Kleine Autos, große Unterschiede

Schlicht, technisch, vernünftig oder sauber: Alle getesteten Stadtflitzer punkten mit einem eigenen Vorteil.

Wir haben vier aktuelle Kleinwagen getestet und verglichen. Das Ergebnis: Der günstige Basispreis ist häufig Augenwischerei. Und: Im ADAC EcoTest schneiden die Autos sehr unterschiedlich ab. 

Dass ein Produkt nicht glatte zehn Euro, sondern 9,99 Euro kostet, gehört zum verkaufstaktischen Einmaleins des Einzelhandels. Psychologisch ähnlich funktioniert die magische 10.000er-Grenze im Kleinwagensegment: Autos unter 10.000 Euro gelten als preiswert – und locken damit Kunden zum Händler in den Verkaufsraum. Doch für diese Summe bekommen sie nur ein spartanisches Sparbrötchen: Wer ein bisschen mehr Ausstattung will, liegt – schwuppdiwupp! – oberhalb der 10.000 Euro-Schwelle. Prinzipiell ist das auch bei unseren Testkandidaten der Fall.

So hat die Basisversion des Opel Karl keine elektrischen Fensterheber, keine Zentralverriegelung und keine Klimaanlage. Selbst ein Radio kostet 250 Euro extra. Um all das zu erhalten, wählt man die Ausstattung „Innovation“ – macht 13.155 Euro. Die Basisversion des Mitsubishi Space Star ist ähnlich dürftig ausgestattet. Entscheidet man sich dazu für den Motor mit 80 statt 71 PS, kostet das Modell mit den drei Diamanten im Logo schon 14.290 Euro.

Die Basisversion des Opel Karl hat nicht einmal ein Radio

Der Suzuki Ignis startet ehrlicherweise gleich bei 11.900 Euro – mit attraktiver Technik an Bord landet unser Testwagen sogar bei 17.040 Euro. Nur beim Ford Ka+ lässt sich der Preisaufschlag einigermaßen begrenzen. Mit Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern vorn, Zentralverriegelung, Radio und Ford-Sync-Bedienung werden 11.600 Euro fällig. Richtig günstig in der Anschaffung sind Kleinwagen nicht. Das Etikett „Billigauto“ verdienen eher Autos wie der Dacia Sandero (ab 6990 Euro) und der Lada Kalina (ab 7210 Euro). Doch die gehören in die größere Kompaktklasse. Wer also ein wirklich billiges Auto sucht, fragt sich zu Recht: Will ich so viel Geld für einen Kleinwagen ausgeben? Und wie weit bin ich bereit, auf Platz und Komfort zu verzichten?

Freude am Fahren kommt im Ignis nicht auf. Dafür ist das Fahrwerk zu unausgewogen

Das bietet der Suzuki Ignis

Beim Suzuki Ignis haben wir die zweitteuerste Version angekreuzt, die die Preisliste hergab. Nur die Allradvariante wäre noch teurer gewesen. Technologisches Highlight des Ignis SHVS ist ein Mildhybrid-System mit integriertem Startergenerator sowie einem Lithium-Ionen-Akku. Das System gewinnt Bremsenergie zurück und unterstützt den Verbrennungsmotor beim Anfahren und Beschleunigen. Zum Spritsparwunder wird der Ignis damit nicht, aber 5,2 Liter im ADAC EcoTest sind ein guter Wert. Komplett ist die Sicherheitsausstattung inklusive Abstandswarnung, City-/Notbremsassistent und Spurverlassenswarner. Praktisch: Durch die verschiebbare Rückbank können es sich Mitreisende hinten etwas bequemer machen, wenn nur wenig Gepäck mitgenommen wird. Freude am Fahren kommt im Ignis allerdings nicht auf. Dafür ist das Fahrwerk zu unausgewogen, die Lenkung zu schwammig, der Motor zu schlapp und dröhnig. Allerdings schneiden in diesen Punkten auch seine Kontrahenten nicht besser ab.

