Abgase – dicke Luft in der Stadt

Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, verändert sich das Klima. Großstädte brauchen weitläufige Naturzonen.

Abgase verändern Klima und Luft in den Städten – und machen uns krank. Welche Faktoren die Stadtluft schlechter oder besser machen können.

Noch in den 70er-Jahren lagen ganze Regionen regelmäßig unter einer Smog-Wolke. Das begann sich erst im folgenden Jahrzehnt zu ändern. Fabriken wurden modernisiert, Katalysatoren vorgeschrieben. Mitte der 90er-Jahre entwickelte Dr. Joachim Heinrich bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die ersten Richtwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid in der Luft.

Die Luft wurde besser, die Konzentration der Abgase sank. Doch 1994 veröffentlichten Mediziner beunruhigende Erkenntnisse. Kinder, die an Hauptverkehrsstraßen lebten, litten unter Asthma-Symptomen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dr. Heinrich sagt: „Im Einzelfall lässt sich zwar nie nachweisen, was genau die Erkrankung auslöste. Aber die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, ist mit viel Autoverkehr deutlich höher.“ Im Vergleich zur übrigen Stadtbevölkerung um 20 bis 30 Prozent.

Abnehmende Schadstoffbelastung

Bei ihren Untersuchungen an den Straßen stießen die Wissenschaftler auf Grob- und Feinstaub, Stickstoffoxid, Ozon, Benzol. Die kommen überall in den Städten vor. Quellen können Baustellen, Kamine, Industrie oder Autos sein. An den Hauptstraßen steigt ihre Konzentration rapide an. Schon in 50 bis 100 Metern Entfernung liegt sie wieder auf städtischem Normalmaß. Die Schlussfolgerung der Mediziner: Für die hohe Belastung sind vor allem Autos, Lkw oder Lieferwagen verantwortlich. Wegen ihrer Abgase, wegen aufgewirbeltem Staub und Reifenabrieb.

 

1999 führte die Europäische Union Grenzwerte ein, auch Deutschland stimmte zu. Viel Zeit, um zu handeln. Eigentlich. Fast zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. 240 verkehrsnahe Messstellen wurden inzwischen eingerichtet, das Umweltbundesamt wertet deren Ergebnisse aus. Und tatsächlich zeugen die Zahlenreihen von einigen Erfolgen. Das bestätigt auch der Luftchemiker Stefan Gilge vom Deutschen Wetterdienst: „Es gibt einen Trend zu abnehmender Schadstoffbelastung, selbst an den Hauptstraßen“.

Stickstoffdioxide bleiben das große Problem

So ist die Feinstaubbelastung fast überall unter den EU-Grenzwert gefallen. Das liegt vor allem am Partikelfilter, der seit 2005 in Diesel-Neuwagen eingebaut wird. Nur im Stuttgarter Kessel werden die Grenzwerte weiter überschritten.

Anders sieht es hingegen beim Stickstoffdioxid aus. An mehr als der Hälfte der verkehrsnahen Messstellen in Deutschland ist zu viel davon in der Luft. Beispiel Düsseldorf: Um die Grenzwerte einzuhalten, entwickelte das dortige Umweltamt Luftreinhaltepläne. Vom Verzicht auf Laubbläser bis zur Umrüstung der Busflotte sind dort alle möglichen Maßnahmen aufgelistet.

An stark befahrenen Straßen stehen deutschlandweit mehr als 240 Messstationen für Luftschadstoffe. Bei Stickstoffoxid werden die Grenzwerte häufig überschritten, bei Feinstaub kaum noch.

Das Dilemma der Städte

An der Konzentration von Stickstoffdioxid in der Düsseldorfer Luft änderte sich jedoch kaum etwas. Die Deutsche Umwelthilfe klagte, und 2016 entschied das Verwaltungsgericht: Die Stadt muss einen neuen Luftreinhalteplan aufstellen. In diesem müssen Fahrverbote für Diesel zumindest erwogen werden. Schließlich sind sie die Hauptverursacher entlang der Straßen.

Durch solche Urteile stehen die Städte vor einem schweren Dilemma. Auf der einen Seite das Recht auf saubere Luft. Auf der anderen Seite die Ansprüche einer mobilen Gesellschaft mit Pendlern, Gewerbe und Besuchern.

Quelle: ADAC Motorwelt 04/2017


Johannes
Johannes
Aufgewachsen in München, Studium in Passau. In der ADAC Online-Redaktion volontiert und gleich geblieben.

