Erdgas: Eine saubere Alternative zum Diesel?

Eine saubere Dieselalternative wird oft vergessen: Erdgas. Doch sind die Autos auch praxistauglich? Wir haben den Dauertest gemacht.

Autor Jochen Wieler stellte fest: Erdgas zapfen ist einfach - und günstig: Ein voller Tank kostet etwa 16 Euro.
Autor Jochen Wieler stellte fest: Erdgas zapfen ist einfach - und günstig: Ein voller Tank kostet etwa 16 Euro.

Wer vom Diesel die Nase voll hat, sucht derzeit händeringend nach Alternativen. Elektroautos kommen für viele nach wie vor nicht infrage, denn Kosten und Reichweite fallen noch immer nicht zufriedenstellend aus. Das ist bei Erdgasautos anders: Die Technik hat sich so entwickelt, dass es kaum Einschränkungen gibt. Dieses Fazit konnte die Motorwelt-Redaktion nach einem Jahr und gut 50.000 Kilometern mit einem Skoda Octavia G-Tec im Dauertest ziehen. Mit 110 PS ist der Kombi zwar nicht allzu üppig, doch im Alltag ausreichend flott motorisiert - immerhin schafft er 193 Stundenkilometer Spitze.

Günstiges Erdgas dank Steuerbegünstigung

Erdgasfahrern ist ein niedriger Verbrauch ohnehin wichtiger. Der lag - bei zügiger Fahrweise und vielen Autobahnkilometern - beim Dauertest im Schnitt bei 4,2 Kilogramm Erdgas (CNG) auf 100 Kilometer (nicht zu verwechseln mit Autogas LPG). 100 Kilometer kosten so gerade einmal 4,40 Euro. Das schafft nicht einmal der Diesel-Octavia, dessen Kostenbilanz auch insgesamt schlechter ist. Bis mindestens 2026 bleibt das auch so: Bis dahin ist Erdgas als Kraftstoff steuerbegünstigt.

Auch aus ökologischer Sicht hat ein Erdgasauto Vorteile. Im Vergleich zum Benziner sinkt der CO2-Ausstoß um rund 20, zum Diesel um 10 Prozent. Mit Biogas, das viele Stadtwerke einspeisen, ist die Bilanz noch grüner. Auch bei allen anderen Schadstoffen steht CNG gut da: Ein Feinstaub- oder Stickstoffoxid-Problem gibt es nicht. Volle fünf Sterne im ADAC EcoTest!

Ein Auto mit Erdgasantrieb lohnt sich finanziell.
Ein Auto mit Erdgasantrieb lohnt sich finanziell.

 

Benzin als Reserve

Für Dieselumsteiger wäre Erdgas also sinnvoll. Vorausgesetzt, man kann tanken. Zwar gibt es bundesweit 900 Tankstellen, aber immer noch viele weiße Flecken auf der Landkarte. Das ändert sich: Bis 2025 sind 2000 Anlaufstellen geplant.

Im Dauertest hatten wir bei 350 Kilometern CNG-Reichweite keine großen Umstände bei der Tankstellensuche. Ideal: Der Octavia hat noch 50 Liter Benzin dabei. Geht das Gas aus, fährt er mit Benzin. Oft war das nicht nötig: Auf gut 50.000 Kilometern mussten wir nur sieben Tanks, als 352 Liter Benzin zapfen - und 2134 Kilo Erdgas. Mit reinem Öko-Gewissen.

 

 

 

Alle Erdgasmodelle im Überblick:

AudiA3, A4, A5
FiatPanda, Punto, Qubo, Fiorino, Doblo, 500L, Ducato
MercedesB-Klasse, Sprinter
OpelCombo, Zafira
SeatMii, Ibiza (Ende 2017), Leon
SkodaCitigo, Octavia
VWUp, Polo (2018), Golf, Caddy

 

Text: Jochen Wieler

2535 Kilometer im Brennstoffzellenauto mit E-Motor: Unser Autor wagte das Abenteuer mit oft leerem Tank. Zumutung oder Zukunfts-Technologie?