Für die geringen Unterhaltskosten verdient der Opel Karl eine glatte Eins

Das kann der Opel Karl

Mit seinem sehr schlichten Design, der knappen Innenbreite und einer betagten Technik kann der in Korea gebaute Opel Karl wenig überzeugen. Enttäuschend sind die Fahrleistungen des Dreizylinder-Motörchens: Einen Lkw auf einer Landstraße gefahrlos zu überholen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Dazu schneidet der Motor auch in der Umweltbewertung miserabel ab: Die Kohlenmonoxid-Werte sind viel zu hoch. Andererseits geht im Vergleich zu den Preisen seiner Konkurrenz die Kaufsumme von 13.155 Euro in Ordnung. Sehr gut: Für die geringen Unterhaltskosten verdient er eine glatte Note eins. Schlecht: Die Rücksitzlehnen des Karl sind umständlich umzuklappen.

Punkten kann der Space Star mit niedrigem Verbrauch, sehr sauberem Abgas und den günstigen monatlichen Gesamtkosten

So punktet der Mitsubishi

Von außen betrachtet wirkt der Mitsubishi Space Star zwar sehr sympathisch. Doch auf die inneren Werte legt der knuffige Japaner weniger Wert: Er bietet am wenigsten Platz im Innen- und Kofferraum, sein Dreizylinder vibriert stark, die Karosserie wankt in schnell gefahrenen Kurven, und wichtige Sicherheitsassistenzsysteme sind nicht erhältlich. Punkten kann der Space Star dagegen mit seinen niedrigen Verbrauchswerten, einem sehr sauberen Abgas und den günstigen monatlichen Gesamtkosten. Preiswert und umweltfreundlich klingt gut, allerdings rücken diese Tugenden aufgrund der fahrtechnischen Mängel in den Hintergrund. Letztlich aber reicht das trotzdem für Platz zwei.

Mit einem moderneren Motor und einem Notbremssystem würde der Ford Ka+ hier als Testsieger hervorgehen

Das gefällt am Ford Ka+

Dass der Ford Ka+ mit ordentlicher Komfort-Ausstattung der Günstigste ist, hebt ihn im Test-Quartett heraus. Aber nicht nur das: Auch Fahrverhalten und Federung sind okay, der Motorlauf ist am wenigsten rappelig, und er bietet am meisten Platz für Insassen. In Summe bekommen Käufer im Ford Ka+ den besten Komfort. Was den Kölner in der technischen Bewertung zum Schlusslicht macht, sind der relativ hohe Benzindurst des Vierzylinders, der viel zu hohe Kohlenmonoxid-Anteil im Abgas, die nicht erhältlichen Assistenzsysteme und ein schlechter Fußgängerschutz. Mit einem moderneren Motor und einem City-Notbremssystem würde der Ford Ka+ hier als Testsieger hervorgehen. Die Chance haben die Strategen in Köln verpasst.

Der Suzuki gewinnt bei unserem Vergleich den EcoTest eindeutig.

Fazit

Falls ihr euch über das Ergebnis wundert: Das ADAC Urteil benotet ausschließlich die technischen Eigenschaften der Fahrzeuge mit den stärker gewichteten Kategorien „Sicherheit“ und „Umwelt“. Und das waren die Kriterien, bei denen Opel Karl und Ford Ka+ so schlecht abschnitten. Ausschlaggebend sind also Punkte, die man bei einer flüchtigen Probefahrt im Straßenverkehr gar nicht bemerkt. Alle Stärken und Schwächen der Autos aufzudecken – dafür testen unsere Ingenieure so aufwendig und akribisch.

Text: Wolfgang Rudschies, Fotos: Uwe Rattey

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1 Kommentar

  1. Herbert sagt:

    Interessanter Artikel. Ich selber fahre seit Jahren einen Suzuki Ignis und bin äußerst zufrieden. Da mein Sohn derzeit auf der Suche ist nach einem Auto, beschäftige ich mich mit den neuen Kleinwagen. Habe hierauch einen guten Artikel dazu gefunden, allerdings sind da auch welche dabei, die erst bis 2020 auf den Markt kommen. Jemand hier, der einen besonderen Tipp hat? VG, Herbert

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