Urteil: Vorfahrtsverstoß oder Auffahrunfall?

Ein Auffahrunfall ist oft vermeidbar. Kracht es doch, ist die Schuldfrage häufig ein Streitpunkt.

Ein Autofahrer biegt in eine Vorfahrtsstraße ein, ein anderer fährt von hinten auf den Wagen auf. Ist das noch ein Vorfahrtsverstoß oder schon ein Auffahrunfall? Das Oberlandesgericht in München hat entschieden.

Ein Autofahrer bog von einer untergeordneten Straße auf eine Vorfahrtsstraße ein. Als er sich bereits komplett auf dieser Vorfahrtsstraße eingeordnet und die dort zulässige Geschwindigkeit von 50 km/h erreicht hatte, fuhr von hinten ein Fahrzeug auf seines auf. Der hintere Fahrer war der Ansicht, der Unfall sei aufgrund der Nichtbeachtung seiner Vorfahrt geschehen. Der Einbiegende hingegen ging von einem Auffahrunfall aus, da er bereits in den Fließverkehr eingegliedert gewesen war. Die Sache ging vor Gericht.

Hintermann muss Abstand halten

Das Oberlandesgericht (OLG) München entschied, dass der von hinten Kommende haften muss. Es handelte sich nach Ansicht der Richter um einen reinen Auffahrunfall, weil das vordere Fahrzeug bereits vollständig eingebogen war und die zulässige Höchstgeschwindigkeit erreicht hatte. In diesem Fall sei davon auszugehen, dass der von hinten Kommende seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen war, eine angemessene Geschwindigkeit und den notwendigen Sicherheitsabstand einzuhalten, so die Richter.

OLG München, Beschluss vom 24.06.2016, Az.: 10 U 3161/15

Habt ihr noch Fragen? Unsere ADAC Rechtsberatung (nur für ADAC Mitglieder) erreicht ihr unter 089/76762423 (Mo-Fr 8-18 Uhr). Weitere Infos, interessante Urteile und Rechtliches von A-Z findet ihr auch auf den Online-Seiten der ADAC Rechtsberatung.


2 Kommentare

  1. Marcel sagt:

    MPU-Fachleute missbrauchen ihre Kompetenz: Ein Verwandter bekam eine Beurteilung, die besagte: weil es Leute gibt, die nach früherem Alkoholkonsum rückfällig wurden, ist davon auszugehen, dass er auch rückfällig wird und damit nicht für den Fährerschein geeignet ist. Eigentlich hätte der Fachmann die Person würdigen müssen, die schon 3 Jahre trocken war und alle früheren Auffälligkeiten in den Griff bekommen hatte.
    Ein anderer Fach benutzte die Therapiezeitbei einem anderen Verwandten, um ausschließlich Werbung für zusätzliche MPU-Angebote zu machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.