Wie umweltfreundlich ist euer (Wunsch-)Auto? Das testen wir realitätsnah im ADAC EcoTest.

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13 Gedanken zu “Erdgas: Eine saubere Alternative zum Diesel?

  1. Interessanter Artikel. Ich persönlich sehe ja in AdBlue eine gute Lösung, um eine Reduktion der Stickoxide zu erreichen. Das hier ist zum Beispiel ein ganz interessanter Artikel dazu. Warum das nicht allgemein noch viel mehr thematisiert wird, verstehe ich nicht so ganz. Jemand hier, der sich auskennt? Grüßle, Helmut

  2. Aus wirtschaftlicher Sicht mag der Umstieg auf Erdgas für Vielfahrer sinnvoll sein. Als umweltfreundlich sollte Erdgas aber nun wirklich nicht angepriesen werden. Immerhin entsteht bei der Verbrennung Methan, das ein wesentlich höheres Treibhauspotential hat, als Kohlenstoffdioxid.

    Da Abgas- und Steuerregelungen stark auf CO2 fixiert sind, wird dieser Aspekt viel zu häufig nicht erwähnt.

  3. Erdgas ist – kurzfristig – sicherlich eine Alternative. Allerdings fehlt bislang ein verlässliches, flächendeckendes Tankstellennetz. Und die Reichweite? Ich möchte eben auch mal mehr als 500 km „sicher“ fahren können. Wie macht man das? Und die Anschaffungskosten eines entsprechenden PKW sollten sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen!

  4. Meiner Meinung nach gibt es viel zu wenig Werbung für Erdgasautos. Diesel und Benziner kommen in der Werbung leider viel häufiger vor…

  5. Die Kombination Erdgas & Benzin ist interessant.
    Noch interessanter ist die Kombination Wasserstoff & Benzin. BMW hat vor Jahren den 7-bener in dieser Kombination angeboten. Leider ist diese Kombination damals nicht beachtet worden. Meiner Ansicht ist diese Technologie der Kombination Elektro und Hybrid vorzuziehen.

    Die Elektroprobleme:

    1. Reichweite zu gering für ähnliches Nutzungsprofil wie Verbrennungsmotoren
    2. Ladestation- Verfügbarkeit bei Auslandsfahrten
    3. Netzbelastung bei der augenblicklich verfolgten Elektrostrategie.Schon jetzt mahnt die ENBW, dass die heutigen Netze diese
    Belastung nicht verkraften würden.
    4. Ladezeiten der Batterie

    Vorteile der Wasserstoff Benzin Strategie.

    1. Weltweite Fahrbereitschaft durch wahlweise Nutzung von Wasserstoff oder Benzin.
    2. Gleitender Übergang von Sprit auf Wasserstoff als Energieträger
    3. Keine technologische Entwicklungsabhängigkeiten ( keine Batterie-Entwicklung)
    4. Keine Störung des Arbeitsmarktes ( der Verbrennungsmotor gilt weiter )

    Ich habe mich schon lange gewundert, dass keine diesbezügliche Gespräche von Seiten des ADAC“ mit BMW bei so räumlicher Nähe gesucht wurden.

    Mit freundlichen Grüßen

    A. Gungl, Dipl. Ing.
    2. Keine Reichweitenprobleme

  6. Endlich mal wieder ein Artikel über den Erdgasantrieb! Ich fahre seit fast 20 Jahren Ergaswagen, zuerst einen umgebauten Citroen Xanti und seit 2009 einen VW Passat. Meine Frau Hat seit 2013 einen Up und meine Tochter seit 2012 einen Fiat. Wir alle sind begeistert von den niedrigen Kraftstoffkosten und der sauberen Verbrennung, die sich auch auf die Lebensdauer der PKW auswirkt. Zu den Gesamtkosten ist noch anzumerken, dass ein Vorteil vom ADAC vergessen wurde: Die KFZ-Steuer beträgt für den Passat nur 25 €/Jahr, für die beiden anderen noch weniger.

