Neue Gefahren durch Elektrofahrräder

Elektrofahrräder sind besonders bei älteren Menschen beliebt.

Elektrofahrräder bringen auch einige Gefahren mit sich: Höhere Geschwindigkeiten als andere Fahrräder, mehr Unfälle, schwerere Verletzungen. Der Schweizer Unfallforscher Stefan Siegrist stellte auf einem Symposium der Bundesanstalt für Straßenwesen und des ADAC die Risiken von Pedelecs vor. Wir haben ihn dazu befragt.

Herr Siegrist, warum ist das Fahren von Elektrofahrrädern vergleichsweise risikoreich?

Siegrist: Fahrtechnisch ist ein Pedelec anspruchsvoller als ein herkömmliches Fahrrad. Hinzu kommt, dass Pedelecs meistens etwas schneller unterwegs sind – der Elektromotor wirkt wie ein Turbo. Weil sie komplizierter zu fahren sind und mitunter höhere Geschwindigkeiten erreichen, dürfte das Unfallrisiko relativ hoch sein.

Unverhältnismäßig oft enden diese Unfälle bei Pedelecs tödlich – warum?

Wir haben in der Schweiz einen auffallend hohen Anteil von Pedelec-Fahrern unter den im Jahr 2015 tödlich verunglückten Radfahrern. Nämlich 14 von 39, das sind 36 Prozent. Aber der prozentuale Pedelec-Anteil auf der Straße ist viel geringer. Insgesamt nehmen die Unfälle bei uns stark zu, weil Pedelecs so beliebt sind und sich gut verkaufen: Hier hat bereits jedes fünfte verkaufte Fahrrad einen Elektroantrieb.

„In der Schweiz hat bereits jedes fünfte Fahrrad einen Elektroantrieb.“

Wer ist besonders gefährdet? 

Elektroräder werden viel häufiger von Menschen in der zweiten Lebenshälfte genutzt als von jüngeren. Es überrascht daher nicht, dass 80 Prozent der schwer verletzten Pedelec-Fahrer über 45 Jahre alt sind. Das Alter hat sich in unserer Studie als der zentrale Indikator für schwere Verletzungen erwiesen. Grund dürfte vor allem die Verletzlichkeit älterer Personen sein. Die gleiche physikalische Einwirkung hat bei 30-Jährigen in der Regel weniger schlimme Folgen als bei doppelt so alten Personen.

Sie haben in einer aufwendigen Studie untersucht, wie die Geschwindigkeit von Fahrrädern von anderen Verkehrsteilnehmern eingeschätzt wird – wie sehen die Ergebnisse aus? 

Das Tempo von Rädern wird de facto unterschätzt, noch deutlicher als das von Rollern. Frauen unterschätzen die Geschwindigkeit stärker als Männer. Auch das Zusammenspiel von Geschwindigkeit und Sitzposition hat einen Einfluss: Bei höherem Tempo und aufrechter Haltung ist die Unterschätzung ausgeprägter. Interessant war, dass Pedelecs genauso falsch eingeschätzt werden wie normale Räder. Die durchschnittliche Fehlerquote lag bei einer Sekunde. Eine Sekunde, die leider häufig zu Kollisionen und schweren Verletzungen führt.

Pedelec-Fahrer kennen das erhöhte Risiko, aber es wird offenbar unterwegs nicht genügend berücksichtigt – ist ein spezielles Training sinnvoll?

Besonders gefährlich wird es, wenn jemand keine Zweiradpraxis mehr hat und sich dann ein Pedelec zulegt. Fahrpraxis sammeln und die Risikofaktoren Geschwindigkeit sowie Gefahrenwahrnehmung können in Pedelec-Kursen thematisiert und mit Übungen entschärft werden.

Quelle: ADAC Motorwelt 11/2016, Interview: Martin Kunz, Chefredakteur

Die Nachfrage nach Pedelecs steigt von Jahr zu Jahr um mehr als zehn Prozent, aber nicht jedes Elektrofahrrad ist wirklich sicher. Wir haben 15 Pedelecs getestet, die Ergebnisse dazu findet ihr hier.


Sophia
Sophia
Studium in Ansbach. Volontärin Digitale Kommunikation.

1 Kommentar

  1. Flieger sagt:

    2015 habe ich mir zum ersten Mal einen BMW Diesel mit EuR 5 gekauft, weil er so sparsam ist. Nun soll er bereits verschrottet werden?
    Das kann ich mir nicht leisten.
    Warum nicht zunächst alle kommunalem Fahrzeuge, Öffentlicher Nahverkehr, Müllabfuhr, Dienstfahrzeuge der Politiker und alle Vielfahrer wie Taxen und Fernbusse mit höheren Auflagen belegen?
    Wie hoch wäre die Verringerung der Umweltbelastung durch eine solche Maßnahme?

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