Alternative Antriebe: Jahresrückblick 2017

BMW, Tesla, Toyoty und VW, Wassserstoff und Elektromobilität: Das Jahr 2017 brachte einige Neuigkeiten mit sich.

Neue Modelle, neue Investitionen: Befeuert durch die Diesel-Krise hat sich 2017 im Bereich alternative Antriebe viel getan. Experten sind sich einig: Die Elektromobilität wird irgendwann zum Massenphänomen. Auch der Energieträger Wasserstoff wird künftig eine gewichtige Rolle spielen. Bei den alternativen Treibstoffen Erdgas- und Flüssiggas hingegen tut sich nichts Neues.

BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich war sich zu Beginn des Jahres 2017 sicher: Beim Thema alternative Antriebe herrsche ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem reinen Elektroantrieb und der Brennstoffzellentechnik. Fröhlich sieht den Energieträger Wasserstoff im Vorteil, wenn es darum geht, schwere Lasten zu transportieren: „Denken Sie an SUV in den USA, die einen Bootsanhänger den Berg hochziehen. Das würde die Reichweite eines reinen Batteriefahrzeuges sehr reduzieren.“ Der Münchner Hersteller kündigte zudem 25 elektrische Modelle bis 2025 an. 200 Millionen Euro wurden laut BMW zunächst investiert, um langfristig die eigene Batteriezellen-Kompetenz zu stärken.

Futuristisches Design und wenig aufregende Fahreigenschaften: Das attestierten unsere Experten Toyotas Wasserstoffauto Mirai im ADAC Autotest.

Toyota-Verwaltungsratschef Takeshi Uchiyamada hat sich festgelegt: Er behauptet, dass sich die Brennstoffzellentechnologie durchsetzen wird, weshalb die Japaner in Deutschland bereits eines der ersten serienmäßigen Wasserstoffautos verkaufen: den Toyota Mirai, den wir bereits getestet haben. Ein Wermutstropfen: Ein mit Wasserstoff angetriebenes Auto stößt im Betrieb zwar lediglich Wasserdampf aus. Da aber Wasserstoff derzeit maßgeblich aus fossilen Stoffen hergestellt wird, entsteht auch beim Mirai ein CO2-Ausstoß von 121 g/km.

Zweigleisige Mercedes-Strategie

Auch Mercedes liebäugelt nach jahrelanger Forschung offenbar mit der serienmäßigen Wasserstofftechnologie. Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt präsentierte der Hersteller das Modell GLC F-Cell, das erste eigene Brennstoffzellen-Modell mit Plug-in-Technik. Angeblich soll eine Kleinserie im Laufe des Jahres 2018 aufgelegt werden. Versprochen werden 49 Kilometer elektrisch mithilfe der Plug-in-Batterie (Strom aus der Steckdose) und dann weitere knapp 450 Kilometer Reichweite mit der Brennstoffzelle, die den notwendigen Wasserstoff aus einem Hochdruckspeicher mit 4,4 Kilo Fassungsvermögen erhält.

Daimler will E-Alternativen für die Logistikbranche bieten. Im Bild: ein Mercedes-Prototyp für künftige Transporter.

Die Schwaben setzen gleichzeitig auf den reinen Elektroantrieb, wie etwa beim Paketversand. Daimler und Hermes haben sich auf eine Kooperation geeinigt. Der Stuttgarter Hersteller baut für den Zustellerdienst 1500 Elektrovans bis zum Jahr 2020, die ersten  sollen bereits 2018 in der baden-württembergischen Landeshauptstadt fahren. Der Prototyp sieht ziemlich futuristisch aus. Mercedes hat sich dazu entschlossen, ab Sommer 2018 auch das Modell Vito und ab 2019 das Modell Sprinter als Elektro-Varianten zu verkaufen.

Opel Ampera-e: ein Tesla-Konkurrent?