  7. die Erdgas Fahrer werden abgezockt,
    da werden die Preise hochgeschraubt
    weil der Erdgas preis am Öl preis hängt soll….
    nur runder geht der Preiss nicht (was denn nun?)
    die Steuer ist nicht so hoch für Erdgas!
    Das Gas kommt durch Leitungen!
    Kein LKW kein Fahrer kein tank!
    Und wen man die Preise vergleichen tut in Deutschland
    Hat man 20 Cent unterschied!
    Ach ja der TÜV ist auch noch mal teurer!
    Und wen wieder so ein ars.. sein Auto hochgehen lest,
    muss man erst wieder bitte bitte sagen dass man tanken darf………..

  8. Warum verliert man kein Wort über LPG Gas, das ist kostengünstiger, man muss auch nicht alle 10 Jahre den Tank wechseln und man kann überall tanken. Das Nachrüsten kostet max. 2500 € (für 4 Zylinder, die Laufleistung ist sehr gut. Warum soll man so etwas nicht nutzen. Fahrleistung beim Fiat Panda 260000 KM

  9. Da dzt. das E-Auto noch immer nicht alltagstauglich ist und aus der heutigen Sicht noch viele Jahre der Entwicklung bedarf (insbesondere die Entwicklung eines kostengünstigen, kleinen Speichersystems mit hoher Kapazität), ist es nicht nachvollziehbar, warum die Politik krampfhaft an der Förderung des E-Autos festhält. Warum fördert die Regierung nicht den Ausbau eines engen Erdgastanknetzes? Die ist eine bessere Zwischenlösung.Denn wenn die gesamte CO2-Erzeugung bei der Produktion eines E-Autos genommen wird (inklusive Erzeugung der Litium-Batterien und deren Austausch nach ca. 5 bis 7 Jahren), dann sind die E-Autos dzt. doch nicht so Umweltfreundlich.

  10. Da LPG viel verbreiteter ist, und ich selber auch LPG fahre, würde mich interessieren, wie dieses System in der Vergleichstabelle abgeschnitten hätte.
    Auch die Schadstoffemissionen hätte ich gerne in der Vergleichstabelle gesehen.

  11. Ich fahre seit Mitte 2011 einen LPG-Wagen (bereits werksseitig mit LPG ausgerüstet). Er hat zusätzlich zum LPG-Tank (32 l) den normalen Benzintank (50 l), mit beiden Tanks zusammen komme ich etwa 425 + 600 km = ca. 1000 km weit). Die Kraftstoffkosten im LPG-Modus liegen bei einem LPG-Preis von derzeit 0,55 € (Region Dormagen) bei 4,25 €.
    Vorteile:
    -sehr niedrige Kraftstoffkosten
    -umweltfreundlich, daher sehr günstige Einstufung bei der KFZ-Steuer
    -beim Verbrennen von LPG entstehen im Motor kaum Ablagerungen
    -hier gibt es viele Tankstellen, die LPG anbieten, aber nur eine, die Erdgas anbietet
    Nachteile:
    -bei der Inspektion wird auch die LPG-Anlage „inspiziert“, die Inspektion wird dadurch ein klein wenig teurer, gleiches gilt für den TÜV
    -im LPG-Modus beschleunigt der Wagen etwas langsamer, da Motorleistung geringfügig reduziert (LPG ist weniger „energiehaltig“)
    -im LPG-Modus manchmal leichtes Ruckeln im unteren Drehzahlbereich (im Benzin-Modus dagegen nicht)
    -meine Erfahrung ist, daß die Zündkerzen, wenn überwiegend im LPG-Modus gefahren wird, die 30000 km, die Renault für die Zündkerzen vorsieht, nicht immer schaffen und schon mal etwas früher gewechselt werden müssen
    Mein Fazit:
    Ich würde mir jederzeit wieder ein Gas-Auto kaufen.

    Interessieren würde mich, warum der ADAC nur Erdgas testet, LPG, für das es viel mehr Tankstellen gibt, dagegen nicht.

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