Problem Falschparker bei Carsharing

Carsharing, ein Freibrief zum Falschparken? Stimmen diese Vorurteile?

Carsharing-Nutzer parken auf Gehwegen, in Feuerwehreinfahrten oder im absoluten Halteverbot. Immerhin ist es ja nicht das eigene Auto und der nächste Nutzer fährt es sowieso gleich weg – oder? Carsharing ist jedoch kein Freibrief zum Falschparken und Verkehrsvergehen werden oft doppelt teuer. 

Carsharing-Fahrzeuge sind bunt beklebt und fallen im Straßenbild besonders auf. Sie bleiben im Gedächtnis und so können deren Fahrer leicht den Eindruck erwecken, sie seien Verkehrsrüpel. „Grundsätzlich ist man mit einem Carsharing-Auto anonymer unterwegs. Und die Ausrede, dass der Wagen gleich wieder bewegt wird, beruhigt das schlechte Gewissen, beispielsweise bei Parkvergehen“, so ADAC Verkehrspsychologin Nina Wahn.

Grundsätzlich ist man mit einem Carsharing-Auto anonymer unterwegs.

Ein weiterer Faktor, der das Falschparken begünstigt, ist der alltägliche gesellschaftliche Zeitdruck. „Aggressionen und Frust steigen mit jeder Minute, in der ich unterwegs bin“, sagt die ADAC Psychologin. Carsharing-Nutzer zahlen häufig pro Minute für ihr Auto und je länger sie einen Parkplatz suchen müssen, desto mehr stehen sie unter Stress. Der nimmt noch weiter zu, wenn sie die vielen Minuten der Parkplatzsuche mit den oft wenigen Minuten der tatsächlichen Fahrzeit gegenrechnen. Unter Zeitdruck könne auch die Hemmschwelle zu einem schlechten Umgang mit fremdem Eigentum sinken und die Rücksichtslosigkeit steigen, so Wahn.

Zusatzkosten für Falschparker bei Carsharing

Ob Carsharing-Nutzer öfter falsch parken, oder nicht: Fakt ist, dass Falschparken mit einem Teilzeit-Auto teuer werden kann. Denn zusätzlich zu der Knöllchen-Gebühr, die vom Anbieter direkt an den Fahrer weitergegeben wird, kassieren die Unternehmen Bearbeitungsgebühren für Verkehrsvergehen, die zu Strafzettel und Rechnung vom Abschleppdienst noch hinzukommen.

VerkehrsvergehenZusätzliche Bearbeitungsgebühren 
Ordnungswidrigkeit10 – 18 Euro
Umparken wiederrechtl. abgestellter Fahrzeuge25 – 50 Euro
Abschleppen5 – 50 Euro
Parkverstöße5 – 10 Euro

Das Problem könnte jedoch bald entschärft werden. Mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Bevorrechtigung des Carsharing (Carsharinggesetz – CsgG) möchte die Bundesregierung verschiedene Varianten des Carsharing bundesweit fördern. Damit soll es möglich sein klima- und umweltschädliche Auswirkungen des Straßenverkehrs zu verringern. So könnten Kommunen in Zukunft selbständig an Bundesstraßen innerorts Sonderstellplätze für Carsharing-Autos bereit stellen. Alle weiteren Infos zu den möglichen Sonderrechten für Carsharing findet ihr hier auf unserem Blog.

Grundsätzlich sollte jeder Autofahrer darauf achten, sich so rücksichtsvoll zu verhalten, wie er es selbst von anderen erwartet. So können viele potenzielle Konfliktsituationen von vornherein vermieden werden.

Habt ihr das Problem Falschparker bei Carsharing auch schon beobachtet? Und was müsste sich eurer Meinung nach ändern, damit es nicht zu derartigen Situationen kommt?


Sophia
Sophia
Studium in Ansbach. Volontärin Digitale Kommunikation.

