Autopanne mit Kleinkind

Eine Autopanne mit Kleinkind an Bord ist eine besondere Situation, die besonderes Vorgehen erfordert. Nicht alles, was im normalen Pannenfall gilt, kann hier eins zu eins umgesetzt werden und kann im Gegenteil sogar gefährlich werden. Ein Gastbeitrag von Katja von naehfrosch.de.

Für eine längere Autofahrt gehört für mich seit Kurzem noch mehr Vorbereitung dazu. Ich achte darauf, dass mein Handy vollgeladen ist, dass ich im Winter eine Decke und im Sommer einen Sonnenhut für die Kinder dabei habe. Die Warnweste liegt griffbereit in der Seitentür. Und das alles hat einen Grund.

Ich bin neulich nämlich mit dem Auto liegen geblieben, mein Kleinster mit dabei. Selbstverständlich an der denkbar ungünstigsten Stelle: auf dem Beschleunigungsstreifen.

Das Armaturenbrett leuchtete hell wie der Baum an Heiligabend, als das Auto immer langsamer wurde. Ich lenkte es so weit nach rechts wie es ging, mitten auf dem Beschleunigungsstreifen einer Schnellstraße war dann Schluss. Meine erste Reaktion: Nichts wie raus aus dem Auto und ab hinter die Leitplanke! Ich klaubte also schnell meine Handtasche mit dem Handy vom Beifahrersitz, prüfte, ob der Warnblinker an war und stieg vorsichtig aus. Während neben mir die Laster vorbeidonnerten, holte ich den Kleinen aus dem Sitz, mit seiner Winterjacke, die er vorschriftsgemäß nicht trug. Und dann ab hinter die Leitplanke!

Lebensbedrohliche Situation

Tja nun. Kennen Sie diese Leitplanken, die noch so eine extra sichere Erhöhung drauf haben? Schon mal versucht mit einem Kleinkind auf dem Arm und einer Wickeltasche in der Hand drüber zu klettern? Elegant geht anders, aber wir waren erst mal in Sicherheit.

Wir schon, aber das Auto?! Natürlich kam mir in den Sinn, die Pannenstelle abzusichern. Doch das Warndreieck lag mit der Warnweste im Kofferraum. Verstaut in der Klappe, auf der der Kinderwagen lag.

Ich entschied mich für unsere Sicherheit und blieb mit meinem kleinen Kerl hinter der Leitplanke, so weit an der Böschung, wie ich mich traute, und machte zwei Telefonate.
Nr. 1: Schwägerin, die in der Nähe wohnt und einen Kindersitz hatte, sollte meinen Sohn dringend hier abholen.
Nr. 2: ADAC, ich brauche einen Gelben Engel!

Im Nachhinein erfuhr ich, dass ich noch einen weiteren Anruf hätte tätigen können:
Nr. 3: Polizei bitte helft mir beim Absichern der Pannenstelle, ich stehe nämlich sehr blöd! Doch dazu später mehr. Da ich ein Kleinkind dabei hatte, ganz ungünstig auf dem Beschleunigungsstreifen stand und nicht absichern konnte, stufte die Dame am ADAC Telefon meine Panne als „lebensbedrohlich“ ein und versprach, dass bald Hilfe kommen würde.

Die Schwägerin war als Erste da und sicherte erst mal die Stelle mit ihrem Warndreieck. Danach setzten wir den Kleinen in den Kindersitz, und die beiden fuhren davon. Da darf einer Mutter schon mal ein Stein vom Herzen fallen, wenn das Kind in Sicherheit ist. Ich wartete auf den ADAC. Es ist übrigens ein ganz tolles Gefühl, wenn man in einer doofen Lage steckt und dann kommt dieses gelbe Auto angefahren!

Im Schneckentempo schleppte mich der gelbe Engel vom Beschleunigungsstreifen über den Standstreifen auf einen nahen Parkplatz. Motorhaube auf, aha, Marderbiss. Kabel schnell repariert, alles klar. So konnte ich dann mit dem Auto selbst weiterfahren und meinen Sohn wieder zu Hause in Empfang nehmen.

Im Nachhinein habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich mich richtig verhalten habe oder was ich hätte besser machen können. Deshalb gibt es hier nun eine Reihe von Tipps speziell für Eltern und alle, die mit kleinen Kindern unterwegs sind.

Tipps für eine Autopanne mit Baby oder Kleinkind

Vorbereitung:

  • Handy-Akku aufladen
  • ADAC Clubkarte einstecken
  • Warnweste und Warndreieck griffbereit verstauen, z.B. im Handschuhfach, unter dem Sitz oder in den Seiten der Türen.
  • Fahrzeugschein griffbereit haben
  • Jacke/Decke oder Sonnenhut griffbereit haben
  • Wickeltasche mit dem Nötigsten (Fläschchen, Windel) griffbereit verstauen

Im Pannenfall:

  • Sofort Warnblinker anschalten
  • So sicher wie möglich stehen bleiben (Pannenbucht, Seitenstreifen, so weit rechts wie möglich)
  • Warnweste anziehen
  • Sofort raus aus dem Auto und hinter die Leitplanke! Am besten auf der dem Verkehr abgewandten Seite aussteigen. Es ist lebensgefährlich im Auto sitzen zu bleiben!
  • Wenn es die Sicherheit des Kindes zulässt, Unfallstelle absichern: Dazu mit dem Warndreieck hinter der Leitplanke entgegen der Fahrtrichtung laufen (etwa 50 bis 150 Schritte)
  • Beim Sichern nicht mit Kind auf der Fahrbahn herumlaufen! Hinter der Leitplanke in Sicherheit bleiben!
  • Ggf. Polizei zum Sichern rufen.
  • ADAC anrufen
  • Kind wenn möglich abholen lassen, um die Situation zu entschärfen

Anruf beim ADAC Pannendienst: Mobil Tel. 22 22 22

  • Wo befinde ich mich? (z.B. nach Auffahrt xy in Richtung abc)
  • Ist es eine besonders gefährliche Stelle? (z.B. das Auto ist unbeleuchtet, hinter einer Kuppe oder Kurve, auf einem Beschleunigungsstreifen, es herrscht schlechte Sicht, etc.)
  • Wer ist dabei? Wenn ein kleines Kind dabei ist, wird höher priorisiert.
  • Was ist eigentlich passiert? (Motor aus, Benzin leer, Scheibe gerissen, etc.)
  • Um welches Automodell handelt es sich? (1. damit der Engel es auch findet und 2. damit schon klar ist, ob es so abgeschleppt werden kann oder größere Maschinerie gebraucht wird)
  • ADAC Mitgliedsnummer durchgeben.
  • Alternativ auch Pannenmeldung über die ADAC Pannenhilfe App mit Ortungsfunktion

Kann ich die Polizei zum Sichern rufen? Tel. 110

Prinzipiell ist jeder Autofahrer selbst für die Absicherung verantwortlich. Die Polizei könnt ihr rufen, wenn ihr nicht selbst absichern könnt.

 

Die Autorin

Hallo, mein Name ist Katja, ich bin Anfang 30, diplomierte Mathematikerin, verheiratet und Mama von 2 kleinen Kindern (viereinhalb Jahre und eineinhalb Jahre). Ich betreibe einen Eltern-Blog auf www.naehfrosch.de, auf dem ich über unser turbulentes Leben, das Reisen mit kleinen Kindern und über mein Hobby, das Nähen, schreibe. Das turbulente Leben hat neulich so richtig zugeschlagen und meine Erfahrung bei einer Panne mit Kleinkind an Bord möchte ich gerne mit euch hier teilen.

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