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Auto-Recycling: Die letzte Reise

Auch wenn es nicht so aussieht: In Altautos stecken viele brauchbare Teile, die verkauft werden können.

Irgendwann ist es zu Ende – das Autoleben. Dann wird der geliebte Weggefährte zum Fall für den Verwerter. Das Recycling von Autos ist in Deutschland allerdings streng geregelt.

Langsam senkt sich die mächtige Baggerkralle und bohrt sich knirschend in den alten Golf. Ein letztes Mal glänzt der rote Lack im Sonnenlicht, bevor die Schrottpresse ihre Arbeit verrichtet und den Kompaktwagen zu einem flachen Stück Blech zermalmt. Die Schrottpresse ist nur der finale Akt der letzten Reise, die der rote VW Golf III vor ein paar Tagen auf dem Hof des mittelfränkischen Unternehmens Schrott Karl angetreten hat. Seinem Besitzer Franz Missenberger, der ihn 1995 neu als Sondermodell „Rolling Stones“ gekauft hat, fiel der Abschied nicht leicht: „Er hat mich bis jetzt noch nie im Stich gelassen, doch nun würden einige größere Reparaturen anstehen.“ Jetzt ist Schrott Karl für den Golf zuständig.

Das passiert auf dem Schrottplatz

Das Geschäft wird zunehmend schwieriger, da viele Autobesitzer ihre Fahrzeuge vermehrt bei illegalen Betrieben abgeben.

Zu Beginn wird der Wagen trockengelegt: Kühlwasser, Öl, Bremsflüssigkeit, Benzin – alles Nasse muss raus. Erst dann beginnt der Ausbau der Einzelkomponenten. Vor allem neuere Autos werden meist vollständig demontiert, weil deren Teile besonders begehrt sind. Josef Karl, Betriebsleiter des Schrottunternehmens: „Derzeit bieten wir hier rund 140.000 Teile an – von Motoren über Getriebe bis hin zu Türgriffen. Die Teile werden hier gelagert und können per Online-Shop bestellt werden.“ Das Geschäft wird allerdings zunehmend schwieriger, da viele Autobesitzer ihre Fahrzeuge vermehrt bei illegalen Betrieben abgeben. Diese verschrotten die Autos nicht, sondern exportieren für einen besseren Preis ins Ausland.

Wenn die gewaltige Presse den Golf zermalmt, bleibt nur noch eine rote Flunder. Gerade mal 30 Zentimeter hoch, ist von dem einstigen Wagen nicht mehr viel zu erkennen. „Die gepressten Karossen kommen anschließend zu einem anderen Unternehmen, das sie durch den Schredder jagt“, sagt Karl. „Das zerkleinerte Material wird dann selektiert und wiederverwendet.“ Auf diese Weise recycelt der Betrieb jährlich ungefähr 850 Fahrzeuge. Während der staatlichen Abwrackprämie im Jahr 2009 waren es sogar über 5500. In ganz Deutschland werden jedes Jahr rund 500.000 Autos entsorgt.

Wiederverwertbare Autoteile werden sortiert und eingelagert.

Auto-Recycling streng geregelt

Seit 1997 verlangt der Gesetzgeber eine umweltverträgliche Entsorgung von Altautos. Konkret ist vorgeschrieben, mindestens 85 Gewichtsprozent des Altautos wiederzuverwenden oder stofflich zu verwerten. Weil nicht alles recycelbar ist, können laut Gesetz bis zu zehn Gewichtsprozent zum Zweck der Stromgewinnung verbrannt werden. Und nicht mehr als fünf Gewichtsprozent dürfen auf einer Deponie landen. Entsorgungsbetriebe, die diese Auflagen nicht beachten, machen sich strafbar.

Der Kunde muss sich mit diesen Problemen zum Glück nicht befassen: Wenn er sein Altauto weder privat verkaufen noch in Zahlung geben will, kann er den Wagen beim Hersteller oder Importeur kostenfrei abgeben. Diese Rücknahmepflicht besteht seit 2007. Die Abwicklung erfolgt in der Regel über die Vertragshändler. Davon ausgenommen sind Altfahrzeuge, bei denen wesentliche Bauteile oder Komponenten (z. B. Antrieb, Karosserieteile, Fahrwerk, Katalysator, elektronische Steuergeräte) entnommen worden sind. Wer den Restwert seines Autos in bare Münze umwandeln will, kann sich an einen zertifizierten Verwerter wenden.

Manch ein Autoteil landet übrigens auf ganz andere Art wieder im Konsumkreislauf: Findige Designer und Do-it-yourselfer stellen aus Autoteilen Schuhe, Taschen oder Möbelstücke her.

Quelle: ADAC Motorwelt 12/2016, Text: Alexander Stiehle, Fotos: Ria Kipfmüller


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Sophia
Sophia
Studium in Ansbach. Volontärin Digitale Kommunikation.

1 Comment

  1. Traut sagt:

    Manchmal ist es so das sich Reparatur oder Instandsetzung nicht mehr lohnt, Auch ist es nicht mehr gegeben das der Wagen über den TÜV kommt da ist Verschrottung die bessere Wahl;-)

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