Hat Hyundai den besseren Hybrid als Toyota?

Zwei Asiaten in Oberbayern: Der Toyota Prius (l.) ist mutiger gestaltet als der Hyundai Ioniq.

Lange hatte der Hybrid Pionier Toyota Prius keinen ernsthaften Konkurrenten. Doch jetzt gibt es eine Alternative aus Korea – den Hyundai Ioniq. Welcher ist besser? Wir haben beide Autos verglichen.

Die Koreaner meinen es ernst mit alternativen Antrieben. Zumindest beim neuen Ioniq. Mit bloßem Benziner oder als Diesel wird er gar nicht verkauft – es gibt ihn ausschließlich als Hybrid-Benziner und reine Elektroversion. Im nächsten Jahr kommt noch ein Plug-in-Hybrid dazu. Respekt, so viele Öko-Varianten haben die wenigsten Hersteller von einem Modell im Programm! Nicht einmal Toyota vom Prius. Dafür besitzen die Japaner erheblich mehr Erfahrung mit Hybrid-Technik: Seit 1997 gibt es den Prius bereits, 2016 kam die vierte Generation. Am Original vorbeizuziehen, dürfte für den Neuling von Hyundai daher schwer werden, oder? Wir haben die Hybride miteinander verglichen.

Beim Blick in die Preisliste (normale Hybride bekommen keine Elektroprämie!) spricht einiges für den Herausforderer. Er ist ab 23.900 Euro zu haben, der Prius offiziell erst ab 28.150 Euro – allerdings zieht Toyota aktuell noch 3000 Euro „Hybrid-Prämie“ ab. Hyundai-Fahrer bekommen dafür mehr Garantie – fünf statt drei Jahre – und einen kräftigeren Antrieb: Systemleistung 141 PS, im Prius nur 122. Dieser Unterschied ist allerdings nur beim Zwischenspurt von Belang – beim Überholen eilt der Hyundai etwas flotter voran. Beide Autos sind kräftig genug, schwimmen gut im Verkehr mit und wirken nicht wie asketische Öko-Sparmodelle. Höchstgeschwindigkeiten von 180 (Toyota) und 185 km/h (Hyundai) sollten auch auf deutschen Autobahnen allemal reichen.

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Der Toyota wirkt futuristischer als der konventionellere Hyundai

Die Hybrid-Systeme funktionieren in beiden Autos ähnlich: Eine kleine Batterie mit einer Kapazität von 1,56 kWh (Hyundai) und 1,31 kWh (Toyota) treibt den Elektromotor an, der den Benziner beim Beschleunigen und Anfahren unterstützt. Letzteres klappt bei ruhigem Gasfuß ausschließlich elektrisch – und mit etwas Übung lassen sich auch Tempo-30-Zonen ohne Zutun des Benziners durchfahren. Auffällig: Der Toyota bemüht sich, weniger oft auf den Verbrenner zurückzugreifen, fährt also gerade in der Stadt öfter elektrisch als der Ioniq. Und: Toyota setzt wieder auf ein stufenloses CVT-Getriebe, Hyundai auf ein Doppelkupplungsgetriebe.

Während sich der Prius innen fast genauso futuristisch gibt wie außen und dem Fahrer mit digitalen Anzeigen und verstreuten Schaltern mehr Eingewöhnungszeit abverlangt, klappt die Bedienung im Hyundai auf Anhieb besser. Automatikwählhebel statt Joystick, Rundinstrumente statt Mäusekino in Cockpitmitte – nur die Energiefluss-Diagramme und die Kapazitätsanzeige der Batterie weisen auf den Hybrid-Antrieb hin. Die Sitzflächen vorn sind bei beiden nicht sehr üppig geraten, was manche Fahrer auf Dauer unbequem finden. Beim Ioniq kommt die unausgewogene Federung hinzu und das im Vergleich zum Prius bescheidenere Platzangebot.

Der Toyota fährt wesentlich sparsamer und sauberer

In der Königsdisziplin bei Hybriden muss sich der Hyundai deutlich geschlagen geben. Er verbrauchte im ADAC EcoTest 5,1 Liter im Schnitt – was ganz okay ist. Dass der Toyota einen ganzen Liter sparsamer fährt, ist aber bemerkenswert. Beim ADAC Autobahnzyklus (bis 130 km/h) zeigt sich sogar eine Differenz von 1,4 Litern zugunsten des Toyota.

Dass der Hyundai in der EcoTest-Bewertung nur magere drei von fünf Sternen bekommt, liegt aber nicht nur daran. Auch seine Abgaswerte können nicht überzeugen. Die Partikelanzahl (früher nur ein Dieselproblem) und die Kohlenmonoxidwerte steigen auf der Autobahn stark an. Der Toyota zeigt dagegen keine Auffälligkeiten und fährt wesentlich sauberer. Das sollte man von einem auf Umweltfreundlichkeit getrimmten Hybriden auch erwarten können.

Fazit: Das Original siegt mit Abstand vor dem Newcomer.

 

Dei exakten Ergebnisse des ADAC Vergleichstests zwischen Hyundai Ioniq und Toyota Prius. Quelle: ADAC Motorwelt 11/2016.

Text: Jochen Wieler
Fotos: Uwe Rattay


1 Kommentar

  1. Weiß sagt:

    Erfreulich, dass der ADAC allmählich merkt, dass die Hybrid-Technik von Toyota schon seit langer Zeit unschlagbar ist. Der Titel ist irreführend, das ist man aber gewohnt, da Toyota nicht aus Deutschland kommt. Wenn ein dt. Fabrikat dieser Qualität- und Leistungsklasse mit 6 NCAP-Sternen und der Austattung nur 4 L/100km im ECO-Test erreichen würde, wäre der Blätterwald voll von diesem Ereignis.Technisch kommt da weltweit keiner heran, die sind mind. 7 Jahre Entwicklung voraus.
    Leider wird aber auch in diesem Artikel auf Nebensachen und Geschmacksfragen kapriziert, „futuristisch“ und „Bedienungsmängel“. Auch halte ich die Unterhaltskosten mit Wertverlust für falsch ermittelt. Solch geringe Werkstattkosten wie ich es bei unseren beiden Hybriden seit 15 Jahren beobachte und von anderen Besitzern kenne, finden sie bei dt. Autos nicht (kein Getriebe, keine Kupplung, Bremsbeläge halten ewig, solifde Toyota-Fertigung im Detail). Das sollte mal seriös erhoben werden, sozusagen eine Realitätstest von echten Werkstattkosten.
    Verbrauchswerte eines Prius 1 (Bj 2001) liegen im Sommer im Stadtverkehr locker bei neidrigen 4,x L/100km. Danach kamen 16 Optimierungsjahre und 3 neue Generationen, und die werden immer besser…

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