11 Kommentare

  1. Peter Vollmer sagt:

    Solange in Städten wie München Staus sozusagen per Verordnung gewollt sind um den Individualverkehr auszubremsen wird sich die Situation mit der Luftverschmutzung nicht ändern. Es weiß der „Klügste“ dass stehende Autos mehr Abgase erzeugen als fahrende!
    Also lieber grüne Welle als grüne Verhinderungspolitik

  2. Wetzels sagt:

    In Düsseldorf gibt es auf der Corneliusstr. ein Fahrverbot für Diesel Kraftfahrzeuge über 2,8 t.
    Hier wird nicht kontrolliert! Täglich fahren hunderte von diesen Dieselautos hier. Aber auch große LkW über 7,5 t
    fahren ohne Kontrolle und ohne Rücksicht auf die Verbotsschilder hier entlang.
    Wie sollen dann die Werte an der dortigen Meßstation sinken?
    MfG HW

  3. Rudolf Mineif sagt:

    Wo bleibt der LKW, Schienen und Luftverkehr?
    Ich glaube kaum, dass diese Kategorien unter sonstige fallen.

  4. W. Koelschtzky sagt:

    Leider ist vieles nur populistische Augenwischerei. Das Hauptproblem besteht nämlich darin, dass seit Jahrzehnten permanent sämtliche Frischluftschneisen zugebaut werden. Bei stehender Luft konzentrieren sich alle Schadstoffe als Konsequenz, auch Fahrverbote bringen fast gar nichts. Der Dreck bleibt einfach da. Warum haben denn manche Städte bei gleicher oder sogar höherer Verkehrsdichte bessere Luftwerte als andere? Weil es da noch Belüftung gibt. Natürlich ist es für die Politik viel einfacher, die Folgen ihrer Fehler nun ausschließlich auf die Autofahrer abzuwälzen anstatt nach einem tragfähigen Konzept zu suchen. Dafür müsste man ja auch ein Mindestmaß an Kompetenz besitzen.

  5. Anonymous sagt:

    Stickstoffdioxide – was soll dieser Kommentar ???
    Lösungen für alle müssen her und keine Verbote !!!

  6. Rolf seebach sagt:

    Zu Ihren Thema: Abgase – dicke Luft in der Stadt.
    (Jetzt mal egal wer oder woher der/die Verfasser sind des Artikels sind).
    Da liegen Sie aber ganz dick daneben, schon der Vergleich von 70iger bis heute oh je.
    Der Ausstoß an belastender-Konzentration hat wohl zugenommen im Vergleich, aber da liegen in der Zeitspanne Welten dazwischen. Der Verkehr hat enorm zugenommen egal welche Kraftstoffart, sowie die Größe der Städte. Den Städteplanern ist hier der größte Schaden Zuzuschreiben die Natürliche Frischluft Regulierung wurde immer zur beiseitegeschoben ganz zu Schweigen von Grünanlagen wie mal so geplant war, nichts wurde da GEMACHT,eine Schande für unseren Wohlhabenden Stadt.
    Wäre z.B. die Luft sauber und man hätte eine Lufttemperatur von ca. 35 ° würde es in unseren Großstädten genauso schlecht gehen, diese Hitzeglocke würde einen gleichen gesundheitlichen Schaden an Lebewesen und Natur Hervorrufen.
    Da hilft auch keine Kosteneinstufung zwischen Obere o. Unterklasse.
    Noch Schimmer wird es wenn es nur noch E- Mobile geben würde, BITTE wo soll der der ganze Strom herkommen? Na aus Kraftwerken und die Blassen dann ganz DICKE ab, d.h. wir haben wieder dicke Luft.
    Wir drehen uns in einer Spirale, die sämtliche Statistiken über den Haufen wirft.
    Wenn z.B. das Bundeskraftfahrzeugamt grünes Licht gibt bei VW Affäre, dann müßten wir fein da stehen mit unsere Umweltbelastung oder nicht ?
    Meckern kann Jeder, aber was Richtig ist weiß keiner.
    Der ganze Intelligenten Rat, soll sich da mal schön Zusammensetzen für wirkliche und gute Ideen, so wie Die sich das jetzt Vorstellen bleibt alles so wie es IST.
    Die einzige Änderung ist jetzt schon Absehbar das Letztendlich wird der KFZ-HALTER ZUR KASSE GEEBTEN WIRD. Jetzt kommen auch noch die Beruflichen Pendler In Frage.
    Hauptsache der deutschen Wirtschaft geht es Gut.
    Trotz aller E-Normen bis 6; (7;8). Wir alle Fahren doch saubere Autos, als Autoland und Exporteur Nr. 1 in der Welt. Wo kommt dann der Dreck?? her schon die Debatte über dises Thema ist Dreckig.
    Mit freundlichen Gruß
    ein KFZ – Fahrer

  7. Depper Peter sagt:

    Das kann mir keiner erzählen, daß 67% NO2 von Dieselfahrzeugen kommt. Wie wird das gemessen?
    Was ist mit den Ölheizungen in den Städten.