4 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Dass Carsharing-Nutzer rücksichtslos unterwegs seien, höre ich immer wieder, kann es aber nicht bestätigen. Ich bin selbst oft bei DriveNow oder Car2Go aktiv gewesen und hatte eher Probleme damit, Autos auf unmöglichen Parkplätzen (trotz GPS im Smartphone) zu finden oder Ärger mit verschmutzten Innenräumen (Müll, klebrige Rückstände, Schmutz auf Sitzen, usw).
    Deswegen aber eigene Carsharing-Parkräume anzubieten, halte ich für falsch. Einerseits sind die Fahrer selbst schuld, weil es ihnen teils egal ist, wo sie parken – „… nicht mehr mein Problem…“, denken sich wohl viele. Andererseits fahren viele Leute mehr mit dem Auto, als ohne Carsharing. Die gefahrenen Kilometer würden also mit solchen Anreizen eher steigen – und die Nutzung ist in Städten nachgewiesen höher auf kurze Distanzen. Der ÖPNV verliert diese Nutzer dann und die Belastung steigt für alle Verkehrsteilnehmer.

    Hin und wieder konnte ich Drivenow-Fahrzeuge beobachten, die Vollgas-Starts an der Ampel hingelegt haben. Womöglich ist das auch eine Auswirkung der höher motorisierten Fahrzeuge von Mini oder BMW und den Nutzern, die entweder durch den monetären Zeitdruck motiviert waren oder einfach keine Rücksicht auf die Autos nehmen, da sie ihnen ja nicht gehören. Spätere Folgeschäden durch unsachgemäße Nutzung fallen nicht direkt auf die Verursacher zurück, sondern schlagen sich dann insgesamt auf die Gemeinschaft aller Carsharer in Form von Preiserhöhungen nieder.

  2. Ich finde Carsharing ist eigentlich eine Kurzzeit-Autovermietung. Dadurch sind fast immer Autovermieter im Carsharing-Geschäft mit eingebunden, nach dem Motto: „Die Flotte muss auf die Straße“.. Auf der Öko-Welle schwimmend wird Carsharing von den Politikern (vor allem von den Grünen) gerne als Allerweltsheilmittel für saubere Luft und weniger Verkehr in den Ballungszentren angepriesen. Gäbe es kein Carsharing, dann würden die Nutzer mehr öffentliche Verkehrsmittel gebrauchen. Das „Autoteilen“ wäre allerdings lobenswert und würde den tieferen Sinn erfüllen, wenn im Carsharing Fahrzeug mehrere Personen sitzen würden. Es ist aber zu den Privatfahrzeugen kein Unterschied feststellbar und die Verpestung der Städte durch noch mehr Fahrzeuge geht weiter. Bekommen die Carsharingfahrzeuge dazu noch bevorzugte Abstellplätze in den Städten, dann lässt man gerne sein eigenes Fahrzeug zu Hause in der Garage stehen und benutzt statt dem ÖPNV ein Carsharing Fahrzeug. mit kostenlosem Parken in der City. Dies wäre dann tatsächlich preisgünstiger, als mit dem eigenem Wagen zu fahren, aber sicherlich bequemer als mit ÖPNV. Ein Schelm, der hierbei etwas schlechtes denkt.

  3. Skydome sagt:

    Ich komme von außerhalb der Car-Sharing Gebiete, und die öffentlichen sicherlich keine richtige Alternative. D.h. Ich muss mit meinem Automin die Stadt. Wenn dann auch noch der Parkraumbewirtschaftung für mich weniger wird, weil hier Firmen durch das Sonderrecht auf Parken subventioniert werden, fülle ich mich doppelt diskriminiert.

  4. Skydome sagt:

    Ich komme von außerhalb der Car-Sharing Gebiete, und die öffentlichen Verkehrsbetriebe sind sicherlich keine richtige Alternative. D.h. Ich muss mit meinem Auto in die Stadt. Wenn dann auch noch der Parkraum für mich weniger wird, weil hier Firmen durch das Sonderrecht auf Parken subventioniert werden, fülle ich mich doppelt diskriminiert.

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