

Das E-Ticket Deutschland könnte den Öffentlichen Personenverkehr stark vereinfachen und attraktiver machen.

Obwohl die Kerntechnologie bereits vorliegt, ist das deutschlandweit gültige E-Ticket auch 2017 noch eine Vision. Denn die Strukturen des öffentlichen Personenverkehrs (ÖPV) sind kompliziert. Dennoch nimmt das Ticket langsam, aber sicher Gestalt an. 

Unsere repräsentative Umfrage zur Mobilität brachte es ans Licht: 67 Prozent der Befragten würden die Einführung eines deutschlandweit einheitlichen Ticketsystems für den öffentlichen Nahverkehr begrüßen. Aber der große Wurf für das deutschlandweite E-Ticket ist bisher noch nicht gelungen.

Einer der Hauptgründe hierfür liegt in den regionalisierten Strukturen des ÖPV. Der föderale Aufbau Deutschlands sorgt dafür, dass heute mehr als 500 Verkehrsunternehmen ihre Kunden von A nach B transportieren. Denen möchten die regionalen Anbieter vor allem eigene Lösungen anbieten – meist per App. Weil die große Lösung noch auf sich warten lässt.

Eine Roadmap liegt vor

Das E-Ticket in Deutschland in seinen verschiedenen Ausbaustufen (Stand: 2015).

Das Kernproblem bei dieser großen Lösung: Wie lassen sich die Grenzen von Verkehrsverbünden technisch überbrücken? Denn nahezu jeder Verbund hat seinen eigenen Fahrplan und seine eigenen Fahrkarten. Der Fahrgast wünscht sich für den ÖPV aber vor allem eines: Einfachheit. Die will das Bundesverkehrsministerium jetzt mit einer “Initiative zur digitalen Vernetzung des ÖPV” massiv vorantreiben.

Dazu legte das Ministerium im August 2016 eine “Roadmap” vor, die gemeinsam mit Vertretern der Länder und Kommunen, von Verkehrsunternehmen und -verbünden, der Industrie sowie von Verbraucherverbänden erarbeitet wurde. Ziel der Initiative ist ein E-Ticket, mit dem der Fahrgast in allen Verkehrsverbünden Deutschlands unterwegs sein kann. Dafür stehen in den Jahren 2016 bis 2018 insgesamt 16 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung.

 

Was ist ein E-Ticket?

Hinter dem Begriff verbirgt sich eine elektronische Fahrkarte, die der Fahrgast auf unterschiedlichen Nutzermedien speichern kann – etwa auf einer Chipkarte oder einem Smartphone. Der Vorteil eines Chips? Er kann nicht nur gelesen, sondern auch beschrieben werden. Somit ist es möglich, zusätzliche Leistungen wie etwa Car- oder Bikesharing zuzubuchen. Chips sind außerdem kopiergeschützt und können bei Kontrollen direkt auf ihre Gültigkeit überprüft werden.

Das E-Ticket muss eine zentrale Anforderung erfüllen – es muss interoperabel sein, also auch die technischen Barrieren unterschiedlicher Anbieter überwinden. Ansonsten bleiben deutschlandweite Reisen mit dem E-Ticket eine Vision. Interoperabilität ist nur dann gewährleistet, wenn der Kauf und die Nutzung eines Tickets unabhängig vom Ort überall gleich funktionieren.

Das E-Ticket Deutschland

Im Jahr 2005 führte die Saarbahn als erster Verbund das (((eTicket Deutschland ein. Man kann es als kontaktlose Chipkarte mit Nahfeldkommunikation (NFC) nutzen oder auf dem Smartphone – ebenfalls über NFC oder aber über Barcodes. Das Ticket basiert technisch auf der VDV-Kernapplikation, eine bereits eingeführte Lösung für das elektronische Fahrgeldmanagement. Mehr als 350 Verkehrsunternehmen nehmen mittlerweile am (((eTicket Deutschland teil. Bisher wurden mehr als 14 Millionen Chipkarten ausgegeben.

Wie es funktioniert

Grundsätzlich gibt es zwei Bezahlmöglichkeiten für das elektronische Ticket: Prepaid und Postpaid. Beim Prepaid lädt man an einem Terminal ein Guthaben auf die Karte. Dieser Vorgang kann auch automatisch erfolgen, sobald ein Mindestbetrag unterschritten wird. Beim Postpaid werden die in einem bestimmten Zeitraum angefallenen Gebühren nachträglich eingezogen.

Das (((eTicket ist in verschiedenen Ausbaustufen erhältlich:

  • Elektronischer Fahrschein

Man wählt das gewünschte Ticket oder auch Abo am Terminal und speichert es auf dem gewünschten Medium (Chipkarte oder Smartphone).

  • Check-in/Check-out

Man wählt kein Ticket, sondern der Fahrpreis errechnet sich automatisch – durch den Check-in des Fahrgastes bei Fahrbeginn und den Check-out bei Fahrtende. Dabei wird das (((eTicket einfach vor die Terminals gehalten. Komplizierte Tarifdschungel sind passé.

  • Be-in/Be-out

Hier erfolgt sogar das Ein- und Auschecken automatisch, wenn man das Fahrzeug einfach betritt und nach Fahrtende wieder verlässt. Die Chipkarte oder das Smartphone müssen nicht mehr an die Terminals gehalten werden.

Was das E-Ticket sonst noch kann

Der Schutz der persönlichen Daten spielt vor allem für den Fahrgast einen entscheidende Rolle. Das (((eTicket Deutschland basiert auf den jeweils aktuellen Richtlinien zum Datenschutz. In weiteren Ausbaustufen kann der elektronische Fahrschein auch in vielen anderen Bereichen eingesetzt werden, bei jeder Form von Bus und Bahn, für den Schiffverkehr, aber auch für Leihfahrräder, Carsharing, in der Uni-Mensa oder Bibliothek. Multimodal heißt das Zauberwort.

ÖPNV, Carsharing & Co.: Lest hier, wie man in Stuttgart alles mit der polygoCard managen kann.

ICE-Schnellstrecke München-Berlin: Wer hat die Nase vorn? Flugzeug oder Bahn? Und was kann der Fernbus?


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.