  8. Manfred Prätorius sagt:

    Wenn Fahrverbote, dann für alle Fahrzeuge, geregelt nach geraden/ungeraden Kennzeichen, Wochentagen usw. Man könnte auch wieder autofreie Sonntage einführen. Ausnahmen müßten sehr eng gefaßt werden für Fahrzeuge zur Versorgung der Bevölkerung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Die „Recht“ sprechenden Juristen sollten bei ihren Urteilsfindungen auch bedenken, daß wir ein Gleichheitsgesetz haben, nach welchem alle Bürger bemessen werden sollten.

    Die von Benzinfahrzeugen ausgestoßenen Schadstoffe sind jedoch genauso gefährlich und haben durch die Vielzahl der Fahrzeuge eine viel größere Dimension.
    Kurzfristige Maßnahmen sollten Ampelschaltungen sein, die den Verkehr fließen lassen, statt in Orten vor jeder Ampel halten und neu anfahren zu müssen. Es gibt sogar einen umweltfreundlichen Dieselkraftstoff, er müßte nur auf den Markt und an die Tankstellen gebracht werden.
    Der Dieselbetrug ist eindeutig kriminell, hierfür müssen Hersteller von der Politik zur Verantwortung gezogen werden.

  9. Ralf M. sagt:

    Meine Mutter wohnt in Köln, ca. 100m vom Rheinufer entfernt.
    Wenn die Frachtschiffe beladen rheinaufwärs fahren, ist teilweise kaum mehr etwas zu sehen, vor lauter Abgaswolke.
    Ebenso sind städtische/kommunale Fahrzeuge etc. natürlich meist mit Dieselmotoren ausgerüstet.
    Das soll jedoch nicht die Belastung durch Diesel PKW verharmlosen, schließlich ist es unsere Umwelt und die unserer Kinder; nur:
    Der DPF wurde uns als Allheilmittel für Dieselfahrzeuge angepriesen:
    Hatte zuerst einen Sharan TDI mit roter Plakette, um in die Stadt fahren zu dürfen, habe ich dann für teures Geld einen S-Max mit DPF und für meine Frau einen Mercedes C220CDI mit nachgerüstetem DPFgekauft, jetzt sollen wir damit schon wieder nicht mehr in die Stadt kommen?
    Entweder sitzen im UMWELTAMT nur disqualifizierte Leute oder man könnte schon Methode dahinter vermuten, die Wirtschaft anzukurbeln.
    Es ist MEIN Geld, das diese Intelligenzbolzen vernichten.
    Könnte man diese Leute verklagen, würden sie sich evt. im Voraus konkrete Gedanken über langfristige Lösungen machen.

    Ein leistungsfähiges E-KFZ mit einer vernünftigen Reichweite von bis zu 500 Km, wie der OPEL Ampera E, gibt´s z.Z. hier nicht zu kaufen, da die Rechte nach Verauf an Peugot natürlich bei GM gebleiben sind; waren auch wieder wahnsinnig inteligente Leute am Werk.
    Entweder bietet uns die Autoindustrie für den Normalbürger akzeptable Lösungen in Form von Nachrüstmöglichkeiten an oder man belässt es bei den z.Z. geltenden Regelungen, bis E-Fahrzeuge ausgereift/bezahlbar sind und auch die dafür notwendige Infrastruktur geschaffen wurde. Das würde natürlich wohl noch auf lange Sicht unsere Umwelt stark belasten.
    Letztlich wäre auch mir dies zuwider, ich sehe hier allerdings keinerlei Verschulden meinerseits; d.h., aus KFZ-Halter Sicht.

  10. M:L:, Leipzig sagt:

    Grundsätzlich: Wenn es im Interesse der Allgemeinheit ist, dann muss es der Industrie wirksam verboten werden, andere Autos anzubieten! Aus!
    Aber noch etwas anderes: Ihr Bild auf den Seiten 10 und 11 zeigt die für unsere Städte leider typische Öde und Hässlichkeit in ihrer „vollen Pracht“: statt überall, wo es nicht stört, so viel wie möglich Bäume und Sträucher natürlich wachsen zu lassen, stehen nur ein paar in Reih und Glied gepflanzte und durch Schnitt massakrierte Bäume oder gibt es steppenähnliche Graslandschaften! Man spricht von Klimaschutz, vom Schutz der Kleintier- und Vogelwelt und von „Grünen Lungen“ für die Menschen und lässt zu, – und in den letzten Jahren auch in den Städten des Ostens, wie in Leipzig – dass Jahr für Jahr regelrechte Feldzüge gegen die Gehölze geführt werden; man zetert darüber, dass Urwälder gerodet werden und tut das gleiche, indem man tausende Tonnen von Blattwerk vernichtet! Und die Autofahrer, die sollen die Leidtragenden sein!
    Gibt es niemanden, der eine Bürgerinitiative zum Schutz der Gehölze führen kann?
    Und was würde eigentlich geschehen, wenn man die Vertreter der Entwicklungsländer auf einer Klimakonferenz einmal auf diesen Fakt aufmerksam machen würde?!

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