Seit Sommer 2017 ist der Opel Ampera-e bestellbar. Das elektrische Kleinfahrzeug aus Rüsselsheim ist das Schwestermodell des Chevrolet Bolt, ein E-Auto, das der frühere Opel-Eigentümer General Motors zunächst nur in den USA verkaufte. Wir durften den Ampera-e bereits Probe fahren. Das kleine E-Auto wirkt flott und alltagstauglich. Mit einer 60-kWh-Batterie, einer realistischen Reichweite von bis zu 400 Kilometern, der Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h und einem Kaufpreis ab 39.330 Euro könnte es ein Verkaufsschlager und Tesla-Konkurrent werden. Doch das ist derzeit fraglich. Es kursieren Meldungen über große Lieferschwierigkeiten und darüber, dass der Ampera-e in Deutschland gar nicht mehr bestellbar ist, seit Opel vom französischen Konzern PSA übernommen wurde. Möglicherweise bringt das kommende Jahr Klarheit zu diesem Thema.

Elektromobiler Schnellstarter Tesla

Bereits seit 2012 im Handel und immer noch heiß begehrt ist das rein elektrische US-Top-Fahrzeug Tesla Model S. Unsere Experten prüften die Variante P90D ausgiebig Anfang 2017. Einerseits begeisterte das Elektroauto mit Leistung, Reichweite und Fahrverhalten. Die Autokosten überzeugen jedoch überhaupt nicht. Hier spielt vor allem der hohe Kaufpreis eine entscheidende Rolle. Das Modell S startet bei knapp unter 70.000 Euro, das derzeitige Top-Modell P100D liegt bei über 144.000 Euro. Preise, die die meisten nicht für ein Auto ausgeben können oder wollen.

US-Vorreiter der elektromobilen Spitzenklasse: Tesla Model S.

Mit dem Model 3 könnte sich das ändern, weil dieses Modell kleiner und deutlich günstiger ist. Der US-Kaufpreis für das elektromobile Massenprodukt beginnt bei derzeit rund 35.000 US-Dollar. Doch seit Beginn der Serienfertigung 2017 kämpft Tesla mit Produktionsengpässen. Kaum ein Model 3 wurde bislang in Deutschland gesichtet, obwohl es auch hier viele Tesla-Fans bestellt haben. Im dritten Quartal 2017 fertigte Tesla gerade einmal 260 Exemplare. Geplant waren 1500.

VW greift an: Elektro ist der neue Diesel 

Der Lithium-Ionen-Akku des VW I.D. Buzz soll 600 Kilometer Reichweite ermöglichen. Ein Schnellladesystem soll den Akku bereits in 30 Minuten zu 80 Prozent füllen.

Das Traditionshaus Volkswagen plant unter der Last der Diesel-Affäre langfristig die elektrische Großoffensive. 34 Milliarden Euro möchte der Wolfsburger Weltkonzern in Elektromobilität, autonomes Fahren, Mobilitätsdienste und Digitalisierung investieren. Das Ziel: Bis 2025 nicht weniger als die weltweite Nummer eins der Elektromobilitätsanbieter zu werden. Neue elektrische Retro-Fahrzeugmodelle wie der I.D. Buzz wurden bereits auf Messen präsentiert und sollen schon bald in Serie gehen.

Strukturelle Investitionen

Die Elektrifizierung des Individualverkehrs wird sich immer weiter durchsetzen. In welcher Form die Energie im Fahrzeug mitgeführt wird, muss sich erst zeigen. Mögliche Energieträger sind: Wasserstoff, Lithium-Ionen-Batterien oder Redox-Flow-Batterien (also die flüssige Batterie).

Fakt ist auch, dass sich zunehmend Ölkonzerne mit der E-Mobilität auseinandersetzen und mitmischen. So hat jüngst der Mineralöl-Konzern Shell den größten europäischen Anbieter von E-Ladestationen übernommen, das niederländische Unternehmen NewMotion. Die Firma mit Sitz in Amsterdam bietet mehr als 30.000 Ladestationen für zu Hause oder in Unternehmen an und den Zugang zu über 50.000 öffentlichen Ladesäulen in 25 Ländern. 10.000 dieser Ladesäulen befinden sich in Deutschland. Derzeit besitzen etwa 100.000 Menschen eine Kundenkarte von NewMotion, 39 Prozent von ihnen leben in Deutschland.

Hier lesen Jahresrückblick 2017: Trends der vernetzten Mobilität

Mit Material von dpa.


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